• Tag 75 - Richmond Ranges 5/7

    December 15, 2024 in New Zealand ⋅ ☀️ 16 °C

    Richmond Ranges - Richmond Alpine Track

    Etwas angespannt ging es in den Tag. Zum einen stehen heute nach einer kurzen Aufwärtspassage knappe 3km sehr steiles Downhill an, was meine Knie aktuell gar nicht möcen. Zum anderen soll heute die herausforderndste Strecke überhaupt anstehen. Nicht nur in den Ranges, sondern auf dem gesamten TA.

    Ich bin gespannt.

    Doch von vorne. Abends warf ich bereits alles in den Rucksack, um morgens sang und klanglos nach draußen zu gehen, ohne jemanden zu wecken. In der Hütte waren der Welllingtoner, Patrick 🇨🇭und ich.

    Während des sehr steilen und knieschmerzenden Abstiegs, überholte mich auch Patrick und bedankte sich fürs Leisesein am Morgen. Ihn traf ich am Ende des Abstiegs an der Mid Wairoa Hut. Dort quatschten wir etwas und er fragte mich, wann der Wellingtoner mich überholt hätte. Ich sagte, er ist nach mir los. Jedoch hat Patrick ihn nicht eingeholt. Komisch. Sein Verbleib ist ungewiss - eine andere Route gibt es nicht.

    Dann kam der Weg zur Top Wairoa Hut.

    Angegebenen waren 5h. Es war der mit Abstand gefährlichste Abschnitt der letzten knapp 2000km. Es ging entlang des Waiora Flusses, den man immer wieder mal kreuzte. Es ging auf sehr schmalen Pfaden, hoch über dem Fluss. 20, 30m ging es rechts runter (oder eben links). Hochkonzentriert, jeden einzelnen Schritt abwägend, dankbar dafür, dass es nicht geregnet hatte. Teilweise an Wurzeln hangelnd, an Felskanten gedrückt und hinter mir immer die noch 15kg Rucksack. Bergauf teilweise auf allen vieren kriechend, bergab die Füße nach Stand suchend. Runter, sehr steil, an Wurzeln und Felsen krallend runter an den Flusd, drüber oder durch, gleiches wieder hoch.

    Zwischendurch eine Felskante (siehe Bild), die ein überqueren unmöglich machte. Rechts, 20m bergab, vorne eine glatte Steinwand, ca. 100cm hoch und darüber ein anderer Felsen ragend der mit seinem Vorsprung alle Blicke versperrte. Unmöglich zum festhalten. Kein Baum, keine Wurzel, keine Kante. Ich zog den Rucksack aus. Werfen war keine Option. Ich wusste nicht was hinter dem Vorsprung war. Der Rucksack könnte runter in den Fluss fallen. Ich versuchte das Hindernis ohne den schweren Rucksack zu überwinden. Keine Chance. Nach über 20 Minuten abwägen meiner Möglichkeiten entschied ich mich, etwas zurück zu gehen und den Steilhang nach oben zu gehen. Verdorrte Äste krachten unter mir, feiner Sand machte das Aufwärtsgehen schwer. Keine Bäume zum festhalten. Oben am 'Hauptfelsen' des ganzen Konstrukts angekommen, konnte ich über den Felsen klettern und fand auf der anderen Seite, jede Menge kleine Bäume, an denen ich mich nach unten hangeln konnte. Mit knapp 30 Minuten Zeitverlust setzte ich meinen Weg fort.

    Die Knie schmerzen, der Kopf ist matsch und nach fünf Kilometern und der letzten Flussquerung musste ich einen sehr schroffen Steilhang nach oben; dort fand ich die Hütte für heute. Darin, Patrick, genauso schockiert und zermürbt von heute wie ich, beide fertig mit der Welt. Und besorgt um den Wellingtoner, der nach wie vor nicht auftauchte.

    Nach dem Belegen des Bettes, ging ich auf der anderen Seite der Hütte einen kleinen Hang hinunter zu einem anderen Fluss, füllte mein Wasser auf und säuberte mich und meine Kleidung von heute im eiskalten Wasser.

    Abends entfachte Patrick ein kleines Feuer und der Tag klang langsam aus.

    Funfact am Rande:
    oberhalb der Baumgrenze gibt es halt nunmal keine Bäume - daher muss der ein oder andere knorrige Strauch dran glauben - gut, dass die Hütten mit Axt und Säge ausgestattet sind!

    Rauchige gute Nacht sagt
    Christian 🪅
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