• Kurven, Küste, salzige Kerne

    May 14–15, 2025 in Turkey ⋅ 🌙 11 °C

    Izmit hat mich gestern noch überrascht – als feierfreudige Stadt mit XXL-Fressmeile, Freizeitpark und endloser Promenade am Marmarameer. Die Stimmung war ausgelassen, überall Menschen, die den Abend genossen. Die Bars waren voll, Straßenverkäufer boten alles Mögliche an und doch: kaum internationale Touristen. Es scheint, als würden hier vor allem Einheimische Urlaub machen – weit weg vom Trubel Istanbuls.

    Nach einem eher gewöhnungsbedürftigen Frühstück – das kulinarisch nicht ganz mit dem Abend mithalten konnte – machte ich mich auf Richtung Norden, zur Schwarzmeerküste. Doch diesmal wollte ich nicht die schnelle Landstraße nehmen. Ich sehnte mich nach Bergen, nach Kurven, nach Offroad. Also plante ich meine Route über einen vielversprechenden Bergpass.

    Und was soll ich sagen: Es war ein Volltreffer. Die Straße war kurvenreich, steil, mit spektakulären Ausblicken, die mir mehrfach ein lautes „Wow!“ unter dem Helm entlockten. Teilweise so steil, dass ich mich instinktiv nach vorne lehnte, nur um sicherzugehen, dass ich keinen unfreiwilligen Wheelie hinlege...

    Dann endete der Asphalt – und der Schotter begann. Wilde Natur, Wasserläufe quer über den Weg, anspruchsvolle Passagen, durch die der letzte Regen neue Herausforderungen geformt hatte. Und mittendrin: ein riesiges Dammprojekt im Bau. Hier wird aus einem wilden Fluss bald ein gigantischer Wasserspeicher entstehen, vermutlich für Energiegewinnung – beeindruckend und zugleich ein Eingriff in unberührte Landschaft.

    Ziemlich ausgepowert erreichte ich schließlich die Schwarzmeerküste – und wurde belohnt: Gözleme, frisch vom Blech, dazu kalter Ayran, Meerblick. Einfach perfekt. Das Schwarze Meer war tiefblau, ruhig – und der Moment genau richtig.

    Doch die Suche nach einer Unterkunft wurde zur echten Aufgabe. Booking.com? Fehlanzeige. Ich klapperte einige Orte ab, und erst spät abends fand ich ein von außen schlichtes, aber praktisches Hotel mit gutem Parkplatz. Ideal für meine müden Knochen und mein treues Bike.

    Die Orte hier sind klein, fast dörflich. Und wieder: kaum Touristen. Beim Abendspaziergang spürte ich viele neugierige Blicke. Um nicht völlig aus der Reihe zu tanzen, besorgte ich mir den lokalen Lieblingssnack: geröstete, gesalzene Sonnenblumenkerne. Hier werden sie überall und immer geknackt – also machte ich einfach mit.

    Heute geht’s früh ins Bett. Ein bisschen Arbeit wartet noch, und mein Körper meldet sich auch deutlich: Der Tag war lang, die Fahrt fordernd. Wenige Bilder, viele Emotionen – so fühlt sich Abenteuer an...
    Read more