• Ahus: eine Perle an der Ostsee

    August 25 in Sweden ⋅ ☀️ 17 °C

    Åhus ist eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städtchen Schwedens, malerisch an der Mündung der Helge å in der Hanöbucht gelegen, mit reicher Geschichte, lebendiger Hafenpromenade und kilometerlangen weißen Sandstränden. Die Besiedlung geht auf die Wikingerzeit zurück, die ältesten Stadtrechte stammen von 1326. Im Mittelalter war Åhus als Handels- und Hafenstadt unter dem Erzbischof von Lund bedeutend; 1617 verlor es die Stadtrechte an das neu gegründete Kristianstad und verfiel. Der historische Kern zählt bis heute zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtzentren Schwedens, mit Ringmauerresten, engen Pflastergassen und Fachwerkhäusern. Wirtschaftlich prägt die Absolut-Vodka-Destillerie (seit 1879) den Ort, daneben Fischerei, Aalfang-Tradition und Tourismus.
    Von unserem Stellplatz liefen wir den Fluss entlang mit schönen Häusern und folgten dann in der Stadt dem Mittelalterweg. Startpunkt war das Anders Håkansgården, ein Freilichtmuseum der Heimatvereinigung Sankta Annas Gille südlich der Altstadt – leider nur donnerstags geöffnet. Der Hof stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Direkt gegenüber liegt Malmströms Repslageri, eine überdachte, rund 70 Meter lange Seilerbahn, in der bis 1966 Fischereitauwerk hergestellt wurde – ebenfalls nur donnerstags zu besichtigen.
    Von dort führt der Weg in die mittelalterliche Altstadt mit Ringmauerresten, Grabenlinie und schmalen Gassen. Mittendrin liegt der Marktplatz (Torget), heute geprägt von Eisdielen und Cafés. Gleich daneben steht die Kungstugan, ein kleines Fachwerkhaus von 1675, ursprünglich Nebengebäude des Pfarrhofs. Um sie ranken sich zwei Legenden: Offiziell versteckte Pfarrer Rönnow König Karl XI. während der Belagerung von Kristianstad vor dänischen Soldaten. Der Pfarrer soll den König rasch in den Schornstein über der Drosselklappe des offenen Kamins gedrängt haben – ein enger, rußiger Platz. Anschließend öffnete er selbst gelassen die Tür, empfing die dänischen Soldaten und behauptete, der König sei kurz zuvor abgereist. Die Durchsuchung blieb erfolglos, die enttäuschten Soldaten zogen ab, und Karl XI. konnte aus seinem unbequemen Versteck steigen. Eine zweite, pikantere Version besagt, der König sei eigentlich wegen der Pfarrersfrau so oft zu Gast gewesen – und sie sei es gewesen, die ihm beim Verstecken im Schornstein half.
    Wenige Schritte weiter liegt die Ruine des Sankta Annas Hospitals, 1524 von Claus Denne gegründet, 1569 abgebrannt und 1617 nach Kristianstad verlegt. Die Backsteinruine dient heute als Café-Terrasse (Klosterbageriet). Von dort führt die Köpmannagatan, die alte Kaufmannsstraße, weiter zur Burgruine Åhus Borg (Aosehus), vermutlich 12. Jahrhundert, erste Steinfestung Schwedens – erhalten sind nur Mauerreste, im Hintergrund kontrastiert eine wenig ästhetische Fabrik.
    Am Hafen lohnt eine Pause an der Eisdiele (glassbåt, ein umgebauter alter Fischkutter). "Glass" ist schwedisch für Speiseeis – Åhus ist landesweit dafür bekannt. Direkt daneben liegt die Gamla Skeppsbron, die alte Hafenpromenade mit Fischrestaurants und Marina. Zum Abschluss der Blick auf die Spritkyrkan, die "Vodka-Kirche" – das 1906 errichtete Destilleriegebäude von Absolut Vodka, in dem früher private Spirituosen gereinigt wurden.
    Für den Abend fanden wir nahe unseres Stellplatzes (nur 5 Plätze) eine schöne Fiskrökeri, ein passender Abschluss mit gutem Fisch.
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