June - September 2020
  • Day116

    Das Ankommensfest

    September 24 in Germany ⋅ ⛅ 19 °C

    Jonas schreibt...

    Es lässt sich nun nicht mehr abstreiten. Die letzten Meter liegen hinter uns und es steht uns nun wohl eine der schwersten Schritte bevor. Nach fast vier Monaten gemeinsamer Unterwegszeit, trennen sich unsere Wege hier an diesem Ort. Als wir am Donnerstag in Hatzgerode ankommen blicken wir in viele bekannte Gesichter. Darunter auch Menschen, die diese Reise die Jahre davor gemacht haben und uns nun darauf vorbereiten, selber in den Kreis der Ehemaligen aufgenommen zu werden.
    Noch erscheint der Sonntag für uns all ganz weit weg. Ein letztes gemeinsames Mittagessen wird auf unserem "Fridolin" zubereitet und dann beziehen wir unser Gruppen-Zimmer in der alten Krankenhausschule. Ein Relikt aus alter Zeit, mit Tapeten die damals wohl als schön und modern aufgefasst worden sind, heute aber als Geschmacksverfehlung interpretiert werden würde.

    Nach und nach treffen auch andere Gruppe und Menschen auf, die ähnliche Erfahrung wie wir in anderen Gruppen gemacht haben und wie wir vor dem Abschied stehen. Am Freitag Abend stösst dann auch noch Pauline zu unserer Gruppe dazu und macht uns komplett, ganz gleich, dass wir in der gesamten Wanderzeit nie in dieser kompletten Konstellation unterwegs waren.

    Wir stellen fest, dass jede/r von uns hat seine ganz eigene Geschichte erlebt und andere Dinge gelernt hat, obgleich wir die ganze Zeit als Gruppe unterwegs gewesen sind. Es ist schön all diese Aspekte in einer Erzählung aufzunehmen und über die Vielfalt und den reichen Erfahrungsschatz zu staunen. Wir schmunzeln über die vielen Eigenheiten und typischen Charakterzügen, die uns nach dieser doch eigentlich kurzen Zeit bereits so vertraut vorkommen. Wir fassen sie Abends gemeinsam in ein kleines Theater und ein Lied ein und teilen mit den Menschen damit ein Stück unseres Wanderuniabenteuers.

    Es kommt nun der Moment in dem aus den frischen Wanderstudent/innen ehemalige werden, oder aber sie in ein zweites ganz individuelles Semester wechseln. Unsere Gruppenstrukturen, die uns die letzten Monate zusammengehalten haben, zerfliessen und vereinen sich nun zu Etwas grösserem. Es liegt von nun an jedem von uns, was wir mit dem Projekt Wanderuni machen möchten und wie es damit zukünftig weitergeht. Im Dezember wird sich ein neuer Jahrgang bilden und in unsere Fußstapfen treten. Vielleicht sind wir dann selber Begleiter/innen wie es Benny und Rebecca für uns waren. Auf alle Fälle möchten wir auch die vielen Freundschaften und in weiteren Sinne unsere Gruppe erhalten und pflegen.

    Der letzte Abend geht wahrscheinlich in die Wanderuni Geschichte ein, zeigt unsere Feier doch, dass auch ganz ohne viel Firlefanz und Alkohol richtig tolle Stimmung aufkommen kann. Isolde bringt uns tatsächlich dazu für einmal etwas näher zu rücken und es ergibt sich eine spannende Diskussion zum Thema Nähe, die vielleicht schon länger nötig gewesen wäre.

    Unvergesslich wird auch unsere spontane Mitternacht Buchstabensuppenparty sein. Mit Diesel in einem geschlossenen Raum zu kochen ist wahrlich keine Glanzidee. Nick, der uns dabei noch erwischt, nimmt es zum Glück mit viel Humor und erzählt uns von Lämmern die in der Hotelsuit bei offenem Feuer gebraten wurden. Er flüchtet dann aber doch angesichts der doch eher ungesund wirkenden Dämpfe...

    Der Sonntag beginnt verschlafen und lädt noch einmal dazu ein sich auszutauschen und über die Zukunft von uns selber und der Wanderuni nachzudenken und zu fühlen. Nach und nach löst sich unsere Gruppe auf bis am Abend Lotte, Isolde und ich den Bus in Richtung Quedlinburg nehmen und uns, mit dem Wissen auf ein baldiges Wiedersehen in Freiburg, bei Johannes Peter, verabschieden.
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  • Day113

    Letzte Schritte

    September 21 in Germany ⋅ ☀️ 18 °C

    Jonas schreibt...

    Nur noch 20km trennen von der ehemaligen Heilanstalt von Hatzgerode, in der unsere Reise enden wird. Nachdem wir nun gut 10 Tage unsere eigenen Wege gegangen sind, treffen wir uns für die letzte Etappe in der kleinen Stadt Quedlinburg.
    Céline trifft schon am Sonntag Abend bei mir ein und wir verbringen eine ruhige Nacht ganz ohne Tarp im Brühl, einem weitläufigen Stadtpark.
    Am nächsten Morgen schliesst sich auch Lotte wieder an, die vor fast einem halben Jahr ihre Wanderunireise zusammen mit Alex hier vor Ort begonnen hatte. Wir schlendern durch die schöne Altstadt in Richtung Burg und machen einen Zwischenstopp bei der örtlichen Eismanufaktur und dem Käsekuchenkönig. Anschliessend geniessen wir bei bestem Wetter und Aussicht auf der Burgterasse unser Mittagessen.

