Kleine Radtour auf der Kurischen Nehrung
May 15 in Lithuania ⋅ ⛅ 9 °C
Heute ging es mit dem Fahrrad auf die Kurische Nehrung, einmal bis zur russischen Grenze und zurück. Am Ende standen laut Komoot 102 Kilometer auf dem Tachot.
Von Klaipėda aus setzt man mit der Fähre über und ist plötzlich in einer anderen Welt. Auf der einen Seite liegt das Haff, auf der anderen die offene Ostsee. Dazwischen: Kiefernwälder, Sandwege, Dünen, kleine Orte und immer wieder dieser weite Himmel. Die Kurische Nehrung gehört zum Nationalpark Kuršių nerija und ist UNESCO-Welterbe — nicht wegen "großer" Städte oder lauter Sehenswürdigkeiten, sondern wegen dieser außergewöhnlichen Kulturlandschaft.
Die Nehrung war lange durch Fischerei geprägt. Kleine Fischerdörfer entstanden entlang des Haffs, viele Häuser wurden aus Holz gebaut. Gleichzeitig war das Leben hier nie ganz einfach: Wind und Sand formten die Landschaft ständig neu. Früher wanderten große Dünen über die Nehrung und verschütteten sogar ganze Dörfer (da war der Mensch allerdings selber etwas schuld).Deshalb wurden später viele Bereiche aufgeforstet, um den Sand zu stabilisieren. Heute fährt man mit dem Rad oft genau durch diese Kiefernwälder — ohne sofort zu merken, dass sie auch Teil dieser Schutzgeschichte sind.
Unterwegs wechseln sich die Landschaften ständig ab: Wald, Strand, Dünen, Haffblick, Holzstege, kleine Pflanzen im Sand und endlose Wege. An der Ostsee ist es offen und windig, am Haff wirkt alles ruhiger. Gerade dieser Wechsel macht die Strecke besonders.
Ein wichtiger Ort auf der Nehrung ist Nida. Der Ort wurde nicht nur durch seine Dünen und Lage bekannt, sondern auch durch Thomas Mann. Der deutsche Schriftsteller kam 1929 nach Nida und ließ sich dort ein Sommerhaus bauen. In den Jahren 1930 bis 1932 verbrachte er hier mehrere Sommer mit seiner Familie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte er nicht mehr zurück. Heute befindet sich in dem Haus das Thomas-Mann-Kulturzentrum beziehungsweise ein Museum. Dass ausgerechnet dieser stille Ort zwischen Haff, Wald und Dünen einen Nobelpreisträger anzog, passt irgendwie gut zur Atmosphäre der Nehrung.
Kulinarisch gehört zur Kurischen Nehrung natürlich auch Fisch. Geräucherter Fisch ist hier typisch: einfach, salzig, noch etwas warm — passend zu einer Landschaft, in der Wasser und Fischerei immer eine große Rolle gespielt haben.
Die Kurische Nehrung ist also kein Ort, der viel erklären muss. Man fährt, läuft, schaut aufs Wasser, wieder in den Wald, wieder auf Sand. Ein schmaler Streifen Land — aber mit erstaunlich viel Weite.Read more





















