• Entschleunigen Sie bitte vielmals

    April 1, 2025, North Pacific Ocean ⋅ 🌬 24 °C

    Seit einer Woche gurken wir nun quer über den größten Ozean unseres Planeten, der die gesamte Landfläche der Erde locker in sich aufnehmen könnte.

    Gerade hab ich den Punkt meiner Reise passiert, an dem ich am weitesten von zu Hause entfernt bin.
    Würde ich ein Gummiband zwischen mir und meinen Liebsten spannen, es läge gerade exakt über dem Nordpol.
    Schnips.

    Nach anderthalb Tagen Dauerwelle hat sich das Blau um uns herum merklich beruhigt und auch ich werd lustigerweise gerade von Tag zu Tag weniger wach.

    Mag daran liegen, dass wir hier ständig an der Uhr drehen und die Tage dann nur 23 Stunden haben. Meine Klavierspielzeiten sind ja ohnehin sieben Tage die Woche gleich, sodass sich Wochentagsgefühle schon vor langer Zeit verabschiedet haben.

    Aber während es in Japan fast jeden Morgen etwas neues zu entdecken gab an Land, unterscheiden sich hier auf'm Wasser nun auch die Vormittage kaum voneinander.

    Hier mal ein kleiner Vortrag zu Flora und Fauna, da mal ein bisschen Sport, ansonsten lesen, sonnen, essen, schlafen, aufs Meer gucken.
    Man hat es nicht leicht.

    Wie muss das erst sein, auf einem Containerschiff monatelang um die Welt zu fahren, wo Buffet und Unterhaltungsprogramm ja nochmal leicht ausgedünnt sind im Vergleich zu meinem Boot hier?

    Der Teil von mir meldet sich, dem lange genug eingetrichtert wurde, dass ein Tag, an dem man nichts geschafft hat, kein guter Tag gewesen sein kann.
    Mmh.
    Ich könnte Wäsche waschen.
    Oder mich an den Computer setzen und eine der zahlreichen Sachen machen, die ich mir explizit zum Arbeiten mit aufs Schiff genommen hab.

    Na gut, SO langweilig ist mir ja nun auch nicht.

    Ich könnte eine Rasendünger-Firma gründen, deren einziges Produkt "THE OTHER SIDE" heißt und großflächig mit "The grass is always greener on THE OTHER SIDE!" werben.
    Aber dann würde ich da den Rest des Lebens drüber kichern und meine Frau den Rest des Lebens mit den Augen rollen, das führt ja auch zu nichts.

    Und so versuche ich, einfach mal anzunehmen, dass ich hier und jetzt entschleunigt durch die Tage gleiten darf, so wie das Schiff gerade ganz langsam übers Meer zieht.
    Halt die Klappe, produktiver Stefan!

    In zwei Tagen sind wir auf Hawaii, da wird es mehr zu tun und zu gucken geben, als ich mir gerade vorstellen kann. Alles hat seine Zeit.
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