    Céline berichtet uns währenddessen fleissig von ihrer Wandercoaching Ausbildung, die letzte Woche stattgefunden hatte und wir debattieren fleissig über Gender und genormte und kondensierte Ausdrucksweise der Dankbarkeit, die sie im Kurs gelernt hat. Zumindest der Ausdruck "Spitze", der von zum Dreieck geformten Händen über den Kopf begleitet wird, wird in unsere Wanderunigeschichte eingehen und wohl nicht mehr so schnell vergessen werden.
    Wir geben uns auch einem Persönlichkeitstest hin, stellen aber bald fest, dass diese zumeist von sehr unspezifischen, nichtssagenden Fragen geprägt sind. Mit vereintem Fachwissen zur Psychologie des Menschen erstellen wir daraufhin selber einen solchen Test, der aus unserer Sicht, sehr viel aussagekräftigeren und nützlichere Informationen bietet und den interessierten Fachspezialisten zugleich noch unterhält.

    Am frühen Nachmittag gehen wir los, wobei es für unsere Vorstellungen doch sehr flach ist im Harz und finden auf unserem Weg diverse Anzeichen von Exibitionismus (oder Kunst ?) in Form von dekorativer Spitzenunterwäsche, die an Bäumen und Sträuchern hängt. Als Lotte dann einen Wäscheständer in der Böschung entdeckt ist viel Überredungskunst notwendig, sie sanft darauf hinzuweisen, dass ein solches Utensil, welches ihr Zuhause offensichtlich noch fehlt, auf Wanderschaft eher unpraktisch ist.

    Schliesslich wird es langsam Dunkel und wir finden ein friedvolles Plätzchen zur Übernachtung direkt hinter einem verlassenen Plattenbau. Als Zugabe sammelt Jonas noch einen ordentlichen Hundekot mit seinem Wanderschuh auf...

    Wir erreichen den Osterteich, einen kleinen Badeteich kurz nach Gerode. Hier warten wir auf Clemens, Céline Freund, der als kurzfristige Überraschung zu uns stösst. Wir Baden und Sonnen uns ausgiebig und übernachten schliesslich nahe des Ufers.

    Am nächsten Morgen tauchen wir in den Wald ein und erhalten alsbald die Nachricht, dass auch Isolde noch einmal ganz kurzfristig zu uns stossen wird. Wir geniessen die letzten Kilometer und nehmen es entsprechend sehr gemütlich. Zum Schluss rasten wir nur ein letztes Mal nur gut und gerne vier Kilometer vor unserem Ziel unter einer ausladenden Buche an einem wirklich lauschigen Plätzchen. Derweil erreichen Célines und Lottes abendliche Turnübungen einen neuen skurrilen Höhepunkt und wir (der Rest) sind insgeheim froh keine Beobachter/innen zu haben.

    Die letzte Etappe fordert uns noch einmal richtig. Es geht ordentlich bergan und ab und wir erfreuen uns am frühen Nachmittag der Aussicht und auch der alten Heilanstalt, dem Ziel unserer Reise. Ein letztes Mal halten wir auch unsere Schokoladenzeremonie mit dem ganz besonderen "Knackmoment" ab, über das Celemens und Isolde köstlich amüsieren. Wir folgend einem kleinen Waldpfad und stehen urplötzlich mitten vor der riesige Heilstädte von Hatzgerode.
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  • Day111

    Harzig in den Harz

    September 19 in Germany ⋅ 🌙 12 °C

    Jonas schreibt...

    Ich gönne mir für einmal sogar den Eintritt in ein richtiges Seeschwimmbad um etwas zu entspannen, meine Kleider zu waschen und mich wieder einmal der unglaubliche Annehmlichkeit einer warmen Dusche hinzugeben. All diese Dinge sind, so wie ich denke auch ganz förderlich für mein nächstes Vorhaben. Ich bin nun für gut und gerne drei Tage auf mich alleine gestellt und beschliesse die Gunst der Stunde nutzen und mich im Trampen zu versuchen. Meine letzte Erfahrung liegt allerdings schon etwas weiter zurück, zumal ich damals mit weiblicher Begleitung zusammen unterwegs war.

    Ich scheine viel verlernt zu haben, stehe ich doch am frühen Samstag Morgen geschlagene drei Stunden in der prallen Sonne ohne, dass auch nur jemand abbremst oder von mir Notiz zu nehmen scheint. Etwas frustriert überprüfe ich meine anderen Möglichkeiten und entdecke, dass an diesem Nachmittag eine Fahrt von Lorsch nach Seesen angeboten wird. Ich hadere ein bisschen mit meinem Stolz, meinen Plan aufzugeben und buche die Fahrt dann trotzdem auf Blablacar. Es ist meine allererste.

