Zum Abschluss, ein Tag Rom
June 2 in Italy ⋅ ☁️ 26 °C
Den letzten Tag unserer vorzeitig abgebrochenen Toskana-Tour verbrachten wir vor dem Rückflug in Rom und besuchten einen legendären Friedhof und eine alte römische Grabstätte, zu dem es bei unserer letzten Rom-Reise nicht mehr gereicht hatte. Die Piramide di Caio Cestio und der angrenzende Cimitero Acattolico, auch bekannt als Protestantischer Friedhof, im römischen Viertel Testaccio gehören zu den kulturhistorischen Schätzen Roms. Hier verbinden sich antiker römischer Prunk, die europäische Italiensehnsucht und eine tiefe Verbindung zu bedeutenden deutschen Kulturschaffenden. Die Pyramide von Rom ist das einzige erhaltene Grabmal dieser Art und wurde zwischen 18 und 12 v. Chr. als monumentales Reihengrab für den römischen Magistrat und Prätor Gaius Cestius Epulo errichtet. Nach der Eingliederung Ägyptens 30 v. Chr. war ägyptischer Stil in der römischen Oberschicht populär. Mit einer Höhe von 36,40 m und einer quadratischen Basis von rund 30 m besteht das Innere aus römischem Beton und Backstein, die Fassade ist mit weißem Carrara‑Marmor verkleidet. Erhalten blieb die Pyramide, weil Kaiser Aurelian sie im 3. Jahrhundert n. Chr. in die Aurelianische Stadtmauer integrieren ließ. 2015 spendete der japanische Modeunternehmer Yuzo Yagi zwei Millionen Euro für die Reinigung der Oberfläche der Pyramide; Restauratoren säuberten die mit Schadstoffkrusten, Flechten und Moos überzogene Fassade, sodass das Monument seit Frühjahr 2015 wieder im originalen weißen Carrara-Marmor erstrahlt. Gleichzeitig wurden die antiken Fresken in der Grabkammer restauriert und gegen Feuchtigkeit geschützt.
Direkt im Schatten der Pyramide liegt der weltberühmte, idyllische Cimitero degli Inglesi, so jedenfalls der populäre Name. Der Friedhof wurde im frühen 18. Jahrhundert für protestantischen Ausländer angelegt, ist bis heute in Betrieb. Das Papsttum ließ Protestanten, Orthodoxe und Juden nicht in geweihter katholischer Erde bestatten. Seinen Beinamen verdankt er Gräbern berühmter englischer Dichter, die hier bestattet sind. Er gilt als einer der schönsten Friedhöfe weltweit. Die meisten der über 4.000 Bestatteten stammen aus Großbritannien, Deutschland, den USA, Russland, der Schweiz, Skandinavien und einige auch aus Italien; besonders im 18. und 19. Jahrhundert zog die "Italiensehnsucht" viele deutsche Dichter, Maler und Denker nach Rom. Im prominentesten deutschen Grab ruht Goethes einziger Sohn, der auf den Spuren seines Vaters nach Italien reiste, in Rom an einer Hirnhautentzündung starb und dessen von Bertel Thorvaldsen gestalteter Grabstein ihn als "Goethe Filius" benennt, sein eigener Vorname fehlt auf dem Grabstein.
Auf dem Friedhof finden sich unter anderem die Gräber bedeutender Deutscher: der Architekt Gottfried Semper, Schöpfer der Semper‑Oper in Dresden; der jung verstorbene romantische Dichter Wilhelm Waiblinger, der mit Eduard Mörike und Friedrich Hölderlin befreundet war oder die die Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Demokratin Malwida von Meysenbug, die lange in Rom lebte und mit Friedrich Nietzsche und Richard Wagner befreundet war. Um nur einige wenige zu nennen.
Nahe gelegen findet sich der Rome War Cemetery, ein Kriegsgräberfriedhof. Er wurde unmittelbar nach dem Einmarsch der alliierten Truppen und der Befreiung Roms von der deutschen Besatzung im Juni 1944 angelegt. Er dient primär als Ruhestätte für Soldaten des British Commonwealth, die während der Italienkampagne des Zweiten Weltkriegs ihr Leben verloren. Die alliierten Truppen marschieren in Rom ein, nachdem sich die Wehrmacht zurückgezogen hat.Read more






















