October 2017
  • Day4

    Nachlese

    October 22, 2017 in Serbia ⋅ ⛅ 17 °C
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  • Day3

    Die einstige Hauptstadt Jugoslawiens

    October 21, 2017 in Serbia ⋅ 🌙 13 °C

    Obwohl Belgrad auf eine fast zweitausendjährige Geschichte zurückblicken kann, befassten wir uns auf der geführten Stadttour vor allem mit den letzten knapp hundert Jahren. Die Römer hatten jedoch bereits an diesem strategischen Punkt zwischen den Flüssen Save und Donau zwischenzeitlich zehntausend Soldaten stationiert. Eine grosse steinerne Festung hoch über dem Ort, wo die beiden Flüsse zusammenkommen, verdeutlicht diese strategische Bedeutung noch heute.

    Die Entstehung des kommunistischen Staates Jugoslawiens aus den sieben Republiken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Kosovo sowie Serbien unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg sowie dessen blutiger Zerfall gegen Ende des letzten Jahrtausends bilden eine einzigartige Epoche in Europa, die sogar in mehreren Museen der ehemaligen Hauptstadt aufgearbeitet worden ist. Dass diese Aufarbeitung jedoch noch nicht überall gleich gut erfolgt ist, merkten wir als sich unser mitgereister Kollege aus Bosnien bei der Erklärung durch unsere Stadtführerin Nina plötzlich in eine intensivere Diskussion verstrickte, insbesondere ob Kosovo nun Teil von Serbien sei oder eben nicht.

    Der Staat Jugoslawien ist ganz stark mit einer Person verbunden, der alleine ein ganzes Museum gewidmet ist, dem Jahrzehntelang regierenden Staatschef Josip Broz Tito. Er führte das Land vom zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tode 1980, auf den dann kurz darauf der Zerfall des Staates folgte. Aus dem ehemaligen Königreich Jugoslawien entstand unter ihm ein kommunistischer Staat, der sich jedoch im Gegensatz zu den anderen osteuropäischen Ländern erfolgreich von Stalin und der Sowjetunion distanzierte und in der Welt nach dem 2. Weltkrieg eine eigene Rolle spielte. Tito war eine Person die sich gerne auf der Weltbühne bewegte, das Museum war voller Geschenke, die der Vielreiser von seinen unzähligen Besuchen in fast allen Ländern der Welt mit nach Hause brachte. Seine Beerdigung war dann auch ein Aufmarsch von Staatsvertretern aus aller Welt, wie es die Geschichte wohl noch nie gesehen hat. Ganz im Stile der grossen Machthaber, lies er sich in einem imposanten Marmorsarkophag begraben, der in der Mitte seines Museums liegt.

    Das dunkelste Kapitel der jugoslawischen Geschichte war auch optisch immer noch gut erkennbar, als wir mit dem Bus an einem komplett zerschossenen mehrstöckigen Haus mitten im Stadtzentrum vorbeifuhren und uns daran erinnerte, dass hier vor 19 Jahren ein schlimmer Bürgerkrieg tobte. Der Wohnblock sei gleichzeitig ein Mahnmal, weil es damals von der NATO mit Uranmunition, also quasi Nuklearwaffen beschossen worden sei. Die Gegend sei heute noch radioaktiv verstrahlt und es habe in der Region zu einem massiven Anstieg an Krebserkrankungen geführt, führte Nina weiter aus.

    Belgrad hat die meisten zerstörten Gebäude wieder aufgebaut und in der aufstrebenden Stadt mit zwischenzeitlich 1.7 Mio. Einwohnern wird intensiv weiter gebaut. Mitten in der Stadt wird sogar eine riesen grosser neuer Dom erstellt, der für 10'000 Leute Platz bieten soll und zeigt, dass die im Kommunismus verbotene Religion wieder gelebt werden darf und heute primär im serbisch-orthodoxen Glauben praktiziert wird. Dass auf dieser teilweise bereits abgeschlossene Baustelle ein grosses Transparent des Geldgebers dieses Bauwerks, dem russischen Gazprom-Konzern hängt, spricht für sich. Das serbische und russische Volk sind eng miteinander verbunden und haben immer wieder die Nähe gesucht. Diese Verbundenheit zeigte sich auch in der kyrillischen Schrift, die in der Verfassung als offizielle Schrift verankert ist und bei vielen Gebäudebeschriftungen zu sehen ist. Dass aber auch die lateinische Schrift gleichwertig daneben eingesetzt wird, zeigt, dass Serbien oder damals Jugoslawien immer den eigenen Weg gegangen ist, zwischen der westlichen und östlichen Welt…

    Und auch ich gehe meinen Weg weiter, westwärts nach Hause. Das war’s von meiner Berichterstattung aus dieser interessanten Stadt. Danke für dein Interesse. Bis zum nächsten Trip!
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  • Day2

    Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen

    October 20, 2017 in Serbia ⋅ ☀️ 20 °C

    Bevor ich morgen dann Belgrad auskundschaften kann, stand heute aber erst noch ein Arbeitstag auf dem Programm. Das Treffen war als offener Austausch von Startups aus dem Portfolio eines Schweizer Business Angels und Investoren aufgesetzt. Die Lokation, wo mich das Taxi an diesem herrlichen Herbsttag hinbrachte, überwältigte mich sogleich. Kein steriles Hochhaus-Sitzungszimmer, sondern ein trendiges Clublokal am Fluss Save, der wenige hundert Meter danach in die Donau mündet. Das kubische Gebäude aus rostigem Eisen erinnerte mich dann sogleich an meine Heimat Murten, mit dem Monolithen von der Landesausstellung von 2002 und den leider nur noch vereinzelt vorhandenen Blechstücken.

