• Haithabu - eine Metropole im frühen Mittelalter

    September 23 in Germany ☁️ 18 °C

    Wir sind auf der Heimreise, machen einen längeren Stopp in Haithabu. Einst war es die bedeutendste Stadt Nordeuropas im frühen Mittelalter. Spätestens um 770 gegründet, wahrscheinlich von friesischen Kaufleuten, wuchs die Siedlung am inneren Ende der Schlei nahe dem heutigen Schleswig zum wichtigsten Handelsplatz der dänischen Könige heran. An der schmalsten Stelle der jütischen Halbinsel gelegen, kontrollierte Haithabu den Haupthandelsweg zwischen Nord- und Ostsee, Kaufleute aus ganz Europa trafen hier aufeinander. Zur Blütezeit im 10. Jahrhundert lebten schätzungsweise 1.000 bis 1.500 Menschen in der Stadt, geschützt durch einen Halbkreiswall und eingebunden in das Grenzverteidigungssystem des Danewerks.
    Dieser Schutz half am Ende nicht mehr. 1050 eroberte und verbrannte der norwegische König Harald Hardrada die Stadt vollständig, ein norwegischer Skalde feierte die Tat später in einem Gedicht. Haithabu erholte sich davon nicht mehr, ein Wiederaufbau gelang nur teilweise. 1066 plünderten und brandschatzten westslawische Truppen die geschwächte Stadt endgültig. Gemeinsam mit der Schlacht von Stamford Bridge im selben Jahr markiert dieses Jahr traditionell das Ende der Wikingerzeit. Ein erneuter Wiederaufbau blieb aus, die Bewohner zogen zwei Kilometer weiter ans andere Schlei-Ufer, wo daraus das heutige Schleswig entstand. Haithabu selbst verfiel, der steigende Wasserspiegel ließ die Überreste versinken, die Stadt geriet in Vergessenheit.
    Erst 1897 vermutete der dänische Archäologe Sophus Müller, dass sich das alte Haithabu innerhalb des Halbkreiswalls befand, 1900 bestätigten Ausgrabungen unter Johanna Mestorf diese Theorie. Damit war die Stadt nach rund 830 Jahren wiederentdeckt. Seit 2018 gehören Haithabu und das Danewerk gemeinsam zum Unesco-Weltkulturerbe.
    Seit 1985 informiert das Wikinger Museum Haithabu in Busdorf bei Schleswig über die Ausgrabungen, darunter das geborgene Langschiff-Wrack und vier Runensteine. 2005 kam ein Freilichtmuseum auf dem Gelände der einstigen Siedlung hinzu: Sieben nach archäologischen Befunden rekonstruierte Häuser, eine Landungsbrücke und ein nachgebautes Wikingerboot lassen das Alltagsleben der Bewohner wieder lebendig werden.
    Und wir beenden damit die Schwedenreise, jedenfalls den Süden. Im Frühsommer 2027 folgt wohl der Norden und die baltischen Länder.
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