    Um 15:40 fährt ein weisser, sportlicher Tesla vor und Ulrich, leger gekleidet und barfuss begrüsst mich. Ohne Frage ist er einer der bemerkenswertesten Menschen, die ich während meiner Reise kennen lernen durfte. Eine Mischung aus Wildnisspädagoge und erfolgreichen Bankercoach, der schon viel zu Fuss in der Welt unterwegs war und nun die feine Welt der Teppichetagen mit der wilden Natur zu verbinden versucht. So vergehen vier spannende Stunden aus denen ich sowohl Wissen über das Outdoor-Leben wie auch viele Möglichkeiten für Steueroptimierung zur Hand gereicht bekomme für die wohl manch anderer teuer bezahlt hätte. Eine Erfahrung und Wissen von dem ich mir am Morgen nie im Leben ausgemalt hätte, das ich sie an diesem Tag erhalten würde.

    Um 21:45 Uhr in Seesen angekommen dämmert mir, dass am Sonntag alle Lebensmittelgeschäfte geschlossen haben und ich decke mich notgedrungen bei Penny mit etwas Brot, Gemüse und einer Dose Linseneintopf ein. Die Nacht auf der Plane ist gefühlt sehr kalt aber bietet, wie ich feststellen darf zumindest einen Vorteil: Gefrorener Hundekot klebt nicht am Schuh, wenn man morgens aus versehen darauf tritt...

    Der nächste Tag startet ähnlich. Ich stehe wiederum an einer Strassenkreuzung und erhoffe mir eine baldige Mitfahrgelegenheit.
    Nach etwa einer Stunde hält tatsächlich ein Wagen an und zwei Männer, einer kann nur englisch, der zweite spricht keine mir verständliche Sprache, halten an.
    Die Fahrt ist ungemütlich, von Zigerettenrauch geprägt und gipfelt damit, dass wir, während der Beifahrer das Auto-Lenkrad festhält, der eigentliche Fahrer in der einen Hand sein Handy ans Ohr drückt und mit der anderen Hand eine Whiskeyflasche herumschwenkt, lautstark telefonierend eine Polizeistreife kreuzen. Nach einer etwas aggressiven und zermürbenden Diskussion werden mir 10 Euro Spritgeld abgeknöpft (anfangs wollten sie 40 Euro) und ich nur wenige Kilometer weiter in Goslar strande,

    Hier versuche ich an zwei Strassen mein Glück für längere Zeit, verirrte mich in einem Friedhof, den ich eigentlich nur passieren wollte und werde auf der dritten Strasse schliesslich nach 10 Minuten von einer super netten Familie mitgenommen. Sie fahren mich sogar eine Ausfahrt weiter, direkt zu jenem Ort hin, zu dem ich wollte: Quedlinburg
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  • Day107

    Unterwegs mit Siegfried und Hagen

    September 15 in Germany ⋅ ⛅ 29 °C

    Jonas schreibt...

    Nach einem kurzen aber intensiven Besuch auf dem Healing Rainbow Gathering nahe Bad Salzungen, mit wunderbaren Abenden voller Musik, netten Gesprächen und viel Aufstellungsarbeit, treffe ich am Dienstag Nachmittag auf Caro, die ursprünglich mit der Gruppe "Esel" unterwegs gewesen ist.
    Wir kennen uns bereits vom Hof der Germanistik Professorin an den mecklenburgischen Seenplatten und hatten damals beschlossen, dass sie vor Ende der Wanderunizeit auch einmal unsere Gruppe besuchen darf. Aus der Gruppe bin schliesslich nur noch ich geblieben. Trotzdem ist es voll schön und fühlt sich für mich sehr stimmig an, dieses Versprechen nun auf diese Art und Weise einzulösen.

    Wir planen für vier Tage auf dem Niebelungensteig unterwegs zu sein und dem bekannten deutschen Epos auf seinen Spuren durch den Odenwald zu folgen. Die Landschaft im Odenwald geprägt von kleinen urigen Dörfern mit viel Fachwerk, offenen hügeligen Wiesen und schönem Mischwald. Gefühlt alle paar hundert Meter kommen und gehen hier Wanderweg ab, die unseren Weg kreuzen und zeigen uns auf, dass sich hier eine der schönsten und beliebtesten Wanderlandschaften Deutschlands befindet. Die Gegend hat für Caro aber noch eine ganz eigen Bedeutung, hat sie doch ganz in der Nähe für eine gewisse Zeit gelebt. Sie will nun nachholen, was damals nur im kleinen Rahmen möglich war: Den Ort für einmal ausgiebig zu Fuss entdecken.

    Der erste Tag beginnt mit einer richtig happigen Steigung, die wir dem zu verdanken haben, dass wir zu Beginn eine Abzweigung falsch nehmen.
    Es scheint der Weg zu sein, der uns ein alter Mann als "Eselweg" erklärt hatte. Den hier ansässigen Truppen wurden damals mit Eseln ihr Essen gebracht und zwar ganz ohne Begleitung auf den Eselwegen.
    Ziemlich verschwitzt erreichen wir schliesslich, den Melibokus und geniessen eine kleine Zwischenmalzeit. Wir beschliessen schon bald auf den Alemannensteig auszuweichen, der etwas weniger Höhenmeter macht.
    Schliesslich finden wir frisches Quellwasser und ein schönes flaches Schlafplätzchen für unser Tarp auf einer Hügelkuppe mit toller Aussicht auf die kleinen grünen Täler.

