• Trakai

    May 12 in Lithuania ⋅ ☁️ 17 °C

    Heute ging es raus aus der Hauptstadt und hinein in das Postkartenmotiv Nummer eins Litauens: Trakai.
    Schon die kurze Anreise fühlte sich nach echtem „Litauen außerhalb der Großstadt“ an – vorbei an charmanten Holzhäusern, dichten Wäldern und glitzernden Seen.
    ​Obwohl der Himmel kräftige Schauer brachte, war das Wetter ein echter Glücksfall: Vor der Kulisse dramatisch dunkler Wolken wirkte die berühmte Burg fast noch majestätischer, wehrhafter und mystischer als bei purem Sonnenschein. Und als Bonus waren kaum Touri-Gruppen unterwegs! ⛈️🏰

    ​Das absolute Highlight liegt mitten im Wasser: die Inselburg von Trakai (Trakų salos pilis). Man erreicht diese mächtige Festung über eine lange, hölzerne Fußgängerbrücke, die über den tiefen Galvė-See führt. Mit ihren leuchtend roten Backsteintürmen gehört sie völlig zurecht zu den bekanntesten Wahrzeichen des Baltikums.
    ​Die Geschichte der Burg reicht tief in die Glanzzeit des Großfürstentums Litauen zurück und ist untrennbar mit Vytautas dem Großen verbunden. Im 14. und 15. Jahrhundert war Trakai zeitweise die Residenz der Großfürsten und ein zentrales politisches Machtzentrum Osteuropas. Das umgebende Wasser bot damals den perfekten natürlichen Schutz gegen Kreuzritter – und liefert heute eine phänomenale Kulisse zum Schlendern.

    ​Wer durch Trakai läuft, entdeckt sofort eine architektonische Besonderheit: die traditionellen, bunten Holzhäuser der Karaimen, einer winzigen Gemeinschaft mit turksprachigen Wurzeln. Großfürst Vytautas brachte sie Ende des 14. Jahrhunderts von der Krim mit nach Litauen, wo sie über Jahrhunderte als seine treue Leibwache dienten.
    ​Ihre alten Holzhäuser stehen fast alle mit der schmalen Giebelseite zur Straße und haben dort exakt drei Fenster. Die Einheimischen erzählen sich dazu eine wunderschöne Tradition:
    ​Das erste Fenster gehört Gott,
    ​Das zweite Fenster gehört dem Großfürsten Vytautas,
    ​Das dritte Fenster gehört der Familie selbst.

    ​Nach so viel Geschichte, Wind und Regen auf den Holzstegen gab es für mich nur eine logische Konsequenz: Ich musste endlich Kibinai testen! (das wurde mir ja schließlich auch emphohlen)
    ​Diese traditionellen, halbmondförmigen Teigtaschen stammen direkt aus der karaimischen Küche. Klassisch besteht der Snack aus feinem Mürbeteig, gefüllt mit gehacktem Fleisch (heute auch vegetarisch mit Quark oder Pilzen erhältlich). Kochend heiß serviert zusammen mit einer Tasse kräftiger Brühe gibt es kein besseres Wohlfühlessen. Wenn man durchgefroren vom stürmischen See kommt und in die knusprige Tasche beißt, ist die Welt sofort wieder im Lot!
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