• Kaoha - Ankunft auf den Marquesas

    July 8 in French Polynesia ⋅ ☀️ 27 °C

    Die Marquesas Inseln - ein Traum bei Sonnenaufgang darauf zu zuschippern. Sie gelten als das Paradies der Südsee. Monumentale Vulkanklippen und undurchdringliche Regenwälder, die direkt aus dem tiefblauen Pazifik emporragen. Die Marquesas sind das stolze Herz der polynesischen Kultur, geprägt von wilden Pferden, uralten Tikis und mystischen Geschichten. Das Archipel besteht aus insgesamt 12 bis 14 Inseln, von denen sechs dauerhaft bewohnt sind. Auf einer Landfläche, von der Größe wie Berlin, leben hier rund 9.600 Einwohner.

    Trotz der paradiesischen Schönheit wurden früher die Inseln bei den Seefahrern, wo es nur möglich war, gemieden. Schiffbrüchige beispielsweise versuchten sich lieber ohne Wasser und Essen die 6000 km nach Südamerika durchzuschlagen, als auf den vor der Nase liegenden Inseln anzulanden. Der Grund war recht simpel.... sie hatten einfach Angst aufgefressen zu werden.

    Denn Kannibalismus war auf den Marquesas keine Seltenheit, vielmehr war es tief in der Kultur verankert. Ritueller Kannibalismus während der Stammesfehden war alltägliche Praxis. Das Verspeisen von Körperteilen, oftmals des Gehirns, der Feinde diente dazu, deren Lebenskraft (Mana) und Stärke zu übernehmen. Frühe europäische Seefahrer wie Krusenstern berichteten zudem von seltenen Fällen von Menschenfresserei während extremer, langanhaltender Dürren und Hungersnöte. Mit dem Einzug der christlichen Missionare ab der Mitte des 18. Jahrhunderts und der französischen Kolonialisierung änderte sich dann die Gesellschaft. Laut Wikipedia fand der letzte offiziell dokumentierte Fall von rituellem Kannibalismus auf den Inseln in den 1880er Jahren statt. Das ein deutscher Weltumsegler 2011 spurlos auf Nuko Hiva verschwand, nachdem er mit einem einheimischen Jäger aufgebrochen war und später an einer Feuerstelle menschliche Knochen und Zähne gefunden wurden, war damals als „Hirngespinst“ und rassistisches Klischee zurückgewiesen worden. Der einheimische Jäger wurde aber später gefasst und wegen Mordes verurteilt. Es wurde als klassisches Gewaltverbrechen, nicht als Menschenfresserei, zu den Akten gelegt.

    Derzeit liegen wir vor Anker in Hiva Oa. Hier geht die Pfadfindergruppe von Board, welche wir in Ua Pou aufgenommen haben. Überhaupt wird die Aranui von den Inselbewohnern auch als "Busverbindung" verwendet, um von einer Insel auf die nächste zu kommen. So sind dann die Außendecks Nachts voll mit Schlafsäcken. Hätte ich meinen dabei, würde ich mich glatt dazulegen. Und überall wird gesungen, getanzt und gelacht. 🤙🏻
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