• Königreich des Lebens

    13. november 2025, Colombia ⋅ ☁️ 26 °C

    In der Luft hängt immer schwere, warme Feuchtigkeit; alles modert um dich herum. Doch manchmal weht sie plötzlich auf – die frischeste, reinste, Luft. Manchmal getrieben von fließendem Wasser, das sich klar und geräuschvoll abwärts gräbt durch smaragdgrünes Moos, verflochtene Wurzeln, schwarzen Schlamm und knirschenden Kies, bis es mit großen, steinigen Flüssen verschmilzt.

    Tagsüber liegen die Temperaturen zwischen 22 und 35 Grad. Der Himmel bleibt gerne wolkenverhangen und schickt neues, schweres Nass herab. Die Sonne darüber berührt deine Haut seltener; nur auf wenigen Lichtungen bricht ihr Licht durch das dichte Blätterdach. Sonst verschlingen die unendlichen Farbtöne des Grün die Blicke. In jede Richtung kannst du nur ein paar Meter weit gucken. In unbegreiflichem Umfang und in mehr Formen und Ausprägungen als man es sich erträumen kann, wuchert alles aus der Erde empor, viele Meter hoch, dem heißen Licht entgegen, das irgendwo weit oben glüht.

    Im Hintergrund rauscht fernes Wasser, mächtig und tief, davor plätschern kleine flüsternde Bäche. Darüber schieben sich Pflanzen ineinander, gierig nach Licht, Blätter im Wind aneinander raschelnd.

    In dieser lebendigen Schicht zwischen Erde und Himmel bewegst du dich. Vorsichtig, fast unbeholfen - ein großes, langsames Tier, schutzlos ohne Werkzeug und Rüstung – gnadenlos dem überlegenen, einheimischen Leben ausgeliefert.

    Alles, aber auch wirklich ALLES lebt, wohin du auch schaust:
    Hinter jedem Baum steht ein weiterer.
    Hinter jedem Blatt leuchtet ein neues.
    Unter jeder Wurzel wuchern tiefere.
    Hinter jedem moosbedeckten Stein versteckt sich ein kleinerer.
    Überall – darauf, darunter, dazwischen und darin – tummelt, pulsiert und bewegt sich das Leben.
    In jedem Fluss münden feinere Rinnsale mit noch kleineren Fischen darin.
    Unter jeder Armeise krabbelt eine kleinere.
    Es brummt, summt, zwitschert, knattert und pfeift die wahnsinnige Symphonie der Insekten.
    Schöne Vögel schallern mit unerwarteten, nie gehörte Gesänge durch das Grün – hell und frei.
    Es wurmt, kriecht, krabbelt, schleicht, klettert.
    Es hangelt, flattert, fliegt, nagt und frisst.
    Das Leben erobert jede Ecke, jeden Winkel, jede Ritze und jeden Punkt, der sich nicht zu whren weiß.

    Du spürst deutlich wie das wilde, wunderschöne Leben dich umgibt,
    wie dessen Energien in dich hinein vibrieren
    und du erkennst, wie du ein natürlicher Teil davon bist.

    Du bist im Dschungel: Königreich des Lebens.
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