• Sturmflug nach Punta Cana

    24 Oktober 2025, Republik Dominika ⋅ 🌧 27 °C

    Irgendwie ahnten wir, dass es nicht ohne Turbulenzen ablaufen würde. Elias ist für eine gute Woche in die Dominikanische Republik aufgebrochen. Von Porlamar über Caracas und Bogotá bis nach Punta Cana: eine Odyssee durch Lateinamerikas Flughäfen, Migrationsschalter und Papierlabyrinthe. Elias, noch keine achtzehn, allein unterwegs in einem Kontinent, der Minderjährigen das Alleinreisen nicht erlaubt – offiziell zum Schutz vor Entführungen. Inoffiziell aber gilt: Wenn du jung, blond und mit zwei ausländischen Eltern bist, wissen die Beamten selbst nicht so genau, ob sie dich eigentlich festhalten dürfen oder nicht.

    Zwischen den Fingern: ein Zentimeter Papier – beglaubigte Geburtsurkunden, apostillierte Vollmachten, Autorisationen der Eltern, Anwaltsschreiben mit doppeltem Stempel. Alles ordentlich, alles legal, alles übertrieben.

    In Porlamar beginnt der Marathon. Die Immigration schaut misstrauisch, stempelt, ruft jemanden an, schaut wieder. Stunden vergehen. Schließlich muss der Papa zurückkommen, Pass vorzeigen, Gesicht absegnen – lateinamerikanische Bürokratie in Reinform. Aber es klappt - ist ja auch erstmal nur ein nationaler Flug.

    Am Abend in Caracas. Elias hat ein Hotel in Fußreichweite zum Flughafen für 60 Dollar. Einchecken um 21 Uhr, 'ne Roomtour, schlafen. Nächster Vormittag; Aufstehen um fünf; zurück zum Flughafen. Mit einem fehlenden Kanaldeckel lauern erste Gefahren auf dem Weg.

    Als Elias endlich durch die Immigration am Flughafen in Caracas und damit Venezuela verlassen darf, ist der Flug nach Bogotá schon verspätet; Vier Stunden! Der Anschlussflug futsch. Durchatmen, Warten, Hoffen, Diskutieren. Elias bleibt erstaunlich ruhig. Er bucht um, verhandelt neu, schlägt sich durch. Es ist sein erster echter Alleinflug im Leben – und am Ende schafft er es tatsächlich pünktlich am Flughafen von Punta Cana anzukommen, genau im selben Moment, in dem der Flieger seiner Freundin aus New York landet. Timing wie aus einem Drehbuch.

    Als er aussteigt, gießt es in Strömen. Der Hurrikan "Melissa" tobt sich aus; Die Karibik ist in den nördlichen Antillen im Herbst besonders oft stürmisch. Während auf der Insel Margarita seit unserer Ankunft vor einem Monat jeden Tag die Sonne scheint, gibt’s in der Dominikanischen Republik heftigen Dauerregen - seit Tagen!

    Trotzdem: Er hat es geschafft. Eine Woche Urlaub mit seiner Freundin, die dort ihren 18. Geburtstag feiert – zusammen mit ihren Eltern. Wir sind alle gleichermaßen erleichtert und ungläubig, dass das alles wirklich funktioniert hat. Übrigens hat die Uni auf der Isla Margarita ihm dafür offiziell frei gegeben. Er musste jeden Professor persönlich um Erlaubnis bitten – charmant, wie er ist, natürlich kein Problem. Seine ersten Klausuren sind gut, der Start gelungen.

    Und ich? Ich bin einfach stolz. Stolz auf diesen Jungen, der sich mit Mut, Geduld und einem Zentimeter Papier durch ein halbes Dutzend Flughäfen, Schalter und Sprachbarrieren kämpft. Eine Reise, die wie ein Drama begann und wie ein Triumph endete – mit Regen im Gesicht und Sonne im Herzen.
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