Tayrona mit dem Motorrad
23.–27. nov. 2025, Colombia ⋅ ☁️ 27 °C
Die letzte 14+ Stunden Fahrt mit dem Bus in Kolumbien von Medellín nach Cartagena war mal wieder recht entspannt. Klar, dass WLAN und die Steckdosen nicht funktionierten – eigentlich wie immer, dafür die Klimaanlage umso mehr. Eiskalt mögen es die Kolumbianer nachts im Bus. Wenn man dann an einer Station aussteigt, um sich kurz die Beine zu vertreten, trifft einen jedes Mal die schwüle Hitze der Nacht wuchtig.
Am Busbahnhof in Cartagena angekommen, wurde ich von einem Fahrer des Motorradverleihs mit dem Auto abgeholt. Ein netter Service, aber mit 50 € pro Tag war das Ausleihen auch nicht ganz billig. Insgesamt ist Kolumbien schon sehr günstig, daher passen die vier Tage auf zwei Rädern noch gut ins Budget. Nachdem ich das Motorrad ausgeliehen, kurz vollgetankt und den Reifendruck auf Sollwert gebracht hatte, fuhr ich an diesem Tag entspannte 260 km entlang der kolumbianischen Karibikküste Richtung Osten. In der größeren Stadt Barranquilla gab es eine Trinkpause, an Santa Marta fuhr ich nur vorbei und zwischendurch gab es immer wieder kleine Fischerdörfer. Am Straßenrand gönnte ich mir die ein oder andere gekühlte Kokosnuss. Die letzten 60 km waren die schönsten, hier ging es schon durch den Tayrona-Nationalpark. Die Landschaft wurde hügeliger und die Straße kurvenreicher. Die über 30 °C mit heißem Sonnenschein wichen Wolken und sogar etwas feinem Regen in den letzten Minuten.
Der Tayrona-Nationalpark liegt direkt an der Karibikküste: Malerische Strände und Meer, riesige Granitfelsen und direkt dahinter dichter Regenwald, der sich bin an den Strand schiebt. Tagsüber Wander-Paradies, nachts Lagerfeuer-Romantik.
Das Viajero hier gleicht eigentlich mehr einem Luxus-Ferienpark als einem Hostel und ist vielleicht das beste auf meiner Reise bis jetzt. Es gibt viele kleinere Hütten mit privaten Doppelzimmern und ein paar größere Hütten mit 8 Betten sowie Dusche und Toilette im Außenbereich mit Blick ins Grüne. Ein normales und ein Pizza-Restaurant, zwei Bars, einen Co-Working-Space, einen schönen großen Pool, Tischtennisplatte und Beachvolleyball-Platz. Alles direkt am Strand. Das Meer hier hat eine starke Strömung und es wird viel Holz sowie Pflanzenreste angespült, die es in der Brandung zermahlt, daher lädt es nicht so sehr zum Schwimmen ein, trotzdem hat man eine tolle Aussicht entlang der Küste. Man kann Surfboards ausleihen, verschiedene Aktivitäten wie Salsa-Kurse, Yoga oder Meditation mitmachen, einfach nur in einer der Hängematten entspannen oder von hier aus Wanderungen und Ausflüge zu den anderen Stränden in der Nähe und in den Hauptteil des Parks unternehmen. Nachts gibt es immer ein Lagerfeuer am Strand, und jeden Freitag und Samstag legt ein DJ auf.
Am ersten Abend lernte ich bereits einige Leute beim Willkommens-Cocktail und aus meinem Zimmer kennen. Darunter eine Gruppe Mädels, die in Party- und Vorglühstimmung waren, ich ließ mich mitreißen. Wir gingen in das benachbarte Rio Hostel Buritaca welches für seine Partys bekannt ist. Auf dem Weg vom Hostel zur Hauptstraße sahen wir eine recht große Würgeschlange; wenn selbst der Taxifahrer aussteigt und Fotos macht, weiß man, dass diese Sichtung etwas Besonderes ist.
Das Rio Hostel war nicht weit entfernt, ebenfalls sehr schön aufgebaut und liegt, wie der Name vermuten lässt, direkt an einem Fluss. Es wurde ein langer ausgelassener Abend mit guter elektronischer Musik, viel Tanzen und dem ein oder anderen frisch gezapften Kokos-Bier – eine erstaunlich gute Kombi. Der Kokosgeschmack kommt nur im Abgang leicht durch und ist nicht zu süß. Als morgens um 4 der DJ Feierabend machte, ging ich mit den letzten 15–20 anderen Gästen der Nacht im Fluss Skinny-Dipping. Den Sonnenaufgang schauten wir uns am Ufer an. Was für eine Nacht …
Der nächste Tag sollte eigentlich ein „am Strand gammeln und betrinken“-Tag werden – stattdessen verbrachte ich ihn damit, am Strand nach der wilden Nacht wieder nüchtern zu werden. Auch gut.
Mit dem Motorrad machte ich an den anderen Tagen ein paar kleine Touren in der Ecke, den großen Park besuchte ich nicht mehr, dafür hatte ich nun genug Dschungel und Natur gesehen und wollte lieber das Motorrad nutzen.
Auf dem Rückweg verbrachte ich eine Nacht in dem kleinen Dörfchen Puerto Colombia an der Küste. Abseits von den Touristenströmen ein idyllisches Fleckchen, voller einheimischem Leben.
Zu den Fotos füge ich noch meine Sammlung außergewöhnlicher Tier-Warnschilder hinzu, die ich auf dem Weg gefunden habe. All zu viele davon hab ich leider nicht gesehen, klar die Schlange vom ersten Tag (von dem Schlangen-Schild hab ich kein Foto) und ein paar Krabben am Strand. Dann war da noch dieser riesige Leguan, die sich auf dem Asphalt sonnte und mich dazu zwang, zum ersten Mal in meinem ganzen Biker-Leben das Fahrschul-Manöver „Gefahrenbremsung + Ausweichen“ in freier Wildbahn anzuwenden – ich hab’s noch voll drauf! Gerne hätte ich einen Ameisenbär gesehen, doch die sind scheu und man muss tiefer in den geschützten Teil des Nationalparks wandern und viel glück haben - genau wie mit dem Jaguar.
Das Motorrad gab ich ziemlich mit mir selbst zufrieden wieder zurück – auf etwa 600 km keine Zwischenfälle oder Blitzerfotos, super viel Spaß gehabt und tolle Landschaften gesehen, ein voller Erfolg.Læs mere

























