Unter- Über- Ober-irdisches Trier
September 19 in Germany
⛅ 19 °C
Unter-, Über-, Oberirdisches Trier - so nennt sich die Stadtführung, die wir im Rahmen eines Gewinnspiels anlässlich des 25. Jubiläums des VRT (Verkehrsverbund Region Trier) gewonnen haben.
Startpunkt war der historische Weinkeller der Bischöflichen Weingüter. Gut gelaunt fuhr die gemischte Truppe mit dem Aufzug abwärts, als plötzlich der Aufzug auf einer Ebene stecken blieb und der Alarm losging. Die Türen ließen sich noch problemlos öffnen, und ein Mitarbeiter des Betriebs eilte herbei und gab uns nüchtern den Tipp: „Ihr müsst bei geschlossener Tür mit der Handfläche gegen die Tür drücken, dann geht's weiter.“
Gesagt, getan. Auf der Innenseite der Tür war bereits ein Handabdruck zu sehen, und so fanden wir den magischen Punkt. Es ging noch eine Etage tiefer, wo bereits der erste Wein in Holzfässern gärte. Hier gab es auf den Aufzug-Schreck erst mal ein Gläschen Sekt und für uns Wasser.
Es gab allerhand Infos zum Weinanbau und erste Einblicke in die Römerzeit. Zum Beispiel, dass das römische Stadtprofil deutlich unter dem heutigen liegt (8m laut Stadtführer). Im Laufe der Zeit hat der Mensch einfach immer wieder darüber gebaut.
Der nächste Standort waren die Viehmarktthermen. Hier haben wir gelernt, dass auf dem Platz in römischer Zeit zunächst ein großes Gebäude mit vielen Räumen stand. Möglicherweise wurden dort Schriften aufbewahrt (Bibliothek?), bevor die Römer das Gebäude später zu einer Thermenanlage umbauten.
Zudem gab es viele Infos zur römischen Badekultur, Wasserversorgung und generell zum hippodamischen, also schachbrettartigen Straßenbild. Die unterirdischen römischen Straßenverläufe sind heute sogar durch rote Granitsteine auf dem Viehmarktplatz sichtbar gemacht.
Auch über die Entstehung Triers haben wir einiges gelernt. Die Stadt entwickelte sich in römischer Zeit unter anderem rund um die Moselbrücke (damals noch aus Holz) und das entstehende Fernstraßennetz. Die Mosel war damals ein seichter breiter Fluss, sodass das Ufer wohlmöglich auf Höhe des Cinemaxx mal war, wo alte Kräne ausgegraben wurden.
Bevor es in die Mittagspause ging, besuchten wir noch eine WineBANK. Es ist quasi eine Bank mit Schließfächern, in denen man seinen Wein lagern kann. Bzw. weniger lagern – dafür ist der Raum und sein Klima laut unserem Stadtführer nicht unbedingt gedacht –, sondern vielmehr „Wein, den man nach dem nächsten Shoppingbesuch trinken möchte“, aufbewahren kann.
Insbesondere Firmen nutzen diese WineBANK als Marketinggag. So haben beispielsweise die Trierer Gladiators (lokales Basketball-Team) hier ihr Fach. Die Preise für die Mitgliedschaft sind nichts für unsere Gehaltsklassen, und so überlassen wir diesen „Spaß“ sehr gerne der Trierer High Society. Eine Wein-/Wasserprobe gab es hier natürlich auch noch.
Das gemeinsame Mittagessen gab es im Restaurant „Zur Glocke“. Auch hier speisten wir in einem historischen Keller. Dieser war wohl sehr lange zugeschüttet, bis ein Besitzer ihn zur Hälfte freilegte und renovierte. Die romanischen Säulen, die die Decke tragen, sind eigentlich doppelt so lang, und der Rest ist immer noch im verschütteten Keller versteckt – sehr beeindruckend. Ein Bogen weist tatsächlich gotische Elemente auf. Dieser wurde nachträglich verändert bzw. renoviert, wie es eben zu späteren Zeiten üblich war.
Nach dem Mittagessen ging es zum Turm Jerusalem – unserem Standesamt in Trier. Auf dem Weg dorthin gab es noch ein paar Geschichten zu den Straßennamen in Trier (auch dazu gibt es eine ganz eigene Stadtführung). So heißt die Sieh-um-dich-Gasse – zumindest laut unserem Stadtführer – so, weil es innerhalb der Kirchenanlage natürlich Kirchenasyl gab und Verfolgte durch die Gasse rannten und sich dabei umschauten, ob sie es noch rechtzeitig bis zum schützenden Kirchenbereich schafften. Die historische Dokumentation erklärt den Namen allerdings anders: Er geht vermutlich auf eine gleichlautende Inschrift aus dem 15. Jahrhundert zurück, die als Warnruf an der Grenze zweier Rechtsbezirke verstanden werden könnte.
Der Turm Jerusalem ist ein romanischer Wohnturm aus dem 11. bzw. 12. Jahrhundert und gehört damit zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Stadt. Als Trier noch keine mittelalterliche Stadtmauer hatte, lebten betuchte Familien in solchen Wohntürmen. Diese dienten nicht nur als Wohnraum, sondern konnten im Konfliktfall auch Schutz bieten. Die mittelalterliche Stadtbefestigung entstand erst im 12. und 13. Jahrhundert.
Im Turm sieht man außerdem, wie sich die Architektur mit der Zeit gewandelt hat und das Stadtprofil im Laufe der Jahrhunderte immer weiter in die Höhe gewachsen ist. So treffen hier verschiedene historische Bauepochen aufeinander. Hier gab es die nächste Wein-/Wasserprobe.
Ein letzter Stopp mit einer letzten Wein-/Wasserprobe war im Keller der Weinstube Kesselstatt. Auch hier gibt es einen alten Weinkeller, der aber nicht mehr genutzt wird. Das sieht man auch an den Weinfässern, die langsam verfallen. Das Holz ist spröde, und die Fässer werden undicht. Eine Anekdote lautete hier, dass Moselwein sogar auf der Titanic ausgeschenkt wurde und nun die Flaschen am Boden des Atlantiks schlummern.
Von alleine hätten wir uns diese Stadtführung mit Weinprobe wohl nicht gegönnt – zumal wir keinen Alkohol mehr trinken. Der Stadtführer hatte ein tolles Fachwissen und konnte gut Geschichten erzählen und begeistern. Leider war der ein oder andere Witz nicht mehr zeitgemäß, was die Stimmung ein bisschen getrübt hat. Trotzdem hatten wir einen tollen Tag.Read more


