    Vom Innern war die gegenüberliegende Flussseite mit der Altstadt und der imposanten Festung, wo die beiden Flüsse dann zusammenfliessen, zu erkennen. Keine einfache Aufgabe, bei so einem Ausblick immer konzentriert den Referenten zu folgen, zumal dann auch noch riesige Transportschiffe und Segeljachten direkt vorbeizogen. Dafür waren dann die vielen Pausen für den persönlichen Austausch auf der Terrasse schon etwas besser geeignet…

    Im Stile der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ präsentierten die Jungunternehmer in 5-Minuten-Pitches ihre Businessideen, die sie mit viel und unverkennbarer Passion verfolgten. Teilweise war es schon ihr zweites oder drittes Unternehmen, das sie aufbauten. Aber ich schreibe ja einen Reiseblog und nicht ein Managementbuch, weshalb ich es hiermit belasse mit den Ausführungen zur Startupkonferenz.

    Eine Pausendiskussion mit einem lokalen Investor führte mich dann aber wieder zum Thema des Vorabends (siehe Blog von gestern), was ich hier noch erwähnen möchte. In Serbien hat es aus kommunistischer Zeit sehr viele ausgezeichnete (Informatik-)Ingenieure, das wurde gefördert, während Wirtschaftswissenschafter eher eine knappe „Spezie“ sind. Einer der anwesenden Startups aus der Schweiz hatte entsprechend seine ganze Entwicklung nach Belgrad verlegt. Das Lohnniveau, das etwa um Faktor 10 kleiner ist und das Potential der Fachkräfte waren die Motivatoren dafür. Und da wäre nun die Öffnung mit der Personenfreizügigkeit wieder ein Risiko, dass diese Leute – wie es die Erfahrung vom Nachbarland Kroatien gezeigt hat – im grösseren Stil abwandern und dieser Standortvorteil verschwindet.

    Der gemütliche Marsch zurück zum Hotel am Abend eröffnete mir dann einen ersten Blick in die wunderschöne Altstadt und weckte die Vorfreude, Belgrad dann schon noch einen ganzen Sightseeing-Tag zu widmen.
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  • Day1

    Ein paar Bildungslücken

    October 19, 2017 in Serbia ⋅ ☀️ 21 °C

    Vor ein paar Wochen bin ich für eine Konferenz von verschiedenen Startup-Unternehmen nach Belgrad eingeladen worden. Da ich selber gerade eine Idee aushecke und noch nie in einem Land des früheren Jugoslawien war, bot dies nun die ideale Gelegenheit, der Hauptstadt Serbiens einen (kurzen) Besuch abzustatten und einen weiteren Flecken auf meiner Europakarte der besuchten Länder zu markieren.

    Vom Hörsaal an der Hochschule St. Gallen, wo ich den Tag hindurch noch über Herausforderungen von Startups unterrichtete, ging es gleich Richtung Flughafen Zürich. In meinem Kopf war Serbien ein „typisches europäisches Land“, wie unsere Nachbarländer auch, und so schenkte ich der Vorbereitung nicht besonders viel Aufmerksamkeit, realisierte dann aber auf dem Flughafen gleich, dass ich da schon noch ein paar Bildungslücken habe und nicht mehr ganz à-jour bin.

    Schnell noch ein bisschen Bargeld holen. Euros sind es scheinbar nicht, sondern RSD war auf der Tafel des Wechselschalters zu lesen. Und so fragte ich meine Unkenntnis verbergend nach „Devisen für Serbien“ und bekam darauf ein paar tausend „Serbische Dinare“ ausgehändigt. Nach dem Einchecken ging‘s dann zum Gate D. „Wieso muss ich eigentlich durch den Zoll und erhalte gar einen weiteren Stempel in meinen Pass“, fragte ich die Beamtin erstaunt, die mich daraufhin fast ein bisschen auslachte. „Darüber haben Sie doch abgestimmt“. Ach so, die Schengenraum-Erweiterung. Und als ich nach der Landung meine Mails nicht abrufen kann, weil ich auf meinem Mobile nur ein Datenpaket für den EU-Raum aktiviert habe, realisiere ich, dass ich auch hier von einer falschen Annahme ausgegangen bin, Serbien gehört auch nicht zur EU!

    Höchste Zeit mich auch politisch wieder auf den neusten Stand zu bringen: Serbien möchte offensichtlich schon lange gerne der EU und dem Schengenraum beitreten, aber die Kriegsverbrechen in den 90er-Jahren und die vorerst fehlende Kooperation mit dem Tribunal in Den Haag führte zum Veto einiger EU Staaten. Zwischenzeitlich, nach der Auslieferung der schlimmsten Kriegsverbrecher, sind die Verhandlungen mit der EU in Gang bekommen und Serbien hofft gemäss Wikipedia, 2020 in die EU aufgenommen zu werden. Ob das alle so sehen? Mein Taxifahrer, der mich vom Flughafen ins Hotel fuhr, sicher nicht. „Brüssel isch Mafia“, wiederholte er mindestens fünf Mal auf der fünfzehnminütigen Fahrt ins Stadtzentrum, in fast perfektem Schweizerdeutsch, gelernt in seinen zwei Jahren als Saisonier auf der Klewenalp, in dem Hotel, wo ich kürzlich übernachtete. Die Welt ist klein!
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