• Kampfläufer

    16. april, Polen ⋅ ⛅ 14 °C

    Widme mich meiner Hygiene. Etwas intensiver als bisher. Hier gibt es eine WARME Dusche. Mir friert schon beim Gedanken an Białowieża. Ich bin und bleibe ein Warmduscher. Wenn ich schon nicht nur sauber, sondern rein bin, muss die Trockentrenntoilette auch dran glauben. Geleert und gereinigt ist sie für die nächsten Wochen wieder zumutbar. Die TROBOLO WandaGO macht es einem leicht: Entsorgung, Reinigung, Handling – alles simpel. Wenn der Deckel aufgeht riecht es etwas nach … Land. Hält sich aber in Grenzen.

    Vorbereiten für heute. Kamera und Akkus checken. Mikro anschließen.

    Zielfoto: Kampfläufer. Am Bodensee oft im Winter gesehen. Schlichtkleid. Hier im Prachtkleid. Mit Glück sehe ich einen Kampf in der „Arena“. MMA ohne Käfighaltung ;-)

    Definiere grob eine Strecke anhand Internetrecherche (birdingplaces.eu – klasse Seite dafür).

    Ab geht’s. Diesmal nur ein kurzes Stück die Hauptstraße. Dann links ab Richtung Norden. Am Hügelrücken entlang, um dann bei Ruś zum Fluss ein ordentlich steiles Stück abwärts zu fahren. Fahre vorsichtig. Die Kamera – und ich – sollen unversehrt bleiben.

    Am Ufer: wieder ein ähnliches Bild wie auf der Wizna-Seite. Der Fluss trennt. Hier stehe ich. Dort geht es ab. Fahre weiter und hoffe. Umfahre ein kleines Wäldchen. Was ist mit dem Fluss passiert? Deutlich schmaler. Ich schaue nach. Willkommen zurück an der Biebrza. Die andere Seite ist jetzt deutlich näher. Vielleicht geht doch was. Der Weg führt mal weg vom Ufer und mal wieder hin. Nichts asphaltiert.
    Komme nur langsam voran. Wieder dieser tiefe Sand. Mühsam mit dem Fahrrad.

    Mit dem Monokular beobachte ich. Bewegung über dem Schilf? Im Gras? Im Tümpel? Wenn sie ruhig stochern, habe ich keine Chance.
    Beim Landen oder Wechseln schon. Da. Im Tümpel. Etwas hat sich bewegt. Bin mir nicht sicher. Nähere mich langsam. Geduckt. Da – wieder.

    Kampfläufer.

    Ich reiße die Kamera hoch und drücke ab. Nicht zu früh. Der eine fliegt sofort. Der andere zögert – und ist dann auch weg. Ha. Gefunden.

    Ich suche Deckung. 200 Meter weiter: zwei Felsbrocken und ein Autoreifen (!) am Ufer. Reicht. Ich habe Deckung und überrage nicht sofort wie der Burj Khalifa alles um mich.

    Warten. Beobachten. Lauschen. Auch mit Merlin-APP. Warten. Sichtfeld Scannen. Umsetzen. Beobachten. Lustlos ein paar Enten fotografieren. Wieder warten. Ich senke den Kopf und döse kurz. Unterbrochen alle paar Minuten durch einen Blick in die Umgebung. So halte ich es aus. Die ganze Zeit hochkonzentriert. Mir geht das nicht.

    Wieder ein Blick: Ein Schwarm fliegt ein. Etwa 150 Meter. Sind das? Ja. Zu weit. Ich filme. Fotos machen keinen Sinn. Der Schwarm fliegt wieder auf und … unter 100 Meter. Vielleicht 80. Gut so. Ich filme wieder. Die Kamera macht auch mal tack – tack – tack. Keine Superüberdrüber-Fotos. Aber immerhin.

    Plötzlich Bewegung. Ein Teil fliegt weg. Nein – bitte nicht! Der Fotogott erbarmt sich: der andere kommt näher. Ich drücke mich noch tiefer in den Boden. Werde eins mit dem Fels. Keine schnellen Bewegungen. Nur langsam. Ganz langsam. Es fällt mir schwer. Am liebsten würde ich lachend im Kreis tanzen.

    Kampfläufer in der Arena. Noch nicht voll da. Aber Ansätze.

    Die Zeit vergeht. Nach 18:00 Uhr. Immer mehr Vögel lösen sich und fliegen über meinen Kopf hinweg Richtung Hinterland. Ich kann nicht mehr. Versuche, meine Beine wieder unter Kontrolle zu bringen. Nicht so einfach. Das linke ist komplett eingeschlafen. Ein kribbelnder, vibrierender Knubbel. Auftreten geht noch nicht. Lasse mir Zeit. Trinke. Bin Durstig. Stundenlang nichts getrunken. Zu angespannt. Und jede Bewegung hätte auffallen können.

    Langsam kommt das Gefühl zurück. Ich als Gesamtes will zurück. Eine Stunde später bin ich bei Pflaume. Ich bin erledigt.

    Krass. Genau wegen solcher Momente mache ich das. … und ein kleines bisschen auch wegen der Fotos ;-)
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