    Auf unserem Weg schenkt uns die Natur täglich Äpfel, Birnen und Brombeeren. Wir reden viel über unsere Erfahrungen bei der Wanderuni und wo wir beide gerade im Leben stehen und wie es nach dieser Zeit weitergehen soll.
    Fragen, die mich derzeit auch des Öfteren beschäftigen. Wir besichtigen das Felsenmeer und finden Erfrischung an einem kleinen Dorfbrunnen. Die Nacht verbringen wir unter freiem Himmel und mit einem kalten, starken Wind, der uns irgendwie fortan durch den ganzen Odenwald folgt.

    Die letzten zwei Tage gestalten sich ähnlich wie die vorigen. Wir geniessen noch einmal die weite, den Herbst einläutende Landschaft, die sich in immer neuer und doch schon bekannter Form vor uns eröffnet, die Äpfel und Birnen und die kleinen malerischen Dörfer. Am Freitag Morgen erreichen wir als krönender Abschluss die frühere Residenz des Grossherzogs und bewundern einen grossen Park und die vielen Gebäude, die hier früher in seinem Namen bewirtschaftet wurden.

    Nach einem leckeren Eis und einem ausgiebigen Mittagessen im Bensheimer Stadtpark bricht Caro schliesslich auf um eine gute Freundin und ehemalige Vermieterin hier im Odenwald zu besuchen und sich auf ihren Kurzurlaub mit ihrem Bruder im Pfälzer-Wald vorzubereiten. Der Abschied wird nicht lange währen, treffen wir uns in spätestens einer Woche beim Ankommensfest in Hatzgerode wieder.
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  • Day99

    Zurück zum Anfang

    September 7 in Germany ⋅ 🌙 11 °C

    Unsere Reise führt uns zurück an jenen Ort, an dem unsere Reise vor nun mehr als drei Monaten gemeinsam begonnen hat. Eisenach scheint zumindest für unsere Gruppe das Zentrum der Welt zu bilden, sind wir doch schon mehr als ein halbes Dutzend Mal an dieser Stadt vorbeigefahren oder hatten hier einen Umstieg. Heute Morgen jedoch, hätten wir nicht im Traum daran gedacht, dass wir Abends wieder hier stranden würden.
    Der Tag beginnt sonnig und wir geniessen noch einmal die schöne Altstadt von Görlitz auf dem Weg zum Bahnhof. Wir sind etwas früher als gedacht und nehmen deshalb eine zeitigere Verbindung. Wir kommen nicht weit...
    Ein Schaffner erklärt uns freundlich, das auf dieser Strecke unsere Tickets nicht gültig wären, deshalb geht es zurück nach Görlitz, wo wir zum Glück noch die ursprüngliche Verbindung erreichen.
    Dann aber erhält Lotte eine Mail, die keinen Aufschub duldet und ihr (hoffentlich) noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Deshalb fahren wir kurzerhand von Leipzig nach Halle um ihre Immatrikulation doch zu erwirken, die letzten Papiere nachzureichen und ein Glanzstück der modernen Bürokratie zu erwirken...

    Durch die Verzögerung verpassen wir schliesslich die letzte Verbindung nach Bad Salzungen und stranden gegen Mitternacht in Eisenach. Hier stellt sich die grosse Frage nach einem geeigneten Schlafplatz. Wir versuchen unser Glück schliesslich im Wald vor der Wartburg, stossen beim mühsamen Aufstieg aber nur auf steile Hänge. Es ist kalt und wir frieren sobald wir nicht mehr in Bewegung sind. Mehr und mehr wird uns klar, dass sich nun der Sommer verabschiedet und der Herbst Einzug erhält. Kurz vor der Wartburg, hinter einer Baustellenabsperrung, findet sich (sehr spät) eine flache Stelle für unser Tarp. Wir stellen, trotz Müdigkeit unseren Wecker auf 7 Uhr. Doch noch bevor wir abbauen können stehen die ersten Bauarbeiter da. Die anfanglichen Bedenken Ärger zu bekonnen verfliegen bald und wir ignorieren uns gegenseitig in friedlicher Coexistenz.

    Wir erleben den Sonnenaufgang auf der Burg und lassen uns, von der morgendlichen Stimmung und den nebligen Wäldern inspiriert, viel Zeit für unser Frühstück. In der Burg machen wir einen längeren Zwischenhalt und beenden, irgendwie passend, unsrer derzeitige Lektüre "Narziss und Goldmund".

    Wir folgen dem Lutherweg und machen noch einmal Rast auf der Sängerwiese. Die Sonne scheint und wir geniessen die ersten goldenen Herbsttage in vollen Zügen. Nach einem Besuch in der Elfengrotte, der allem Anschein nach künstlich mit Farbe zu mehr Zauber verholfen wurde, finden wir eine wunderschöne Lichtung nahe des Rennsteigs und schlagen unser Nachtlager auf.

