Fazit "Elektromobilität beobachten" ❌❌
Yesterday in Ethiopia
⛅ 20 °C
Einer der Gründe, warum wir uns auf diese Reise gefreut haben, war zu Beobachten, wie die Elektromobilität sich in Äthiopien entwickelt hat: „Ein ganz anderes Thema erwartet uns in Addis Abeba. Äthiopien hat 2024 die Einfuhr von Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren grundsätzlich untersagt und setzt stattdessen stark auf Elektromobilität - etwas, was in der Schweiz und der EU auch in zehn Jahren noch nicht kommen wird. Wir sind deshalb neugierig, wie diese überfällige Verkehrswende im Alltag aussieht. Welche Autos fahren tatsächlich durch Addis Abeba? Wo wird geladen? Und wie weit ist die Elektromobilität ausserhalb der Hauptstadt angekommen? Das dürfte ein spannender Blick auf eine Mobilitätswende mitten im Alltag sein.“
Inzwischen sind wir diesbezüglich etwas ernüchtert, was jedoch weniger mit der Elektromobilität, sondern mit den aktuellen Umständen in Äthiopia zu tun haben
Wer durch Äthiopien reist, begegnet einem Land, das in Sachen Elektromobilität offenbar einen gewaltigen Sprung nach vorne machen möchte. Die Regierung hat sich ambitionierte Ziele gesetzt und 2024 sogar die Einfuhr von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor weitgehend untersagt. Neue Autos sollen elektrisch fahren. Ein bemerkenswerter Schritt mit grossen Ambitionen. Zur damaligen Zeit sicher sinnvoll: wirtschaftliches Wachstum, zunehmender Tourismus, friedliches Miteinander und die Angst, dass Äthiopien von den gebrauchten CO2-Dreckschleudern aus der EU überschwemmt wird.
Tatsächlich begegneten uns auf unserer Reise Elektroautos - aber fast ausschliesslich in Addis Abeba. Vor allem chinesische Hersteller scheinen den Markt zu erobern. Auf den ersten Blick könnte man deshalb meinen, Äthiopien sei auf dem besten Weg, eine Vorreiterrolle bei der Elektromobilität in Afrika einzunehmen.
Doch je länger wir unterwegs waren, desto mehr wich die anfängliche Begeisterung einer gewissen Ernüchterung.
Abseits der Hauptstadt zeigt sich ein völlig anderes Bild. Es gibt grösstenteils überhaupt keine privaten Fahrzeuge. Weder Verbrenner noch E-Autos (in Äthiopien kommen auf 1000 Einwohner 2 PKW, in der Schweiz über 540). Eine Ladeinfrastruktur ist vielerorts nicht vorhanden, öffentliche Ladestationen sind rar.
Hinzu kommen die wirtschaftlichen Realitäten. Elektroautos sind für einen grossen Teil der Bevölkerung schlicht unerschwinglich. Während die Regierung den technologischen Wandel vorantreiben möchte, kämpft ein Grossteil der Menschen noch mit ganz anderen Herausforderungen des täglichen Lebens. Ein modernes Elektroauto ist da für viele weniger eine realistische Mobilitätslösung als vielmehr ein unerreichbarer Luxusgegenstand. Auf dem Land erleben wir gerade den Umstieg vom Fahrrad auf ein Motorrad (mehrheitlich Bajaj Boxer aus Indien). Ein Auto ist hier für niemand in Sicht.
Dabei verfügt Äthiopien eigentlich über eine wichtige Voraussetzung für diesen Wandel: reichlich Potenzial zur Stromerzeugung aus Wasserkraft. Der Grand Ethiopian Renaissance Dam steht sinnbildlich für die grossen energiepolitischen Ambitionen des Landes. Doch zwischen verfügbarer Energie, einer zuverlässigen Stromversorgung, einem funktionierenden Verteilnetz und einer alltagstauglichen Ladeinfrastruktur liegen noch einige Herausforderungen.
Dazu kommen die wieder aufflammenden bewaffneten Konflikte innerhalb des Landes und mit den Nachbarstaaten. Touristen stornieren bereits jetzt massenhaft ihre Reisen, eine wichtige Einnahmequelle der Bevölkerung bricht weg.
So bleibt bei uns der Eindruck eines etwas widersprüchlichen, überambitionierten Projekts. Auf politischer Ebene wird eine Verkehrswende verordnet, während die notwendigen Voraussetzungen dafür vielerorts noch fehlen. Ein Importverbot allein schafft weder Ladestationen noch bezahlbare Fahrzeuge und schon gar keine funktionierende Mobilitätsinfrastruktur.
Unser Fazit fällt deshalb gemischt aus: Äthiopien hat eine grosse Vision und durchaus interessante Voraussetzungen. Doch zwischen dem politischen Anspruch und der Realität auf den Strassen liegt noch ein ziemlich langer Weg.Read more




