• Apollo an der Donau

    July 7 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C

    Nach schlappen 130 Kilometern im Sattel schwanden die Erschöpfung und die schweren Beine endlich: Ich hatte mein Tagesetappenziel Lauingen erreicht. Kurz vor der Stadt, im Ortsteil Flamingen, machte ich jedoch noch einen Zwischenstopp, der mich direkt in die römische Antike versetzte.

    Wo heute die Brenz gemächlich einmündet, kontrollierten die Römer einst vom Kastell *Phoebiana* aus den strategisch wichtigen Donauübergang. Die Donau war für sie Lebensader, Transportweg und die schützende Flussgrenze des Imperiums. Genau hier erhob sich damals ein Heiligtum: der Apollo-Grannus-Tempel, die größte römische Tempelanlage nördlich der Alpen.

    Ich schaute mir die imposanten, teilrekonstruierten Fundamente an, wo einst die antike Heilkunst Apollos mit dem keltischen Wassergott Grannus verschmolz. Kranke Pilger aus dem ganzen Reich reisten damals für Trinkkuren und Kultbäder hierher – sogar Kaiser Caracalla suchte hier im Jahr 212 Linderung für seine Leiden. Nach meiner Fahrt entlang des von Trockenheit geprägten Oberlaufs der Donau schloss sich hier für mich der Kreis: Das Wasser, das heute in der menschgemachten Hitze schwindet, war für die Römer einst der Quell göttlicher Heilung und weltlicher Macht.
    Read more