    Die Morgensonne weckt uns und nach einem ausgiebigen Frühstück folgen wir dem Rennsteig und schlagen schliesslich den Weg in Richtung Marksuhl ein. Die Pfade sind hier deutlich wilder und zugewachsener. Bereits spriessen auch die ersten Früchte des Herbstes: Pilze! Wir finden einige Parasole und Rotfussröhrlinge, die wir abends als leckere Pilzpfanne geniessen. Für einmal haben wir sogar wieder ein Dach über dem Kopf, denn wie wir schon auf dem Rennsteig festgestellt hatten, gibt es hier viele Schutzhütten. Unsere ist, wie wir am stechenden Lackgeruch und an der Arbeitertruppe, die uns am Morgen besucht, bemerken, noch im Bau. Vor dem Zubettgehen bewunderen wir eine Borkenkäferlockstofffalle (was es nicht alles so gibt) und richten uns schliesslich mit unserer Plane vor der Hütte unter klarem Sternenhimmel ein, bis wir des Nachts doch noch vom Regen in die Hütte getrieben werden.

    Der nächste Tag beginnt wiederum sonnig. Vor Marksuhl rasten wir an einer malerischen, weitläufigen Wiese, von dem es den nahen Gebirgszug der Rhön zu bewundern gibt. Wir beschliessen an dieser Stelle auch unser Nachtlager aufzuschlagen, ganz gleich, dass wir an diesem Tag praktisch nicht vorwärts gekommen sind und gestalten uns den Nachmittag gemütlich. Abends plaudern wir noch länger mit einen Schäfer, der hier die Wiesen bewirtschaftet. Wir spüren alle, das langsam aber sicher der Abschied näherrückt und sind darüber etwas traurig.

    Am nächsten Tag verabschiede ich Lotte und Celiné, die zumindest für eine Woche, eigene Wege gehen. Ich selber fahre abermals zum Rainbow nahe Bad Salzungen, das dieses Jahr nun schon zum zweiten Mal stattfindet.
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  • Day96

    Musik zwischen den Baumhäusern

    September 4 in Germany ⋅ ☁️ 21 °C

    Jonas schreibt...

    Für einmal fröhnen wir dem Kommerz und fahren nach Görlitz zum Folklorum. Ganz normal geht hier aber definitiv nicht zu und her, befinden wir uns in einer ganz anderen Welt unter der Erde und auf hohen Baumwipfeln. Hier treiben sich lustige Gestalten mit spitzen Hüten umher, die in Reimen sprechen und sich wie Kinder benehmen: Die Turiseder.
    Wir finden Kaninchen auf Hausdächern, Sandäcker voller Schätze auf welchen man sich austoben könnte, schwimmende Brücken und kreischend, gröhlende Interpretinnen, aus dem weiten Sibirien, die scheinbar etwas praktiziert das von einigen Zuschauer/innen als Musik akzeptiert wird.
    Alles ist bunt, skuriell und oftmals krumm. Wir verirren uns anfangs immer wieder im Parl bis wir begriffen und akzeptiert haben das an diesem Ort jeder Weg überallhin führen kann und das "mal schnell abbiegen" oft keine gute Idee ist, es sei denn man bringt Zeit und Neugier mit.
    Aufgrund der Corona Pandemie ist dieses Jahr alles etwas anders. Konzerte werden mit Mundschutz besucht und wer auf seiner Maske nicht dasselbe Symbol trägt darf sich nur mit Abstand begrüssen. Das betrifft leider auch die Kannibalenkessel, die in anderen Jahren nach einem langen Festivaltag eine warme Entspannung bei guten Gesprächen und spannenden Begegnungen bieten.

    Wir machen unsere ersten Erfahrungen mit dem Thema Trampen und werden auf dem Hinweg von einem Mundharmonikaspieler namens Josa mitgenommen, dem wir, immer noch in seiner charakteristischen Latzhose, am nächsten Tag lauschen. Die Rückfahrt verbringen wir in einem Kleinbus, dessen Fahrer plötzlich sehr nervös wird als eine Kontrolle vor uns auftaucht. Dies weil nur einer von uns an einem ordentlichen Platz (mit Gurt) sitzt. Wir werden kurzerhand herausgeschmissen aber nach Verzug der Gefahr wieder herzlich aufgenommen.

    Auch in Görlitz verbringen wir einen Tag und stellen fest, dass es sich dabei wohl um eine der schönsten deutschen Städte handelt. Sie wurde weitgehend von Kriegen verschont. Noch etwas mitgenommen vom Verfall, der im Osten an vielen Orten einsetzt, wurden hier bereits viele Gebäude aus der Jugendstilzeit restauriert und bringen seine Betrachter/innen aufgrund ihrer Schönheit zum staunen. Ingo, unser Gastgeber und ein Freund von Jonas, lebt in seinem liebevoll hergerichteten kleinen Häuschen an Hanglage mit bestem Blick auf die nahe Stadt.
    Für ihn und vieler seiner Freunde ist das Folklorum bereits langjährige Tradition und ein beliebter Treffpunkt.

    https://www.turisede.com/folklorum.html
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  • Day94

    Zwischenhalte in Dresden

    September 2 in Germany ⋅ ⛅ 17 °C

    Jonas schreibt...

