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  • Day99

    Zurück zum Anfang

    September 7 in Germany ⋅ 🌙 11 °C

    Unsere Reise führt uns zurück an jenen Ort, an dem unsere Reise vor nun mehr als drei Monaten gemeinsam begonnen hat. Eisenach scheint zumindest für unsere Gruppe das Zentrum der Welt zu bilden, sind wir doch schon mehr als ein halbes Dutzend Mal an dieser Stadt vorbeigefahren oder hatten hier einen Umstieg. Heute Morgen jedoch, hätten wir nicht im Traum daran gedacht, dass wir Abends wieder hier stranden würden.
    Der Tag beginnt sonnig und wir geniessen noch einmal die schöne Altstadt von Görlitz auf dem Weg zum Bahnhof. Wir sind etwas früher als gedacht und nehmen deshalb eine zeitigere Verbindung. Wir kommen nicht weit...
    Ein Schaffner erklärt uns freundlich, das auf dieser Strecke unsere Tickets nicht gültig wären, deshalb geht es zurück nach Görlitz, wo wir zum Glück noch die ursprüngliche Verbindung erreichen.
    Dann aber erhält Lotte eine Mail, die keinen Aufschub duldet und ihr (hoffentlich) noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Deshalb fahren wir kurzerhand von Leipzig nach Halle um ihre Immatrikulation doch zu erwirken, die letzten Papiere nachzureichen und ein Glanzstück der modernen Bürokratie zu erwirken...

    Durch die Verzögerung verpassen wir schliesslich die letzte Verbindung nach Bad Salzungen und stranden gegen Mitternacht in Eisenach. Hier stellt sich die grosse Frage nach einem geeigneten Schlafplatz. Wir versuchen unser Glück schliesslich im Wald vor der Wartburg, stossen beim mühsamen Aufstieg aber nur auf steile Hänge. Es ist kalt und wir frieren sobald wir nicht mehr in Bewegung sind. Mehr und mehr wird uns klar, dass sich nun der Sommer verabschiedet und der Herbst Einzug erhält. Kurz vor der Wartburg, hinter einer Baustellenabsperrung, findet sich (sehr spät) eine flache Stelle für unser Tarp. Wir stellen, trotz Müdigkeit unseren Wecker auf 7 Uhr. Doch noch bevor wir abbauen können stehen die ersten Bauarbeiter da. Die anfanglichen Bedenken Ärger zu bekonnen verfliegen bald und wir ignorieren uns gegenseitig in friedlicher Coexistenz.

    Wir erleben den Sonnenaufgang auf der Burg und lassen uns, von der morgendlichen Stimmung und den nebligen Wäldern inspiriert, viel Zeit für unser Frühstück. In der Burg machen wir einen längeren Zwischenhalt und beenden, irgendwie passend, unsrer derzeitige Lektüre "Narziss und Goldmund".

    Wir folgen dem Lutherweg und machen noch einmal Rast auf der Sängerwiese. Die Sonne scheint und wir geniessen die ersten goldenen Herbsttage in vollen Zügen. Nach einem Besuch in der Elfengrotte, der allem Anschein nach künstlich mit Farbe zu mehr Zauber verholfen wurde, finden wir eine wunderschöne Lichtung nahe des Rennsteigs und schlagen unser Nachtlager auf.

    Die Morgensonne weckt uns und nach einem ausgiebigen Frühstück folgen wir dem Rennsteig und schlagen schliesslich den Weg in Richtung Marksuhl ein. Die Pfade sind hier deutlich wilder und zugewachsener. Bereits spriessen auch die ersten Früchte des Herbstes: Pilze! Wir finden einige Parasole und Rotfussröhrlinge, die wir abends als leckere Pilzpfanne geniessen. Für einmal haben wir sogar wieder ein Dach über dem Kopf, denn wie wir schon auf dem Rennsteig festgestellt hatten, gibt es hier viele Schutzhütten. Unsere ist, wie wir am stechenden Lackgeruch und an der Arbeitertruppe, die uns am Morgen besucht, bemerken, noch im Bau. Vor dem Zubettgehen bewunderen wir eine Borkenkäferlockstofffalle (was es nicht alles so gibt) und richten uns schliesslich mit unserer Plane vor der Hütte unter klarem Sternenhimmel ein, bis wir des Nachts doch noch vom Regen in die Hütte getrieben werden.

    Der nächste Tag beginnt wiederum sonnig. Vor Marksuhl rasten wir an einer malerischen, weitläufigen Wiese, von dem es den nahen Gebirgszug der Rhön zu bewundern gibt. Wir beschliessen an dieser Stelle auch unser Nachtlager aufzuschlagen, ganz gleich, dass wir an diesem Tag praktisch nicht vorwärts gekommen sind und gestalten uns den Nachmittag gemütlich. Abends plaudern wir noch länger mit einen Schäfer, der hier die Wiesen bewirtschaftet. Wir spüren alle, das langsam aber sicher der Abschied näherrückt und sind darüber etwas traurig.

    Am nächsten Tag verabschiede ich Lotte und Celiné, die zumindest für eine Woche, eigene Wege gehen. Ich selber fahre abermals zum Rainbow nahe Bad Salzungen, das dieses Jahr nun schon zum zweiten Mal stattfindet.
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