Die Hohlwege, ein Mysterium der Etrusker
May 30 in Italy ⋅ ☀️ 25 °C
Dank der Fiat-Camper Nothilfe stehen wir auch das ganze Wochenende auf dem kleinen Parkplatz an der Kirche, das Versprechen uns am Freitag abzuschleppen, wurde nicht eingehalten. Wir sollen uns am Montagvormittag melden, dann gibt es eventuell neue Informationen. Von sich aus melden sie sich gar nicht. Wir stehen dann vier Tage mit defektem Getriebe. Das Wohnmobil ist nicht Mal ein Jahr alt, hat keine 10.000 Kilometer und schon sieben oder acht Werkstattaufenthalte hinter sich mit zum Teil gravierenden Mängeln.
Hilft nichts, Pitigliano, ein wunderbares und absolut sehenswertes Bergdorf liegt etwa zwei Kilometer Fußmarsch entfernt. Also am Samstag hin zu dem Dorf und die Wege dorthin entpuppen sich als die interessantesten, die wir seit Langem erlebten. Denn sie führen durch Hohlwege, auch als Vie Cave, die Straßen der Höhlen bekannt. Sie sind ein faszinierendes und mysteriöses Netz aus teils 20 Meter tiefen Schluchten, die von den Etruskern vor über 2000 Jahren in den weichen Tuffstein der südlichen Toskana geschlagen wurden. Sie umgeben die spektakuläre Tuffsteinstadt Pitigliano und die Nachbarorte Sorano und Sovana. Deren Entstehung gibt Archäologen bis heute Rätsel auf, der genaue Zweck ist unbekannt. Vermutlich dienten sie als rituelle oder heilige Wege, die die unterirdischen Nekropolen und Siedlungen miteinander verbanden. Später wurden sie von Römern und im Mittelalter als Transport- und Handelswege genutzt.
Aus dem Fels geschlagen wurden die Gänge mit einfachsten Werkzeugen, flankiert von bis zu 20 Meter hohen, glatten Tuffsteinwänden. Oft sind an den Felswänden noch kleine in den Stein gemeißelte Nischen oder Symbole zu finden. Die schattigen Schluchten sind dicht bewachsen und bilden in der heißen italienischen Sommersonne angenehm kühle Oasen. Zu den bekanntesten der rund 15 Pfade gehören die tiefe Via Cava di Fratenuti, die panoramareiche Via Cava Madonna delle Grazie und die rund 2,8 Kilometer lange Via Cava di San Giuseppe. Wir nutzten die Via Cava Madonna nach Pitiglianao, die heute als Wanderwege genutzten Routen verbinden Pitigliano mit den Nachbarorten Sorano und Sovana.
Viele der sichtbaren Höhlungen in den Hohlwegen und Felswänden stammen aus verschiedenen Epochen: Etruskische Grabkammern (ca. 7. bis 3. Jh. v. Chr.) wurden als komplexe Familiengräber in den Tuffstein gehauen und wirkten wie kleine Häuser für die Toten. Die quadratischen Felsnischen, sogenannter Colombari, entstanden vorwiegend in römischer und frühmittelalterlicher Zeit; sie bilden bienenwabenartige Wände mit Hunderten kleiner Nischen und dienten als Taubenhäuser - wichtige Quellen für Fleisch, Eier und Dünger. Vom Mittelalter bis zur Neuzeit gab es außerdem Wohn- und Wirtschaftshöhlen, die als Behausungen, Stallungen, Werkstätten und Zufluchtsorte in Kriegszeiten genutzt wurden; bis weit ins 20. Jahrhundert verwendeten Pitiglianos Bauern diese Tuffsteinhöhlen auch als kühle Weinkeller (Cantine) und zur Lagerung von Olivenöl.Read more






















