• Astrid Lindgren Näs, ihr Geburtshaus

    September 3 in Sweden ⋅ ☁️ 15 °C

    Der heutige Tag steht fast komplett im Zeichen von Astrid Lindgren, der wohl bekanntesten Autorin von Kinderbüchern weltweit. Es seien nur Pippi Langstrumpf mit der Villa Kunterbunt genannt, die Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga sowie Ronja Räubertochter, um nur einige zu nennen. Als erstes besuchten wir das Näs bei Vimmerby, ihr Geburtshaus. Dazu gehören einige Nebengebäude des Hofs, das Pfarrhaus, Garten und das Besucherzentrum mit der absolut sehens- und lesenswerten Geschichte Astrids Lindgrens. Das Geburtshaus konnten wir innen nicht besichtigen, das ist nur im Rahmen von Führungen möglich mit einer sehr begrenzten Zahl von Besuchern, und die um 11 Uhr war trotz Nebensaison ausgebucht.
    Astrid Anna Emilia Ericsson wurde 1907 auf dem Bauernhof Näs geboren. Näs war ein Pfarrhaus, von dem ihre Eltern Land pachteten und bewirtschafteten – kein großer Hof, aber groß genug, dass viele Arbeitskräfte gebraucht wurden, und die Bauernkinder arbeiteten Seite an Seite mit Mägden und Knechten. Sie wuchs mit drei Geschwistern in einer als frei und unbeschwert beschriebenen Umgebung auf – Klettern, Spielen im Heu, viel Zeit draußen. Diese Kindheit auf Näs bildet später den atmosphärischen Kern vieler ihrer Bücher (Bullerbü, Michel aus Lönneberga).
    Mit 17 Jahren wurde Astrid ungewollt schwanger, von einem 30 Jahre älteren verheirateten Mann. Unehelich und in einer Zeit, in der das ein erhebliches gesellschaftliches Stigma bedeutete. Um der Situation in der kleinen Stadt Vimmerby zu entgehen, ging sie nach Stockholm. Ihren Sohn Lars brachte sie 1926 zur Welt und musste ihn zunächst zu einer Pflegefamilie in Dänemark geben, da sie ihn finanziell nicht versorgen konnte. Erst einige Jahre später konnte sie ihn zu sich holen. Diese Erfahrung – Trennung vom eigenen Kind – prägte sie tief.
    1931 heiratete sie Sture Lindgren. Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann 1944. Im selben Jahr verstauchte sie sich den Fuß, war bettlägerig und schrieb, um sich die Zeit zu vertreiben die Pippi-Langstrumpf-Geschichten auf, die sie zuvor ihrer Tochter Karin erzählt hatte. 1945 erschien das erste Pippi-Buch. Parallel arbeitete sie 24 Jahre lang als Lektorin beim Verlag Rabén & Sjögren und engagierte sich zeitlebens politisch – u. a. gegen Gewalt an Kindern und für Tierschutz. Auf ihr politisches Engagement wird direkt zurückgeführt, dass Schweden 1979 als erstes Land der Welt körperliche Züchtigung von Kindern in der Erziehung per Gesetz verbot. Und ihre öffentliche Kritik trug maßgeblich zu einem schwedischen Gesetz gegen Massentierhaltung bei.
    Ihre Steuersatire sorgte 1976 auch für die Abwahl der Sozialdemokraten. In diesem Jahr sollte Lindgren 102 % Grenzsteuer zahlen. Ihre Reaktion: das Satire-Märchen „Pomperipossa in Monismanien". Es löste eine landesweite Steuerdebatte aus und gilt als einer der entscheidenden Faktoren für die Wahlniederlage der Sozialdemokraten im Herbst 1976 – erstmals seit 40 Jahren. Lindgren blieb dennoch zeitlebens Sozialdemokratin. Gestorben ist die am 28. Januar 2002 im Alter von 94 Jahren in Stockholm. Bis heute wurden etwa 200 Millionen Bücher von ihr weltweit verkauft. Sie erhielt u. a. den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels; seit 2002 verleiht die schwedische Regierung ihr zu Ehren jährlich den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis, mit rund 560.000 € der höchstdotierte Kinder- und Jugendliteraturpreis weltweit.
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