• Klaipėda – angekommen am Meer

    14.–17. maj, Litauen ⋅ ☀️ 11 °C

    Die extrem frühe Tour hat sich gelohnt: Nach der langen Zugfahrt quer durch das Land bin ich endlich in Klaipėda angekommen. Wer hier durch die Straßen läuft, merkt sofort, dass die Uhren anders ticken als in Vilnius oder Kaunas. Über Jahrhunderte war die Stadt als Memel tief durch die deutsche und preußische Geschichte geprägt. Das spiegelt sich auch in der Architektur wider: weniger verschnörkelt, dafür viel maritimer, rauer und verdammt charmant.

    ​Nach der Ankunft ging es zuerst zum Hafen, von wo aus man einen genialen Blick hinüber zur schmalen Landzunge der Kurischen Nehrung hat. Weil das Wetter am Vormittag noch mitspielte, habe ich mir direkt ein Fahrrad geschnappt und bin die Küste hoch nach Melnragė gedüst. Und genau dort war es plötzlich da, das echte Ostseegefühl: feiner Sand, eine steife Brise im Gesicht, das rhythmische Rauschen der Wellen und dieser unendliche, weite Horizont! 🌊

    ​Das schöne Wetter war allerdings ein kurzes Vergnügen. Inzwischen hat der Himmel wieder die Schleusen geöffnet und es regnet sich gemütlich ein. Also hieß es: Rückzug antreten und ab in ein gemütliches Lokal zum Trocknen.
    ​Langweilig wird es hier drinnen zum Glück nicht, denn das unfreiwillige Unterhaltungsprogramm ist absolut großartig: Am Nebentisch sitzen zwei deutsche Touristen. Sie löffeln gemütlich ihre Suppe und trinken Bier – und haben dabei seit einer halben Stunde ihre klobigen Fahrradhelme auf dem Kopf. Fest festgezurrt unter dem Kinn. Sie setzen sie einfach nicht ab! Naja – Sicherheit geht vor, man weiß ja nie, ob drinnen gleich ein Balken runterbricht oder die Suppe spritzt! 🪖🍲
    ​Ich trinke jetzt erst mal meinen Kaffee aus, beobachte das Helm-Spektakel weiter und hoffe, dass Petrus ein Einsehen hat.
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