    Wir verbringen zwei Tage in Dresden, welches uns mit seinen schönen Altbauten sofort einnimmt. Das Leben, scheint trotz der Grösse und dem lebendigen Treiben, doch nicht in Stress zu verfallen. Allerdings steht uns eine Herausforderung bevor: Wir müssen mitten in der Stadt einen Schlafplatz unter freiem Himmel finden. Wir stehen Isoldes Empfehlung uns einfach an die Elbe zu legen erst etwas unsicher gegenüber, finden aber letztlich ein schönes Plätzchen in einem kleinen Park, wo wir ungestört unsere Nacht verbringen.
    Die zweite Nacht, die wir eigentlich bei Alex, die ursprünglich in Lotte Wanderunigruppe war verbringen wollten, verbringen wir bei Saphina einer Kunststudentin, die versucht mit ihrer Kunst politische Themen aufzugreifen. So veranstaltet sie z.B. im Oktober ein kleines Festival zum Thema Wald und Abholzung. Alex selber verpassen wir leider.

    Wir lernen einiges über das Leben in Dresden vor mehr als dreissig Jahren und besuchen dafür das Museum " Die Welt der DDR", dass sich etwas ironisch anmutend in ein hiesiges Shopingcenter gequetscht hat. Hier wirkt zwar alles etwas chaotisch und schlecht aufbereitet aber dafür dürfen viele Museumsgegenstände benutzt, angefasst und fotographiert werden.
    Ein buntes Sammelsurium an Gegenständen, Zeitdokumenten und Ansichten, die aus dieser speziellen Zeit stammen.
    Die ambivalenten Gegensätze von der Idee eines solidarischen miteinanders und der Realität eines Überwachungsstaates liegen hier so dicht beieinander, dass sie beinahe spürbar sind. Schliesslich werden wir, noch tief in Gedanken, 45 Minuten vor dem angegeben Schliessungszeit vom Museumswärter hinausgeworfen.

    Bevor unsere Reise uns weiter nach Görlitz führt, verabschiedet sich Isolde von uns. Wir werden sie vermissen, hat sie uns doch viele schöne, lustige und irritierende Momente beschert.
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  • Day87

    Auf den Spuren der Zeit

    August 26 in Germany ⋅ ☀️ 22 °C

    Jonas schreibt...

    Wir wollen uns noch einmal in die Wildnis begeben und besuchen den Nationalpark der sächsischen Schweiz. Hier erwartet uns eine komplett anderen Welt, die aus dichten Nadelwäldern und verschlungenen Felsgebilden besteht. Doch so Kolossal diese fantastischen Formationen auch wirken, so zerbrechlich sind sie auch, handelt sich doch um Sandstein, der von Regen und Witterung geprägt, über Jahrtausende verschlungene Formen und viele Höhlen und Spalten gebildet hat.
    Anders als in den übrigen Nationalparks ist hier das Übernachten an ausgewählten Orten, sogenannten Boofen, gestattet, die als Felsvorsprünge oder kleine Höhlen auftreten.
    Nie hatten wir auf unserer Reise so schöne und wilde Schlafplätze, bei denen wir in luftiger Höhe freien Blick auf Sonnenauf oder Untergänge und denn Vollmond hatten. Des Nachts begegnen und besteigen uns putzige Siebenschläfer, die hier waghalsig herumklettern und (leider) auch dann und wann Abstürzen (zur Beruhigung: alle haben überlebt) .
    Unsere täglich zurückgelegte Strecke erreicht einen neuen Tiefstand legen wir doch gefühlt alle fünf Minuten eine halbstündige Rast ein um den Ausblick zu geniessen.
    Wir haben viel Glück, was das Wetter betrifft, regnet es doch täglich erst dann, wenn wir jeweils eine feste Felswand über unseren Köpfen haben. Auch das nahen des Herbst wird spürbar, denn die Nächte sind mehr und mehr so kühl, dass wir uns endlich wieder über unsere dicken Schlafsäcke freuen können.

    Für einmal kommt auch endlich unser hightech Wasserfilter zum Einsatz: Mit mässigem Erfolg, da das "aufbereitete" Wasser in unseren Flaschen eine hübsche grün gelbe Farbe aufweist, die aber unsere täglich konsumiere Menge an Trinkwasser deutlich schmäht.

    Unsere tägliche Dosis Literatur hat sich aus dem humoristischen ins klassische verschoben und ist nun auch etwas gehaltvoller geworden. Wir lesen "Narziss und Goldmund" von Hermann Hesse und können indes dessen Vagabundendasein aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Anfangs lockt die Aussicht auf die Verfilmung, die derzeit in den Kinos angelaufen ist, die Lotte aber alsbald, deilluisioniert vom Trailer, schnell wieder verwirft und sich wünscht, ihn nie gesehen zu haben.
    Wir erheitern und verstörend (?)mit unserer Buchwahl auch unsere Boofen-Mitbenützer, die an einer sehr delikaten Buch-Stelle, deren Inhalt das intime Verhältniss zweier sehr junger Schwestern mit dem Protagonisten beschreibt, hereinplatzen und sich eigentlich nur zur Ruhe legen wollen. Wobei sei erwähnen sei, das es im Nachgang wohl fast keine Stelle im Buch gibt, die nicht auch ähnlich passend und verstörend gewesen wäre.

