• Am Fuße des Fuji

    24. marts 2025, Japan ⋅ ☁️ 18 °C

    Die Teilnahme am vorerst letzten Ausflug dieser Reise hab ich mir aktiv gewünscht. Wir sind wieder mitten in Japan angekommen und werden mit lautem K-Pop (oder J-Pop?) vom Hafengebäude aus beschallt. Nicht so meins, vor allem nicht in der Lautstärke.

    Shimizu heißt die Stadt, die am Fuße des berühmtesten Bergs von Japan liegt und Touristen aus aller Welt anzieht. Mit uns im Hafen ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff mit ungefähr fünfmal so vielen Gästen an Bord. Wir werden uns im Verlauf des Tages immer mal wieder gegenseitig im Weg rumstehen. Wie schön, dass das in den vergangenen zwei Wochen nie der Fall war.

    Ich bin wieder pünktlich vor meinem Bus und hab Zeit, mich Tokiko vorzustellen und mit ihr ein bisschen zu quatschen. Sie spricht ganz gut deutsch und erzählt mir, dass sie im letzten Jahr zwei Bücher über Schubert ins Japanische übersetzt hat. Überhaupt liebt man hier die klassische deutsche Musik.
    (Erinnerungen an die Geldautomaten in Südkorea kommen hoch😉)

    Und deutsche Märchen erst! Die Gebrüder Grimm kennt hier jedes Kind.
    Auch die "Drei kleinen Schweinchen" sind hier bekannt, wobei die Japaner es wohl höchst befremdlich finden, dass stets der oder die Jüngste alle anderen an Cleverness überbietet. In einer japanischen Version, so sagt Tokiko schmunzelnd, wäre das dritte Schweinchen, das sein Haus aus Stein gebaut hat, der absolute Trottel der Geschichte.

    Der Ausflug soll - nach einem kurzen Stopp in einem Museum - zu einem besonders schönen Kiefernwald gehen, durch den man an den schwarz-sandigen Strand der Bucht spazieren und einen wunderbaren Ausblick auf den nahen Mount Fuji haben soll.

    Okay, der Fuji, ein 3700m hoher Berg, was soll daran denn jetzt so besonders sein?, könnte man fragen.
    Da ist ja gefühlt jeder zweite Hügel in den Alpen höher.

    Tatsächlich liegt die Faszination für mich vor allem darin, dass das Ding so vereinzelt in der Gegend rumsteht, wie eine Sandburg, von Lava alle paar Jahrtausende schön symmetrisch etwas höhergekleckert.

    In freudiger Erwartung dieses Tages hab ich schon im Vorfeld immer mal auf die Wetteraussichten geschaut. Blauer Himmel, morgens, mittags, abends. Perfekt.
    Das mit den Vorhersagen ist ja aber immer so eine Sache, und so hat mich heute morgen eine dicke Wolkenschicht durch mein Bullauge angelacht.

    Auch Tokiko hält es für sehr unwahrscheinlich, dass wir die ikonische Berg-Silhouette heute zu Gesicht bekommen.

    Im Museum sind holzgedruckte Landschaftsbilder aus der Edo-Epoche ausgestellt, die mich nicht so catchen. Viel mehr begeistern mich die Wolkenlücken am Himmel. Das sieht guuut aus!
    Die Richtung stimmt, jetzt muss es nur noch ein bisschen weiter im Norden aufreißen für den unvergesslichen Spaziergang am Panoramastrand.

    Und während wir wieder alle im Bus sitzen, erhasche ich tatsächlich einen kurzen Blick auf die majestätische weiße Krone, bevor diese wieder hinter dicken Wolken verschwindet.

    Anfänger hätten in diesem Moment ein Foto geschossen. Ich gehe allerdings fest davon aus, dass bei Ankunft am Strand alle Wolken weggeblasen und die Aussicht noch viel besser sein wird als das bisschen Berg durch die Busscheibe hier.

    "Bus" - so erklärt Tokiko gerade - bedeutet im Japanischen übrigens "äußerst hässliche Frau". Gelächter.

    Natürlich sieht man am Strand kein bisschen Fuji mehr. Nicht mal äußerst hässliche Frauen. Hängende Köpfe, auch bei den fünf Bussen des amerikanischen Schiffes, die dort zeitgleich mit uns ausgekippt wurden. Immerhin hängt am Parkplatz ein Foto, welchen Ausblick man verpasst hat.

    Zurück am Schiff knallt die Sonne wieder unerbittlich vom blauen Himmel. Nur da vorn, und exakt NUR da, wo der berühmte Fujiyama thront, hängen dicke Wolken wie ein überdimensionaler Sichtschutz.

    Als wir gegen 20 Uhr die Leinen losmachen, setzt der Wettergott noch einen drauf und lässt es gehörig krachen auf‘m Wasser.

    Für den Blick auf den Fuji muss ich wohl doch nochmal wiederkommen irgendwann. Oder googeln, möglicherweise hat ihn ja schon mal jemand vor mir fotografiert.😉
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