• Die Södra Råda gamla kyrka und der Brand

    September 16 in Sweden 🌬 15 °C

    Die Holzkirche von Södra Råda, errichtet in den Jahren 1302 bis 1309 (dendrochronologisch datiert), war eine der bedeutendsten mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten Schwedens – nicht wegen ihrer Architektur allein, sondern wegen ihrer Wand- und Deckenmalereien. Der gesamte Innenraum war vom Boden bis zur dreiblättrig gewölbten Holzdecke mit biblischen Motiven bemalt: Die ältesten Malereien im Chor stammten aus dem Jahr 1323 und galten als eines der außergewöhnlichsten und am besten erhaltenen Beispiele französisch-gotisch beeinflusster Malerei ihrer Zeit an ihrem ursprünglichen Ort in ganz Skandinavien. Die jüngeren Malereien im Langhaus schuf 1494 Meister Amund, einer der bedeutendsten spätmittelalterlichen Kirchenmaler Schwedens – signiert und datiert, was für mittelalterliche Kirchenmalerei höchst ungewöhnlich ist. Es gab bereits Pläne, die Kirche als Weltkulturerbe vorzuschlagen.
    Ein unfassbares Verbrechen begannen in der Nacht zum 12. November 2001, als der Täter, damals rund 21 Jahre alt, die Kirche vorsätzlich in Brand steckte. Da die Kirche über kein Sprinklersystem verfügte, brannte sie vollständig nieder – Bauwerk und Malereien waren unwiederbringlich verloren. Die Tat blieb zunächst knapp zwei Jahre lang ungeklärt.
    Am 11. September 2003 kam es zur tragischen Eskalation: Derselbe Mann, mittlerweile in psychiatrischer Behandlung in Arvika, verließ nach der Nachricht von der Ermordung der Außenministerin Anna Lindh die Klinik, kaufte in einem nahegelegenen Supermarkt ein Messer und erstach auf dem Hof einer Kindertagesstätte die fünfjährige Sabina. Ein weiteres Kind wurde schwer verletzt. Während der Vernehmungen zum Mord gestand er spontan auch die Brandstiftung von 2001. Aufgrund einer schweren Psychose wurde er wegen Mordes und schwerer Brandstiftung zu unbefristeter rechtspsychiatrischer Versorgung verurteilt. Er scheint aber inzwischen nur noch in ambulanter Behandlung zu sein, da widersprechen sich einige Quellen. So groß der Verlust des über 700 Jahre alten Kulturguts auch war – ungleich tragischer bleibt der Tod des Kindes.
    Bereits kurz nach der Zerstörung beschloss das Riksantikvarieämbetet die Rekonstruktion der Kirche. Das Södra-Råda-Projekt arbeitete mit mittelalterlichen Werkzeugen, Materialien und Handwerkstechniken – rund 700 Jahre nach der ursprünglichen Bauzeit. Die Arbeit erwies sich als schwieriger als erwartet: Von den tausenden erhaltenen Fotografien der alten Kirche zeigte fast keines Details der Konstruktion, da fast alle Aufnahmen auf die Malereien fokussiert waren. Handwerker und Denkmalpfleger mussten Fügungen und Werkzeugspuren an vergleichbaren Gebäuden derselben Epoche eingehend untersuchen. Ausgrabungen am Kirchplatz brachten zudem Spuren einer noch älteren Stabkirche zutage, die vor dem heutigen Bau an derselben Stelle gestanden hatte. Rund 20 Jahre nach dem Brand wurde die Rekonstruktion eingeweiht – ein Projekt, das international bedeutsame Erkenntnisse über mittelalterliches Bauhandwerk lieferte, die Malereien selbst aber bleiben für immer verloren.
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