    Langsam neigt sich auch unsere Zeit zusammen mit Isolde zuende und damit auch ihren philosophischen Fragen des täglichen Lebens, die uns derzeit sehr beschäftigen. Wir sind äusserst beunruhigt, dass sich dem Anschein nach, noch fast kein Mensch, dem wir begegnen, Gedanken darüber gemacht hat, wie er seinen Zenauren nennen würde, hätte er denn einen zum Haustier...

    Auch machen wir uns viele Gedanken zum Thema Werbung, wie uns diese in unserem Alltag omnipräsent begleitet und beeinflusst ob wir es nun wollen oder nicht. Könnten die ganzen Flächen nicht für sinnvollere Inhalte verwendet werden und wäre Werbung für keine Werbung ein Widerspruch oder legitim?

    Nach fünf Tagen wünschen uns alle sehnlichst eine Dusche und bekommen diese ganz unerwartet in der kommenden Nacht. Es regnet so stark, dass in unserer Boofe etwas wie eine natürliche Dusche entsteht, die jedem Luxus-Natur-Hotel das Wasser gereicht hätte. Am nächsten Morgen besucht uns Line, eine gute Freundin und frühere Mitbewohnerin von Celine, die im Elbsandsteingebirge ihren Geburtstag feiert und bringt uns ein wahres Festessen und ein paar neue Vorräte mit.

    Gegen Ende unserer Reise werden von einem Wanderführer als "echte Höhlenmenschen" bezeichnet und landen mit etwas Glück wohl noch im einen oder andern Ferienfotoalbum einiger Tourist*innen, die wenig mit dessen Humor anfangen konnten...

    Wir wagen ausserdem das Experiment, uns gegenseitig ungefiltert zu beschreiben, in unseren Potenzialen und Stärken aber auch in unseren Schwächen und Schatten. Es ist spannend für einmal unser Selbstbild mit dem Bild zu vergleichen das in der Aussenwelt von uns entsteht und es wird uns klar, das wir die allermeisten Punkte, die gesagt werden, eigentlich schon wissen, aber nicht immer akzeptieren wollen.
    Unser Bild von einander vertieft sich mehr und mehr durch unsere Erzählungen und Analysen über unsere vergangenen und gegenwärtigen Beziehungen und deren teils tragischen, teils skurielen Höhen (eher wenige) und Tiefen (eher viele). Dabei kommt letztlich soviel an Material zusammen, dass die Idee für ein Buch mit dem Titel "Ratgeber für eine zwanghaft harmonische Beziehung" aufkeimt und wohl auch eine reelle Chance hätte, irgendwann auf die Liste der Bestseller aufgenommen zu werden.
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  • Day81

    Von den Launen der Schleusenwächtwer/in

    August 20 in Germany ⋅ ⛅ 26 °C

    Jonas schreibt...

    Wir tauschen unsere Wanderschuhe für einmal gegen ein Kajak und ein Kanu ein und folgen dem Finowkanal hinauf in Richtung Marienwerder. Langsam aber sicher scheint sich der Ruf und das Ansehen unserer kleinen Gruppe zu erhöhen, schliesst sich uns doch mit Clemens innert weniger Wochen bereits der zweite Adelsspross an.
    Bei Sonnenschein und mit bester Laune paddeln wir den Wasserlauf hinauf, der alle paar Kilometer durch eine der zwölf historischen Schleusen begrenzt wird. So verschieden wie sich der Fluss sich uns zeigt, so verschieden sind auch die Schleusenwärter/innen. Während die einen uns freundlich gesinnt, noch gute Tipps und beste Wünsche auf den Weg geben, verderben wir anderen schon den (in zwei Stunden...) heiss ersehnten Feierabend durch unsere Ankunft. Den letzten Schleusenwärter an diesem Tagwiederum plagt das schlechte Gewissen, da er uns, weil wir erst nach Schleusenschliessung bei ihm eintreffen, nicht mehr bedienen darf.

    Als sich der erste Tag dem Ende zuneigt, biegen Isolde, Lotte und ich nach rechts in einen kleinen mit Seerosen gespickten Kanal ab, treffen auf Graureier und knuddelige Blesshuhnküken, die scheinbar über Wasser (bzw. Seerosenblätter) gehen können und finden Spuren von Biebern. Bald schon erreichen wir einen idyllischen Waldsee und finden eine perfekte Stelle am Waldrand für unsere abendliches Lager.
    Celine und Clemens dagegen liefern sich derweil ein Rennen gegen die Zeit, um uns noch vor Ladenschluss beim Spiess-Burger ein deftiges Abendmahl zu organisieren. Sie treffen auf ihrem Rückweg, den Duft von Knoblauchsauce und gerösteten Patties stets in der Nase, gleich drei Mal auf diese imposanten Nagetiere.

    Im abendlichen Flammenschein sitzen wir noch lange draussen, essen mit grossem Appetit unser verdientes Mahl, welches auch kalt ganz vorzüglich schmecken, lauschen Celine, die uns aus Walter Moers "Schrecksenmeister" vorliest und beenden schliesslich den Tag mit ein paar schönen Klängen von Isolde Ukulele ab. Die Nacht ist kurz und das Aufstehen fällt uns am nächsten Morgen so schwer, das wir erst gegen 14 Uhr aufbrechen und aufgehalten durch einige Brombeersträucher, an diesem Tag nur eine einzige Schleuse schaffen.
    Die Suche nach einem Schlafplatz gestaltet sich an diesem Abend überhaupt nicht einfach und wir beschliessen am nächsten Tag einfach wieder zum Mäckersee zurückzukehren, an dem wir den ersten Abend verbracht haben. An diesem Abend philosophieren wir hitzig über Rö(ö?)stzwiebeln und andere Feinheiten der deutschen Sprache.

