• Das Vasa-Museum - ein Muss in Stockholm

    September 8 in Sweden ⋅ ☁️ 16 °C

    Einer der Hauptgründe für den längeren Stopp in Stockholm ist das Vasa-Museum. Es beherbergt ein fast vollständig erhaltenes Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das am 10. August 1628 auf seiner Jungfernfahrt nach nur etwa 20 Minuten und 1.300 Metern Strecke im Hafen versank. Ursache für das Unglück war eine gravierende Fehlkonstruktion. Auf Drängen von König Gustav II. Adolf wurde nachträglich ein zweites Kanonendeck eingebaut, wodurch das Schiff kopflastig und im Verhältnis zu seiner Höhe zu schmal wurde. Wochen vor der Fahrt hatte ein Stabilitätstest, bei dem 30 Männer auf dem Deck von einer Seite zur anderen rannten, bereits ein bedrohliches Schwanken gezeigt. Aus Angst vor dem Zorn des Königs wurde der Test jedoch abgebrochen und die Fahrt nicht abgesagt. Als das Schiff die schützenden Felsen des Hafens verließ, brachte eine erste Windböe das Schiff in eine bedrohliche Schräglage. Zwar richtete es sich noch einmal auf, aber ein zweite Böe verstärkte die Schräglage, so dass Wasser durch die nur einem Meter oberhalb der Wasserlinie befindlichen offenen Kanonenluken eindrang. Die waren offen wegen der Salutschüsse bei der Ausfahrt. Sehr schnell lief das Schiff voll und sank, riss zwischen 30 und 50 Menschen in den Tod.
    Nach 333 Jahren im sauerstoffarmen Wasser der Ostsee wurde das Wrack wieder entdeckt und im Jahr 1961 geborgen. Für die Vorbereitung mussten Marinetaucher unterhalb des im Tonschlamm feststeckenden Rumpfes sechs Tunnel freispülen. Diese Arbeit war für die Taucher lebensgefährlich, da sie in der eisigen, pechschwarzen Tiefe völlig blind arbeiteten und das Risiko bestand, dass das 1.200 Tonnen schwere Schiff absackt und sie lebendig begräbt. Durch diese Tunnel wurden 5 bis 6 Zentimeter dicke Stahlkabel gezogen. Mithilfe von zwei Bergungspontons wurde das Schiff anschließend schrittweise angehoben und in flacheres Wasser geschleppt. Nachdem die Kanonenluken unter Wasser abgedichtet worden waren, pumpte man den Rumpf leer, bis das Schiff wieder eigenständig schwamm - und das nach 333 Jahren auf Grund. Im Dezember 1988 folgte der Transport auf einem Ponton per Schlepper in ein altes Trockendock, um das herum das heutige Museumsgebäude errichtet wurde.
    Aktuell läuft ein größeres Projekt, um den Rumpf mit neuen Stützen und einem Stahlskelett im Inneren dauerhaft gegen das langsame Absacken durch die Schwerkraft zu stabilisieren. Die Kosten: 18 Millionen Euro. Mithin ist das Vasa-Museum das meistbesuchte in Schweden, jährlich kommen rund 1,5 Millionen Besuchern, der Großteil aus dem Ausland.
    Bei den Ausgrabungen im Rumpf wurden zudem über 40.000 Objekte gesichert. Die geborgenen Skelette von mindestens 15 Personen gaben durch DNA-Analysen Aufschluss über Alter, Geschlecht und den oft mangelhaften Gesundheitszustand der damaligen Menschen. In den Holztruhen der Matrosen fanden sich gut erhaltene Alltagskleidung, Schuhe, Werkzeuge und Kämme, die im Schlamm luftdicht überdauert hatten. Zudem entdeckten Archäologen unter Deck sechs ungenutzte Reserve-Segel aus Leinen und Hanf, Fässer mit eingesalzenem Proviant sowie rund 4.000 Kupfermünzen, die als Sold für die Besatzung gedacht waren.
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