• In Ulm...und um Ulm herum

    July 7 in Germany ⋅ ☁️ 30 °C

    Ulm empfängt den erkundenden Radlet mit den schmerzhaften Brüchen einer bewegten Geschichte. Die verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs haben architektonische Narben hinterlassen, die sich kaum übersehen lassen: Wuchtige, seelenlose Betonkästen im Stile der alten Karstadt- oder Kaufhof-Bauten drängen sich klobig in die Innenstadt – funktionale Monumente einer Nachkriegsmoderne, welche die einstige Eleganz der historischen Gassen brutal unterbrechen.

    Doch wer den Schritt verlangsamt, wird reich belohnt. Das monumentale Ulmer Münster ragt nach wie vor majestätisch in den Himmel, auch wenn es in diesem Jahr, 2026, ein Stück weit an stolzer Exklusivität eingebüßt hat. Nach weit über einem Jahrhundert an der Spitze musste es den prestigeträchtigen Titel des höchsten Kirchturms der Welt nun endgültig an die vollendete Sagrada Família in Barcelona abtreten. Ein sanfter Verlust, der der Erhabenheit des gotischen Riesen jedoch keinen Abbruch tut.

    Wendet man sich vom steinernen Herzen der Stadt ab und folgt dem Lauf des Wassers, wandelt sich die Szenerie spürbar. Das malerische Fischerviertel fängt den Betrachter mit seinen windschiefen Fachwerkhäusern, den schmalen Brücken und dem leisen Plätschern der Blau sofort ein. Hier, wo das Wasser die Architektur umspielt, zeigt sich Ulm von seiner charmantesten, intimsten Seite. Und das Schönste daran: Die Stadt hat gelernt, sich wieder bewusst und elegant ihrer Donau zuzuwenden. Statt den Fluss hinter Mauern oder Verkehrsschneisen zu verstecken, öffnet sich Ulm dem Strom, lädt an den grünen Ufern zum Verweilen ein und lässt die urbane Hektik in der sanften Strömung des Flusses verrauchen. Ein Spaziergang, der melancholisch zwischen Betonwänden beginnt und am glitzernden Flussufer versöhnt endet.
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