• Viele Wege führen nach Seoul

    20 Mac 2025, Korea Selatan ⋅ ☁️ 11 °C

    Schnell die Gangway runter, in 2 Minuten fährt der Shuttlebus in die Innenstadt von Incheon!

    Incheon - quasi das Potsdam von Seoul (nur dass hier 3,6 Mio. Menschen leben und in Seoul knapp 10 Mio.) - hab ich mir ja gestern schon etwas anschauen können.

    Deswegen will ich heute in die pulsierende Hauptstadt, ehe ich um vier wieder bei Herrn Steinway und seinen Söhnen sitzen muss.

    Staunend vor dem 555m hohen Lotte World Tower stehen? Vielleicht sogar auf die Aussichtsplattform hochfahren? Oder doch eher den Gyeongbokgung-Palast?
    Mittag essen auf dem berühmten Streetfood-Markt Myeongdong?
    I have options.

    Shuttlebus bekommen, puh.
    Aber Moment, der fährt gar nicht bis in die Innenstadt, sondern nur bis zum Ausgang des Hafengeländes?
    Na gut.
    Fahr ich halt bis dort und laufe die verbleibenden anderthalb Kilometer bis zur Metro.
    Ganz schön laut hier an der sechsspurigen Straße vor dem Hafengelände.
    Schwer beladene Lastwagen, soweit das Auge reicht. Google Maps funktioniert hier nicht richtig, aber ich weiß, dass ich der Straße einfach folgen muss. Dem Fußweg ist das aber egal, der hört einfach auf.
    Na gut.
    Muss ich irgendwie auf die andere Straßenseite kommen.
    Die Lücke da müsste, .. nee, doch nicht, ah, doch vielleicht noch vor dem schiefen LKW mit den gestapelten Autos, jep - geschafft.
    Kinder: Nicht nachmachen.

    Da vorn die Metrostation.
    79 Stufen hinunter in die blank geleckte Marmorhalle und zum Ticket-Automaten.
    Was?
    Man kann Fahrkarten hier nur bar mit südkoreanischen Won kaufen?
    Na gut.
    79 Stufen wieder hoch, laufe ich die zwei Kilometer zum Regionalbahnhof halt auch noch. Da wird man ja wohl Tickets bekommen.

    Bahnhofshalle, das sieht gut aus.
    Ganz ganz viele Ticket-Automaten stehen da rum. Aber … die sehen ja alle genauso old school aus wie eben schon in der Metrostation? In dem Land, aus dem die smartesten Gadgets bei mir zu Hause kommen, ernsthaft?
    Na gut.
    Muss ich mir halt einen Geldautomaten suchen. Da drüben über die Ampel blinkt direkt einer, perfekt.
    Piep piep piep piep.
    Card not valid, no withdrawal.
    Diese Information wird unterlegt mit leichten Mozart-Klängen.
    Na gut.
    Wird ja noch mehr Automaten geben hier.
    Da, 300m den Berg hoch zum Beispiel. Uff.
    Piep piep piep piep.
    Incorrect PIN number, no withdrawal.
    What?
    Nochmal.
    Incorrect PIN number, no withdrawal.
    Na gut.
    Ich bin mir zwar 110%ig sicher mit meinem PIN, aber ich kann ihn ja eben in der Bank-App nochmal überprüfen. Check.
    Einmal versuche ich es noch.
    Piep piep piep piep.
    Nix.
    Das Ding kann Mozart spielen, mir aber kein Geld geben.
    Schuster, bleib bei deinen Leisten, ey!

    Dann vielleicht mal in einer richtigen Bank?
    Fünf Minuten später stehe ich in einer Filiale.
    Der Automat sieht fancy aus. Ich hab ein gutes Gefühl. Ich brauche nur ein paar tausend Won für ein Ticket hin und zurück. Das sind umgerechnet nicht mal 8 Euro.
    Piep piep piep piep.
    Das sieht gut aus.
    Das sieht seeehr gut aus.
    Wieviel tausend Won?
    Na den kleinsten Betrag, Kollege.
    Ich verlasse heute Abend das Land und meine Pläne, nach Südkorea zurückzukehren, sind gelinde gesagt vage.
    Mozart.
    4 Dollar fee?
    Na gut.
    4 Dollar fee.
    Mozart.
    Meine schlaue Uhr vibriert am Handgelenk, ein gutes Zeichen. Jetzt sagt mir meine Bank sicher, dass ich Geld abgehoben hab.
    Seoul, viel Zeit bleibt uns nicht, aber ich werde in wenigen Augenblicken endlich zum Bahnhof hechten, Scheine in einen Automaten schieben und in dein Herz hineinfahren.
    Denkste.

    „Lieber Kunde, Geldabbuchungen sind in Südkorea erst ab 50,- EUR möglich.
    Vorgang abgebrochen.“

    Naaa gut.

    Die Aussicht, ab sofort mit mehreren Kilo Won-Scheinen im Gepäck herumzureisen, die ich mir dann zu Hause an die Wand kleben kann .. das ist es mir nicht wert.

    Dann halt nicht, Seoul. Da gehören ja auch immer zwei dazu, und ich kann mir echt nicht vorwerfen, mich nicht bemüht zu haben.

    So wird aus "schnell schnell nach Seoul" ganz plötzlich"entspannt entspannt zurück zum Schiff".
    Ich lustwandele durch die Gassen von China Town, stolpere über ein süßes kleines Café, in dem ich ausgiebig frühstücke, schlendere schließlich noch in Zeitlupe durch einen riesigen Supermarkt und decke mich mit allerlei Sachen ein, von denen ich absolut keine Ahnung hab, was es sein könnte, die aber lecker aussehen.

    Am Ende komme ich überpünktlich und buddhamäßig in mir ruhend wieder am Schiff an. Vielleicht war das genau das, was ich heut gebraucht hab?
    Soulfood statt Seoul.
    Fühlt sich auf jeden Fall so an.
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