Etappe 5 - Beycik ➡️ Yaylakuzdere
April 29 in Turkey ⋅ ☀️ 19 °C
Nach einer durchwachsenen Nacht, die auch das erste mal etwas kälter war als bisher, wachen wir mit den ersten Sonnenstrahlen auf dem Zelt auf. Sobald die Sonne es über die Bäume schafft und unseren Zeltplatz erreicht, krieche ich hinaus und genieße einen warmen Nescafé im wärmenden Licht.
Wir kommen nur langsam in Fahrt, frühstücken Nudelsuppe und etwas Bulgur von gestern und brauchen die letzten Wasserreste auf, bevor wir alles zusammenpacken und bereit für die 5. Etappe sind. Auch heute erwartet uns wieder eine anstrengende Route, die aber immerhin ein wenig kürzer ausfallen soll. Außerdem soll es eine der schöneren Etappen sein. Zuerst geht es aber noch in die kleine Ortschaft Beycik hinein, Wasser und Proviant für den Tag kaufen.
Dann stehen erstmal gute 6 km lang stetiger Aufstieg mit knapp über 1.000 Höhenmetern und einigen sehr steilen Passagen auf dem Programm. Danach soll es ähnlich wieder das ganze herunter gehen. Das erste Stück ist eine gute Schotterpiste, auf der wir in der schon brennenden Vormittagssonne einige Kilometer zügig hinter uns bringen können. Doch dann geht es in Richtung eines ausgeschilderten Cafés im Nirgendwo wieder auf schmalen Waldwegen über Stock und Stein weiter hinauf, aber immer wieder mit sehr schönen Aussichten auf die unter uns liegende Landschaft bis ans Meer, von wo wir kommen.
Als wir es bis zum Tahtalı Pass geschafft haben, stellen wir unsere Rucksäcke ab und laufen ein Stückchen querfeldein in Richtung Gipfel des Tahtali Dağı, um dort noch ein paar Schnappschüsse der umliegenden Bergansichten zu machen. Den Gipfel selbst sparen wir uns aber, da er erstens die meiste Zeit in den Wolken hängt und der Berg selbst nicht besonders toll aussieht. Eine schöne Aussicht hatten wir auch so 🤗.
Kleiner Funfact: Der Gipfel des Tahtali Dağı auf 2.366 m wurde, obwohl der Berg im Nationalpark liegt, an ein Investorenkonsortium verpachtet, das eine Seilbahn („vom Meer in die Berge“) errichtet hat. Alle Proteste dagegen blieben ungehört und so ist die Seilbahn seit 2007 in Betrieb und bringt Touristinnen und Touristen in 10 Minuten von der Talstation auf den Gipfel (plus Restaurant und Aussichtsterrasse).
Zum Glück sind wir lieber alleine unterwegs und sparen uns also das „Spektakel“ 😅.
Zurück auf dem eigentlichen Weg, hieß es dann wieder volles Gewicht auf die Gelenke und mal mehr mal weniger schnell den Weg auf der anderen Weite wieder bergab. Das Panorama blieb wunderschön, die Wege waren ein einziges Wirrwarr und wir mussten gut aufpassen, die richtige Richtung nicht zu verlieren. Wir kommen noch an einigen sprudelnden Bachläufen vorbei, müssen auch immer wieder die Beine bei kurzen Pausen erholen, bevor wir dann nach doch gar nicht so kurzen 16,6 km in dem wir ausgestorbenen Örtchen Yaylakuzdere landen. Hier gibt es nur ein paar Häuser, die meistens eher heruntergekommen und unbewohnt aussehen, sicher sind wir uns dessen aber nicht. Es gibt dann noch eine für die Ortschaft doch etwas überdimensionierte Moschee und eine einzige Unterkunft inkl. einfachem Restaurant.
Da wir bis dorthin keinen schönen Platz für unser Zelt finden, wollen wir dort nach einem Zimmer bzw. Platz für das Zelt fragen. Dort angekommen erschrecken uns dann erstmal ein paar Kofferberge, die offensichtlich für Tageswanderer mit dem Auto hergefahren wurden und noch auf die Gäste warten. Entsprechend gibt es auch kein freies Zimmer mehr für uns, dafür aber eine schöne Wiese hinter dem Haus. Wir freuen uns, die Etappe geschafft zu haben, bauen alles auf, machen uns in der leider nur eiskalten Dusche frisch und warten geduldig und hungrig auf das angekündigte Abendessen mit frischem Fisch.
So langsam trudeln dann auch die anderen Gäste ein, die die entspannte Ruhe hier ganz schön aufwirbeln .
Dann ist endlich Essenszeit und wir bekommen frischen Tomaten-Gurken-Salat mit Minze, eine heiße Gemüsesuppe mit Brot und dann die angepriesene Regenbogenforelle mit Reis. Alles ist wirklich sehr lecker und wärmt uns in den etwas kühler werdenden Abendstunden schön von innen. Anschließend verkrümeln wir uns ins Zelt und hoffen, dass die anderen Gäste nicht noch auf die Idee kommen, sich hier einen feucht fröhlichen Abend auf der Terrasse über unserem Zelt zu machen 😅🫣.Read more
