    Unser ehemaliger Schlafplatz wird bei unserer Rückkehr leider bereits von einigen Anglern belagert, die uns mit einem undurchdringlichen Wall aus Angelrouten und Booten, die Landung verwehren. Unsere alternativer Lagerort ist leider nicht mehr ganz so toll, wie der Erste. Der nächste Tag beginnt regnerisch und wir erleben hautnah, was es bedeutet unser Haus auf Sand zu bauen. Während es giesst wie aus Kübeln, versuchen wir mit Löffel und Tassen bewaffnet einen Burggraben um unser Tarp zu errichten, können aber nicht verhindern, das ein kleiner Teil unseres Gepäcks der Wasserfront zum Opfer fällt. Clemens versucht mit nichts als Unterhose auf der Haut, heldenhafte unser Zuhause zu beschützen und muss dabei ordentlich einstecken, ebenso Celine, die am Schluss vor Nässe trieft. Insgeheim hoffen wir, dass es den unfreundlichen Fischern nicht anders ergangen ist...
    Die Stimmung nahe dem Tiefpunkt aber zum Glück haben wir für genau solche Fälle immer eine Packung Buchstabensuppe in Peto, die uns schliesslich den Tag und den Frieden unter dem Tarp rettet und uns mit der Frage zurücklässt ob in jeder Packung die selbe Anzahl der gleichen Buchstaben drin ist.

    Als Ausgleich gestaltet sich der Rest des Tages und der darauffolgende Sonntag, an dem wir wieder nach Eberswalde zurückpaddeln, freundlich.
    Müde aber gut gelaunt, machen wir auf unserem Rückweg noch einen Schlenker und besuchen zum dritten Mal die örtliche Eisdiele um den Abschluss unseres kleinen Abenteuers zu feiern.
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  • Day76

    Kreative Kartographie

    August 15 in Germany ⋅ ⛅ 30 °C

    Jonas schreibt...

    Wir sind zurück in Berlin und fühlen uns nach den erholsamen Tagen in der Natur von der Hektik, vom Lärm und den vielen Menschen und den Geschäften etwas überfordert. Mit viel Glück (und Google Maps) schaffen wir es schliesslich den Bus im doch sehr unübersichtlichen Berlinerverkehrsnetz zu finden und rechtzeitig zu unserem nächsten Workshop bei Lorenz kommen. Er ist Mitglieds von Orangotango, einem politisch und gesellschaftskritischen Kollektiv, das versucht Proteste und Verantwortungsbewusstsein in neue kreative Bahnen zu lenken. Neben Künstler/innen und Musiker/innen sind in dieser Verbindung auch Menschen zu finden, die sich darauf verstehen den Blickwinkel auf Themen zu verändern und diese für einmal auf ganz anderen Wegen darzustellen.

    Wir starten damit unsere bisherige Reise auf Papier zu bringen. Anfangs noch mit einer Karte von Deutschland im Kopf, wechseln wir rasch in eine abstraktere Form, die aufzeigt zu welchem Zeitpunkten wir als Gruppe unterwegs waren, welche Gäste und Workshops wir hatten und welche sonstigen Besonderheiten sich noch gezeigt haben. Wir stellen fest, dass das Sommerfest vor nun fast einem Monat ein gefühlter Wechsel in der Dynamik unserer Gruppe bewirkt hat und wir uns mehr Impute und Reize von Aussen holen. Wir haben uns damit gefühlt eine neue Ebene erschlossen und empfinden das alle als grosse Bereicherung.

    In einem zweiten Teil machen wir uns daran unser bisheriges Leben zu kartographien. Welche Ereignisse und Menschen haben unser Leben geprägt und verändert. Was haben wir gefunden und was verloren? Welche Fragen und Glaubenssätze leiten uns und auf welche Ziele oder Ideale Steuern wir zu? Was gibt unserem Leben Sinn und was hat uns diesen in der Vergangenheit entzogen?
    Es hat etwas sehr intimes unser Leben vor der Gruppe in dieser Art und Weise auszubreiten aber es schafft auch neue Verbindungen und Verständnis für uns selbst und alle anderen.

    Zum Schluss schält sich die Frage heraus wie und ob wir unsere Reise zukünftig festhalten wollen. Ob für uns oder für andere. Wieviel davon, was wir erlebt haben geben wir der Öffentlichkeit Preis? Beschreiben wir unsere Erfahrung als Gruppenerlebis oder aus der Sicht des Einzelnen? Schreiben wir oder zeichnen wir?
    Wir wissen es noch nicht genau und nehmen diese Frage mit, auf unseren weiteren Weg.

    Wir haben an diesem Tag viel Input bekommen und sind dafür alle sehr dankbar und nun auch etwas klarer wohin unsere Reise geht und wo wir schon waren.

    http://orangotango.info
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