• Das Schmieden eines Damast-Schwertes

    Mar 25–30 in Germany ⋅ 🌧 9 °C

    Ich bin an der Schmiede von Nico Runge in Bruchsal-Büchenau um mit Hilfe von Jannik ein Damastschwert zu schmieden. Das ist ein anspruchsvolles, aber mit Hilfe des Profis auch für Laien machbares Projekt. Damaststahl ist ein hochwertiger Verbundstahl, der sich durch hohe Härte, Langlebigkeit und eine hohe Schnitthaltigkeit auszeichnet, was ihn besonders für Messer und Blankwaffen begehrt macht.
    Die Arbeit beginnt mit dem Blankschleifen und Säubern des ausgewählten Stahles und dem Zuschneiden von kleineren Platten aus zwei Stahlsorten. Für das Schwertprojekt stellen wir drei Pakete aus jeweils 23 Lagen her. Immer im Wechsel die eine und dann die andere Stahlsorte. Die Pakete werden an den Ecken zusammengeheftet und erhalten einen Griff. Nun müssen die einzelnen Lagen zusammengeschweißt werden. Dazu sind hohe Temperaturen von mindestens 1200 Grad Celsius erforderlich. Dazu muss der Stahl hellgelb bis weißglühend sein.
    Immer wieder muss Borax, ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Feuerschweißen, über die Pakete gegeben werden. Es fungiert als Flussmittel, schmilzt beim Erhitzen und schützt den Stahl vor Oxidation. Ist die Temperatur erreicht, heißt es schnell zu sein und präzise. Raus mit dem Paket auf den Amboss und mit dem Handhammer gezielte Schläge von beiden Seiten um die Platten miteinander zu verschweißen.
    Das ganze geschieht drei mal, bevor der heiße Stahl mit dem Lufthammer bearbeitet wird. Dabei werden die Stahllagen weiter miteinander verschweißt und zugleich gelängt.
    Nun könnte man die einzelnen Pakete falten, um mehr Lagen zu erreichen. Besser aber ist, sie mit der Flex zu trennen und dann den Zunder mit der Schruppscheide komplett zu entfernen. Dann sinkt die Gefahr, dass sich einzelne Lagen nicht richtig verbinden.
    In unserem Fall entstehen aus den drei Paketen sechs Stahlblöcke mit je 23 Lagen, zusammen also 138 Lagen. Die Stahlblöcke werden nachdem sie völlig blank sind zu einem neuen Paket zusammengeheftet das über zwei Kilogramm wiegt.
    Wieder heißt es die einzelnen Lagen miteinander zu verschweißen, mit dem Handhammer und anschließend dem Lufthammer. Sind alle Lagen miteinander verschweißt, ist der Damastblock auf die gewünschte Dicke, Breite und Länge zu bringen. Jetzt reichen normale Schmiedetemperaturen von etwa 850 bis 900 Grad Celsius aus.
    Später werden immer nur Teile des Stahls erwärmt, da die Form zu lang für die Esse ist. Das ganze wiederholt sich viele Male, bis die gewünscht Länge von etwa einem Meter, die passende Breite von etwas über vier Zentimetern und eine Dicke von etwa acht Millimetern erreicht sind. Zu guter Letzt folgt ein Richten des heißen Rohlings mit dem Handhammer,
    Nun heißt es stundenlang Schleifen. Zuerst muss der geschmiedete Rohling mit der Schruppscheibe von der harten Zunderschicht gesäubert werden, mit Bandschleifern wird die aufgezeichnete Kontur des Schwertes ausgeschliffen, dann die Schneide vorgeschliffen.
    Nach dem Schleifen wandert der Schwert-Rohling für zwei Stunden zum Härten bei 850 Grad in den Ofen und wird anschließend in Öl abgeschreckt. Direkt nach dem Abkühlen erfolgt das Anlassen für ein bis zwei Stunden bei rund 220 Grad, um Spannungen zu lösen und die Zähigkeit zu erhöhen.
    In dieser Zeit stehen die Arbeiten für die Parierstange, den Griff und Knauf an. Wir beginnen mit der Parierstange, die aus einem kleinen, rechteckigen Stück Stahl entstehen wird. Dazu bringt man den Stab auf die Schmiedetemperatur von 850 Grad und meißelt mit einem Meißel einen Spalt genau in der Mitte von etwa 8 mm Dicke und 25 mm Breite heraus. Nach außen hin wird die inzwischen quadratisch geschmiedete Parierstange etwas verjüngt.
    Die Entscheidung für den Knauf fällt auf eine leicht konkave, runde Form. Dazu muss ein 50 mm Rundstahl herhalten. An den Bandschleifern entsteht die gewünscht Form, finalisiert wird sie in der Schmiede mit dem Hammer.
    Die Parierstange muss an die Angel des Schwertes angepasst werden bevor der Griff und der Knauf verschweißt werden. Nicht vermeiden lässt sich das stundenlange Schleifen des gehärteten Schwertes mit der Hand. Anschließend kommt das Schwert im Griffbereich in den Ofen, jetzt wird die Angel geschmiedet. Sie ist die Verlängerung des Schwertes, auf dem der Griff und der Knauf montiert werden. Nachdem alles passt wird der Knauf mit der Angel heiß vernietet, noch einmal geschruppt und später der Griff mit einem passenden Leder umwickelt.
    Zwischenzeitlich war der Rohling immer wieder in einem Eisen-III-Chlorid-Bad, dabei wird er schwarz und die wellenartigen Muster des Damastes werden sichtbar. Es folgt der Schliff der Schneide, will man das Schwert scharf haben. Ölen darf man natürlich nicht vergessen, und zwar regelmäßig, da der Stahl sonst rosten würde. Nach mehreren Tagen harter Arbeit ist das Damastschwert nun fertig. Einst war das Damastschmieden eine Kunst, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Heute machen moderne Verfahren und Werkzeuge diese Kunst auch für Laien möglich – ohne dabei ihre Magie zu verlieren.
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