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    15. april, Polen ⋅ ☁️ 14 °C

    15.04.2026

    Später Vormittag. Erste Tour hier. Heute heißt es: Kilometer machen - Gegend kennenlernen. Sehe perfekte Spots von Pflaume aus. Auf der anderen Seite der Narew. Da muss ich hin. Was mir dabei gar nicht gefällt: muss über einen stark befahrenen engen Abschnitt. Für Radfahrer ein heißer Ritt. Egal wie knapp: Radfahrer müssen immer überholt werden! Bei uns zuhause. Hier nicht anders.

    Zuerst geht es Richtung Zentrum. Der Erste Anstieg. Zuviel für mein Knie. Ein Stich dringt bis in mein Hirn. Das kann ich mir heute nicht oft erlauben. Das weiß ich.

    Nehme Wizna erstmals wahr. Sehe einen Park. Das überrascht mich. In einem so kleinen Dorf? Und eine Riesenkirche. Ob der Ort größer ist als gedacht? Ich frag ChatGPT: da war mal eine Burg und mehrere tausend Einwohner. Seit den Weltkriegen knapp über Tausend. Das Dritte Reich hat hier für eine Halbierung gesorgt. Bin erschüttert. Kein Wunder, dass alles zu groß wirkt.

    Dann eine Brücke. Wird neu Gebaut. Wie befürchtet: im Neuen Abschnitt gibt es eine Radspur, die abrupt endet. Muss auf die enge Straße. Ein LKW donnert mit über 60 an mir vorbei. Es versetzt mich einige Zentimeter. Wie ich das hasse!

    Endlich eine Nebenstraße. Nach 200 Metern dann ein Feldweg. Durchatmen. Entspannen. Marschland. Die Narew mäandert hier stark. Der Boden ist oft sandig. Im Prallhang entstehen steile Abbruchkanten. Ideales Habitat für Vögel. Ich lausche. Manche erkenne ich am Gesang. Der Wiedehopf. Eindeutig. Höre ihn gut. Sehen kann ich ihn nicht.
    Ein lauter Pfiff. Eisvogel. Bei diesen Abbruchkanten hätte es mich gewundert, wenn nicht. Ein blauer Blitz – pfeilschnell vorbei. Höre ihn im Minutentakt. Die Nisthöhle könnte hier sein.

    Den ganzen Tag treffe ich Angler. Die Autos direkt daneben. Fahren alle durchs Marschland. Was ich auch sehe: die ganze Strecke immer wieder Plastikfetzen - volle Säcke - fast Mülldeponien. Find ich Scheiße. Wie Südamerika vor dreißig Jahren. Außerhalb des Nationalparks ist wohl alles erlaubt. Oder Üblich.

    Meine Tour endet heute an einer Wanderdüne. Ja - richtig gehört. Eine Wanderdüne mitten in Polen. Und eine archäologische Fundstätte: Pfeilspitzen und Keramikscherben. Und: Überall Spuren von Fahrzeugen. Und Anglern.

    Auf dem Rückweg höre ich etwas, das ich so noch nie gehört habe. Frösche? Inzwischen weiß ich es: Rotbauchunke. Noch nie gehört, Noch nie gesehen. (Wenn es dich interessiert: https://youtu.be/aji85_JmvX8?si=XWXht2gQd9tEV-R4). Wow! Das war Großartig.

    Insgesamt fast fünf Stunden unterwegs. Genug für einen Nachmittag. Mein Knie muss versorgt werden. Mammutöl. Diclofenac. Ibuprofen. Volles Programm. Hilft nicht 100 % – aber genug. Genug, um mir für morgen Nachmittag noch die andere Seite der Brücke vorzunehmen. Mal schauen, ob ich bis zum Fährübergang komme.
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