• Abreise Neuseeland

    January 22 in New Zealand ⋅ ☀️ 24 °C

    Den letzten Tag mit dem Camper hat es wieder nur geregnet. Eigentlich wollten wir zum Hot Sands Beach fahren – das ist ein Thermalstrand und der Regen wäre egal gewesen. Leider war die einzige Straße von Süden aus gesperrt und es gab Unwetterwarnungen. In dieser Gegend hat sich am nächsten Morgen das Unglück des Erdrutsches auf einem Campingplatz ereignet… also vielleicht doch ganz gut, dass es für uns hier gar nicht weiter ging. Einmal mit der Idee eines heißen Bades infiziert, verschlug es uns stattdessen nördlich von Auckland in ein normales Thermalbad, was sich sehr gelohnt hat.

    Nachdem wir den Camper zurück gebracht hatten, ging es die letzten beiden Tage nochmal nach Auckland. Silas und ich sind ausgiebig durch die Stadt gelaufen, haben zwei neue Parks entdeckt und ein paar unserer Lieblingsorte nochmal besucht. Ich bin in das örtliche Büro meiner Firma gegangen. Hier gab es das Accenture-Logo im Māori-Stil zu sehen, nette Kollegen kennenzulernen und guten Kaffee.
    Dann waren wir noch im Weta Workshop Unleashed, das ist das Spezialeffekt-Studio, das für die Hobbit- und Herr-der-Ringe-Filme Masken, Kostüme, Modelle und vieles mehr gemacht hat. Die Tour war ganz nett, aber nicht ganz mein Fall. Es ging eher um ein eigens dafür ausgedachtes Universum mit zwei sich bekriegenden Völkern. Es gab einiges zum Anfassen und Ausprobieren, aber ich hatte mit mehr Artefakten aus Mittelerde gerechnet – das wäre in den Studios in Wellington gewesen, hab ich dann gelernt. Ein weiterer Punkt auf der langen Liste der vielen Gründe, eines Tages wiederzukommen.

    Neuseeland hat meine durchaus hohen Erwartungen noch übertroffen. Diese letzte große Landmasse wurde vom Menschen vor nicht viel mehr als 800 Jahren besiedelt, als die Māori ankamen. Teil der polynesischen Seefahrerkultur aus Jägern und Sammlern und Kriegern. Dann vor 250 Jahren die Engländer auf der Suche nach Lebensraum, Gold und anderen Ressourcen. Heute sehen Städte, Straßen und kleine Orte für mich nach einer Mischung aus England, den USA und so, wie ich mir Australien vorstelle, aus – mit einer Prise Wildem Westen und Skandinavien darin. Stürmische Küstenlandschaften mit Fischerdörfern, ewiges Farmland mit weiten Wiesen und einzelnen riesigen Bäumen. Milde Hügel- und raue Berglandschaften durchzogen von steinigen Flussbetten. Ein Land, das zum Erkunden, Erleben und Treibenlassen einlädt.

    Mit Silas ging das richtig gut! Dabei haben wir unseren Rhythmus gefunden. Alle Tage mit dem Camper haben relativ ähnlich begonnen und wurden jedes Mal aufs Neue anders, aufregend und abenteuerlich. Um 8 Uhr ging der Wecker, Zähneputzen, Bett machen, Zeug von der Sitzbank vorne aufs Bett hinten verladen. Ein großer Schluck Wasser und dann Abfahrt. Musik, Hörbücher, manchmal Radio und immer neue Landschaften. Ohne Ende bildhaft schöne Aussichtspunkte entlang der Strecken. Hier und da mal einen Anhalter mitnehmen oder sehr netten Einheimischen begegnen. Lange Wanderungen durch unwirkliche Landschaften voller seltsamer Pflanzen, in weiten offenen Flächen mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Pfade, Hügel und manchmal auch Treppen rauf und wieder runter durch verschiedenste Wälder, durch kleine Bäche zu immer neuen Wasserfällen. Jede Tag baden im Meer, Fluss oder See. Tagsüber Fish’nChips oder abends was kochen. Mehr epische Musik aus Mittelerde, Bierchen dazu und Sterne gucken oder Schutz im Camper suchen, während der Regen auf das Dach prasselt und starke Böhen das Auto zum Wackeln bringen. Wir haben sogut wie alles gesehen und gemacht, was wir uns vorgenommen hatten und was das Wetter mit gemacht hat. Insgesamt sind wir über 5.500 grandiose Kilometer mit dem Camper unterwegs gewesen.

    Es hat mich richtig gefreut, mal wieder mit Silas zu reisen. Nach so langer Zeit weg von zu Hause mal wieder einen der besten Freunde sehen. In Südamerika war ich ja meistens alleine unterwegs gewesen – den Abschluss dieses Kapitels musste ich anfangs auch noch verarbeiten. Und nun ein so anderes, neues Land, wie ich es noch nie gesehen habe, mit Silas zu entdecken… immer in bestens gelaunter Gesellschaft zu sein, alle diese Eindrücke zu teilen und sich dazu auszutauschen, ganz viel lachen über unseren dummen Humor und immer die gleichen alten Sprüche.

    In den letzten Jahren haben Silas und ich schon viele Reisen zusammen unternommen und ich glaube, das sage ich jedes Mal, aber wir haben uns mit dieser Reise mal wieder selbst übertroffen. Mal gucken, wo es uns beide als Nächstes hin verschlägt.
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