• Das Tafítal

    Mar 18–21 in Argentina ⋅ 🌫 18 °C

    Auf etwa 2000m Höhe endet die subtropische Vegetation der Schlucht (siehe: Erinnerung) abrupt und ein weites Bergtal öffnet sich. Mittig liegt ein 10km langer Stausee, umringt wird das Tal von Fünftausendern.
    Der Himmel ist blau, in unserem Rücken sehen wir noch die dunkelgrauen Wolken des Regens im Selva de Yungas.
    Wir kommen nach dem langen Fahrtag spät an und suchen uns einen Platz an einem Zufluss zum Stausee, damit wir uns morgens gut waschen können.
    In der Früh haben wir gerade gefrühstückt und den Tag geplant, da hält ein dunkler Pickup in einer Staubwolke. Luis begrüßt uns mit einem Schwall Spanisch, das uns sehr spanisch vorkommt. "Despacio, por favor" (= Langsam, bitte) scheint genauso wie "no" trotzdem nicht in seinem Wortschatz vorhanden zu sein. Ich versuche zu erklären, dass wir nicht mit ihm mitfahren können, da wir einen Feuerlöscher brauchen. Hat er mich verstanden? Habe ich ihn richtig verstanden? Am Ende steigt Jörg in den Pickup - Einkaufen mit Luis und Feuerlöscher besorgen - während ich alles einpacke und Grobi abfahrbereit mache.
    Als Luis und Jörg etwa 2 Stunden später wieder auftauchen, leider ohne Feuerlöscher, beginnt eine Sightseeingtour a la Luis: Er zeigt uns eine riesige Weide am See - "hier müsst ihr übernachten"; fährt mit uns zum Ablauf des Stausees - "schön, wie das Wasser spritzt,nicht?"; stellt uns seine Frau Viviane ("No, es Bibiane") vor und lässt uns vom selbstgemachten Quittenbrot, das leider seinen Zenit deutlich überschritten hat, kosten. Als wir schon denken, dass wir seinem Wortschwall entkommen können, steigt er wie selbstverständlich auf den Beifahrersitz von Grobi und macht uns deutlich, dass er uns noch dringend seinen Lieblingsplatz im Nachbartal zeigen muss. Wir sind wehrlos ob so viel Freundlichkeit - "hier ist es wie in der Schweiz!" Etwa die Hälfte der Häuser im Tal seien Ferienhäuser, erklärt er - z.T. würde ich sie als kleine Paläste bezeichnen. Die Einkommensschere in Argentinien geht weit auseinander.

    Wir übernachten auf der von Luis empfohlenen Weide und besuchen am nächsten Tag die Attraktion des Tals: 129 Menhire stehen in Mollar, einem indigenen Dorf, auf einem Platz. Die Steine sind aus dem ganzen Tal zusammengetragen worden und vermutlich 2000 Jahre alt. Ihre Bedeutung ist unbekannt.

    Den nächsten Abend treffen wir Manuela und Martin auf "unserer" Wiese. Wir freuen uns sehr, dass sie unserer Wegbeschreibung gefolgt sind. Ihre vorsichtige Frage, ob wir nicht zusammen weiter fahren könnten, beantworten wir ohne Zögern mit: "Ja! Sehr gerne!"
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