• 520 km zu fahren

    May 16 in Spain ⋅ ☀️ 6 °C

    Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker. Ich muss unbedingt mal den Klingelton ändern. Er nennt sich Alarm und ich habe das Gefühl, dass mancher Zimmernachbar das schon wörtlich genommen hat.

    Ein Blick nach draußen irritiert mich. Es ist dunkel. Ein Blick auf meine Handy App offenbart: 7:00 Uhr Sonnenaufgang. Ich dusche und frühstücke erstmal und dann fahre ich um 7:00 Uhr los. Die Sonne geht genau in der Richtung auf, in die ich fahre. Das ist, als wenn man in eine 200 Watt Lampe sieht, man sieht nichts. Selbst mit runtergeklappten Sonnenvisier ist das zum verrückt werden.

    Die Gegend hier ähnelt sehr Kapadokien in der Türkei. Auch hier haben Menschen Höhlen in den weichen Stein gehauen zum Wohnen.

    Nach einiger Zeit biege ich auf eine kleine Straße ab, die durch Olivenplantagen führt. Die Bäume sind so dicht an die Straße gepflanzt worden, dass ich während der Fahrt hineingreifen könnte.

    Der Sprinter aus der Seitenstraße wird doch anhalten, oder ... Die Hand legt sich schon mal am Bremsgriff. Dann ist es soweit. Er fährt auf meine Straße. Schei... Die Vollbremsung wird diesmal nicht reichen. Der Fahrer sieht mich jetzt aber doch und bleibt nach ca. 1,5 Metern auf meiner Strasse stehen. Mir reicht das, um zu passieren. Ein wenig bin ich mit Schuld. An jeder Kreuzung wird hier die Geschwindigkeit von 90 auf 60 gesenkt, egal wie klein die Kreuzung ist. Da nur ca. eine handvoll Autos pro Stunde auf dieser Straße fährt, hält sich keiner daran. Im Gegenteil, die Leute brettern die Straße mit 120 lang, obwohl nur 90 erlaubt ist.

    Ähnlich wie in Italien sind hier auch einige Orte auf einem Berg oder steil an einem Berg. Irgendwann muss ich an einer ca. 15 % Steigung anfahren. Dafür benötigt man immer etwas höhere Drehzahlen. Die Leute im Restaurant gegenüber gucken erschreckt.

    Es geht weiter den Berg hinauf und auf der anderen Seite in ein wunderschönes Tal. Es ist total grün. Der Guadalquivir scheint hier zu entspringen. Es geht in sanften Kurven talwärts bis zu einem riesigen Stausee.

    Nach dem Verlassen des Tals geht es eine Ebene entlang. Auch hier ist es relativ grün aber mit 15 Grad auch relativ kalt, obwohl wir strahlenden Sonnenschein haben. Ein Blick auf die Höhenanzeige offenbart, dass ich mich zwischen 700 und knapp 1100 Meter Höhe bewege. Evtl. erklärt das die Temperaturen. Auf jeden Fall gibt es hier auch jede Menge grüne Felder so weit das Auge reicht.

    Mohn, Diestelblüten, Butterblumen, ... bilden plötzlich eine Farbenexplosion am Straßenrand. Ich muss erstmal halten und ein paar Fotos machen. Insgesamt habe ich heute das Gefühl, allein unterwegs zu sein. Alle Straßen sind irgendwie leer.

    70km von der Unterkunft entfernt verlockt ein Bach mit grüner Wiese und schattigen Bäumen zur Rast. Eine Familie gesellt sich dazu und die Frau angelt. Kaum ist der Köder im Wasser, da hat sie auch schon einen Fisch an der Angel.

    Meine Unterkunft liegt ca. 3 km abseits der Hauptstrasse. Die Straße geht direkt auf ein altes Dorf auf einem Berg zu. Ihr fühlt schon meine Angst, oder...
    Mein Glück, man hat unter dem Dorf einen Tunneldurchbruch gemacht und alles ist halb so wild. Im nächsten Dorf ist die Strasse eher ein Fußweg zwischen den Häusern.

    Angekommen bei meiner Unterkunft ist gleichzeitig ein Paar mit einem Porsche Panamera da. Die Vermieterin beklagt sich nachher bei mir, dass sie an allem rumgemäkelt haben. Man muss dazu wissen, dass die Unterkunft bei booking.com zu den preiswertesten gehört. Die Zimmer sind gut. Lediglich der Ausblick aus dem Fenster endet schon nach 1,5 Metern an einer Wand.
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