• Barfuß auf Nägeln. Yoga

    May 31–Jun 1, 2025 in Turkey ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute stand bei mir zum ersten Mal seit Langem – nichts auf dem Programm. Kein Motorrad, keine Route, kein neues Ziel. Nur: Entspannung mit meinen Mädels. Und ehrlich gesagt – das tat richtig gut.

    Wir schliefen aus, frühstückten gemütlich, redeten lange beim Tee. Draußen prasselte starker Regen auf die Dächer der Bungalows, als würde die Natur selbst sagen: „Bleibt heute einfach hier.“ Genau das haben wir getan. Und es war herrlich.

    Die Yoga-Frauen, mit denen ich in den letzten Tagen so viel Zeit verbracht habe, starteten eine Charmeoffensive. Schon seit meiner Ankunft in Çıralı versuchen sie, mich zu einem Kurs zu überreden. Heute war es soweit – sie hatten Erfolg. Mit einem breiten Grinsen, viel Überzeugungskraft und dem Satz „Du musst das einfach mal erlebt haben!“ wurde ich weich. Ich sagte zu.

    Auf dem Programm stand heute Nagelbrettstehen. Ja, richtig gelesen. Stehen! Auf - Nägeln!

    Zuerst dachte ich, das sei ein Witz. Oder ein sanfter Einstieg mit ein paar Atemübungen. Stattdessen: ein rechteckiges Brett, übersät mit Hunderten kleiner, scharf gespitzter Nägel. Und ich, barfuß, mit skeptischem Blick. Aber da ich nun schon mal dabei war, dachte ich mir: Jetzt oder nie!

    Zuerst wurde meditiert. Tiefe Atmung, ruhige Musik, achtsames Ankommen. Dann die Anleitung: Langsam, mit Achtsamkeit auf das Brett steigen, das Gewicht gleichmäßig verteilen, sich innerlich auf Ruhe und Vertrauen fokussieren. Ich trat vorsichtig auf. Und ja – die ersten paar Sekunden waren ein Schock. Mein Körper meldete Schmerz! Gefahr! Weg hier! Aber ich blieb stehen. Und plötzlich geschah etwas Faszinierendes: Mit der richtigen Atmung, der Konzentration auf die Füße, auf das Hier und Jetzt – ließ der Schmerz nach. Nicht weg, aber wie gedämpft. Ich spürte meinen Körper intensiver denn je, aber nicht in Panik, sondern in Präsenz.

    Ich stand. Und wurde innerlich ruhiger. Ich hörte die Musik, die Stimmen der Frauen, das Rauschen des Regens – und fühlte mich völlig im Moment. Als ich wieder vom Brett stieg, hatte ich das Gefühl, innerlich größer geworden zu sein. Ich war erstaunt, stolz – und neugierig geworden.

    Der Rest des Kurses war geprägt von meditativen Techniken, Körperübungen, viel Austausch und einer ganz besonderen Atmosphäre. Ich durfte Teil dieser Gruppe sein, bekam ehrliche Einblicke in Gedanken, Gespräche und Emotionen, die in einer reinen Frauengruppe ganz anders fließen als in gemischten Runden. Es ging um Ängste, Wünsche, Mut, Neuanfänge. Und zwischendurch wurde auch viel gelacht. Es war ehrlich, offen und berührend.

    Ich hatte richtig viel Spaß – ja, wirklich! Es war faszinierend zu sehen, mit welcher Energie, Offenheit und Tiefe sich diese Frauen mit sich selbst und dem Leben auseinandersetzen.
    Was als „Na gut, ich probier’s halt mal“ begann, wurde zu einem echten Erlebnis für mich!

    Am Ende des Tages war ich dankbar – für die Einladung, für das Vertrauen, für die neue Erfahrung. Für die Begegnung mit einer Welt, die ich sonst eher von außen betrachte. Und ich muss sagen: Diese Yoga-Frauen haben nicht nur Körpergefühl, sondern auch richtig Herz!

    Ein stiller, intensiver, besonderer Tag. Einer, den ich bestimmt nicht vergessen werde.
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