• Etappe 4 - Çıralı ➡️ Beycik

    April 28 in Turkey ⋅ ⛅ 21 °C

    Am nächsten Morgen müssen wir erst mal die Muskeln wieder etwas weich bekommen und schälen uns entsprechend schwerfällig aus dem bequemen Bett des kleinen Bungalows mit hübschem Zitronenbaum vor der Tür. Die Unterkunft war nichts besonderes und eigentlich zu teuer, aber dafür gab es ein wirklich reichhaltiges und sehr vielfältiges Frühstück, das uns noch den Tag über gute Dienste erweisen wird.
    Als ich noch schnell zum Supermarkt laufe um Wasser zu kaufen, komme ich nicht umhin, noch einmal schnell am Strand vorbei zu schauen und Tschüss zu sagen 👋.

    Und dann heißt es wieder Rucksäcke aufbuckeln und losmarschieren. Die ersten Kilometer verlaufen entspannt und ohne große Anstrengung bis aus dem Dorf hinaus und zum Eingang in den Beydağları Küsten-Nationalpark. Hier zahlen wir 2€ pro Person Eintritt und dürfen dafür ein sehr seltenes und jahrtausendealtes Naturphänomen, die „Ewigen Flammen von Chimaera“ (türkisch: Yanartaş, „brennender Stein“) beobachten.
    Aus dem felsigen Boden eines Berghangs schlagen in zwei getrennten Arealen an mehreren Stellen Flammen heraus – die „ewigen Feuer der feuerspeienden Chimaira“, die dem Ort ihren antiken Namen gab.
    Seit tausenden Jahren treten dort Methan- und andere Gase aus Felsspalten aus und entzünden sich selbst. Überlieferungen zufolge sollen die Flammen noch in der Antike weithin übers Meer geleuchtet und Seefahrern bei der Orientierung geholfen haben. Heute sind 250 Meter oberhalb der Küste, rund 2 km vom Meer entfernt, auf einer kleinen Lichtung in dichtem Waldgebiet nur noch vereinzelt geringe Flammen zu sehen. Hin und wieder erreichen sie eine Höhe von 50 cm, manchmal sind sie tagsüber kaum noch wahrnehmbar. Die Höhe der Flammen ändert sich auch durch den jeweiligen Luftdruck.
    Das Feuer entsteht durch Verbrennung von Gasen, die aus Rissen, Spalten und kleineren Öffnungen eines felsigen Abhangs austreten. Die Zusammensetzung lässt sich nicht eindeutig bestimmen – offenbar wechselt sie ebenso wie Menge und Austrittsstellen in den vergangenen Jahrhunderten. Heute ist der Hauptanteil Methan mit knapp 60 Prozent, Stickstoff ist zu etwa 30 Prozent und Sauerstoff zu etwa 10 Prozent enthalten.
    Wir können die Flammen an den verschiedenen Stellen sehr gut sehen und zum Teil auch leicht riechen. Es ist auf jeden Fall eine Besonderheit, die wir auch noch nirgends gesehen haben.

    Mit der Besichtigung der Ewigen Flammen beginnt auch unser erster größerer Anstieg für heute und hat auch nicht zu viel versprochen. Über kleine Serpentinen in den Felshängen geht es steil bergauf und wir freuen uns sehr, als wir oben angekommen von einer kleinen miauenden Katze empfangen werden. 🐈
    Anschließend geht es etwas erholsamer leicht bergab, bis wir den rauschenden Fluss Ulupınar Cay erreichen, den es zu überqueren gilt. Nach einer kurzen Suche finden wir am Fluss zum Glück die dicken Baumstämme, über die wir ohne große Schwierigkeiten und vor allem mit trockenen Füßen den Fluss überwinden. Dennoch ist es mit dem schweren Rucksack aber auch immer eine etwas wackelige Angelegenheit 😅.
    Von nun an geht es stetig aber nicht zu stark bergauf bis zum Dorf Ulupınar, wo wir unsere Wasserreserven an einer Quelle auffüllen können, um dann mit wieder deutlich schwererem Gepäck die weitere Route in Angriff nehmen. Wir kommen an zahlreichen Fischrestaurants vorbei, die um unsere Gunst buhlen, aber Hunger verspüren wir im
    Moment wirklich nicht. Auch wenn Ulupınar bekannt für seine Forellenzuchtbetriebe und Flussrestaurants ist, bei denen Besucher frische Forellen (in der Regel Regenbogenforellen) angeln und direkt vor Ort zubereitet genießen können. Daher laufen wir unbeirrt weiter bis wir durch eine Unterführung unter der Hauptstraße zwischen Antalya und Fetihiye hindurch laufen und dann schier endlose Stufen nach oben steigen müssen 🥵. Nun geht es in der glühenden Mittagssonne über einige anstrengende Kilometer, die sich auf den Schotterpisten trotz der Steigung aber immerhin zügig bewältigen lassen. Als es dann endlich auf einem ähnlich guten Untergrund, aber im Schatten weitergeht, treffen wir auf eine weitere Schildkröte, die sich unbeirrt durch die felsig, grasige Umgebung ihren Weg bahnt.
    Und dann werden wir so langsam ungeduldig, wann denn diese Tour endlich zu Ende geht, als uns die letzte Steigung auch heute wieder alles abverlangt. Wir müssen nochmal richtig kraxeln, was uns auf leicht wackeligen Beinen und mit dem schweren Rucksack immer schwerer fällt. Aber dann kommen wir nach knapp 20 km und 1.351 Höhenmetern auf dem Bergrücken kurz vor Beycik an, wo wir einen traumhaften Zeltplatz finden und nicht lange überlegen.
    Die Rucksäcke sind schnell abgeschnallt, die Schuhe ausgezogen und dann wird erstmal eingeschlagen 🙌🏽 und uns umarmt 🫂. Das war auf jeden Fall eine harte Nummer.
    Nachdem das Zelt steht, gibt es noch eine gute Portion Bulgur mit Gemüse und Brot und eine traumhafte Aussicht auf das Taurus Gebirge, als uns noch eine freundliche Hirtin, die ihre Ziegen mit wilden Rufen an unserem Zelt vorbei schleust gute Nacht sagt 😍💤.
    Read more