Bis hierher. Nicht weiter.
April 24 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C
24.04.2026
So wie gestern Adam gesagt hat: Stiefel an die Latschen. Bis knapp unters Knie. Ungewohnt. Trage sonst Barfußschuhe. Heute Klötze an den Beinen. Als hätte ich Ziegel drunter. Rucksack auf. Kamera umgehängt. Monopod als Stütze. Für die Kamera – und für mich.
Dort, wo ich gestern stehen bleiben musste, gehe ich heute drüber. Sinke etwas ein. Passt. Ab hier Wasser. Taste mit dem Monopod. Dreißig Zentimeter. Sollte gehen. Mit dem ersten Schritt werden daraus vierzig. Bin kein Leichtgewicht. Mehr sollte es nicht werden. Sonst läuft’s über.
Der Boden trägt – kurz. Drei Meter weiter nicht mehr. Zum ersten Mal zieht es mir den rechten Stiefel fast aus. Gut, dass ich mein drittes Bein dabei habe. Kurz innehalten. Nächster Schritt. Shit. Nicht mehr viel bis zur Oberkante. Den anderen Fuß bekomme ich kaum heraus.
Soll ich das wirklich riskieren? Ich drehe um. Versuche es weiter links.
Dort ist der Boden zunächst fester. Mehr Pflanzen. Die ersten Bülten noch flach, fast angenehm zu gehen. Schritt für Schritt verändert sich das. Die Bülten werden höher, die Abstände größer. Dazwischen mehr Wasser. Und Tiefer. Ich komme noch vorwärts. Zunehmend strauchelnd als gehend. Bleibe hängen. Mit dem Fuß. Mit dem Monopod. Die Bülten geben nach, wackeln.
Ich stehe irgendwann oben. Und rundum wird es weit. Zu weit. Hier geht es nicht weiter.
Ich weiß: Ich bin im Nationalpark. Wegegebot. Abseits verboten. Ein bisschen habe ich schon überzogen. Mehr geht nicht. Ich gehe zurück.
Halte mich am Rand. Lausche. Bekassine. Eindeutig. Kiebitz. Kraniche. Wasserläufer. Merlin bestätigt: Bruchwasserläufer, Rotschenkel, Waldwasserläufer … beeindruckend. Ich setze mich an ein Gebüsch. Naja – eher zwischen Äste. Keine Blätter. Knospen. Kein gutes Versteck. Muss reichen.
Die Vögel kommen näher. Ich sehe sie. Ich drücke auf den Auslöser. Die Fotos? Beweise. Keine Bilder. Nicht mit Licht gemalt heute.
Ich stehe auf, greife den Hocker. Was ist das jetzt?! Zwei Gummifüße fehlen. Im Morast geblieben. Suche. Nichts. Ohne die Dinger ist das Teil unbrauchbar. Wie ein Zahnstocher im Moor.
Zurück bei Pflaume. Frühstück um halb elf. Danach Recherche. Erst: Hocker retten. Dann: Weg finden. Internet miserabel. Bricht immer wieder weg. Wenn’s läuft: drei bis fünf MBit.
Am Abend ist klar: Ich will rüber. Aber nicht so. Ich vertage es. Plane für morgen einen Ansitz. Mit dem Eckla-Trolley. Zwei Kameras. Wetter checken. Schon wieder eine Front. Morgen Nachmittag Böen bis 70 km/h. Brauch ich nicht nochmal.
25.04.2026
Kurz nach fünf. Diesmal vorbereitet. Mit dem Eckla-Trolley am selben Gebüsch. Auf dem Weg: Elchkot. Keine siebzig Meter vom Camp. Schön. Ich baue auf. Zwei Kameras ins Seggenmoor. Ich dahinter. Tarnnetz. Tarnkleidung. Äste davor, was halt da ist. Kein Lehrbuch. Aber auch nicht nichts.
Sitzend geht. Aber nicht unsichtbar. Ich merke es. Die Vögel kommen nicht näher. Nicht wegen mir. Wegen dem, was ich verändere. Skeptiker! Quasi "Querläufer".
Bekassine. Rotschenkel. Waldwasserläufer. Kraniche. Dauerbeschallung. Ich merke wieder: Mit einem Ohr ist Orten schwierig. Besonders bei der Bekassine. Kraniche gehen - die sind laut genug.
Im Laufe des Vormittags kommt eine Frau. Will auch rüber. Sie sieht mich. Also doch nicht so gut getarnt. Sie schaut kurz ins Moor. Zögert.
Dann geht sie los. Nicht am Weg. Etwa vierzig Meter ins Schutzgebiet hinein, im großen Bogen um die tiefsten Stellen. Keine zehn Minuten später ist sie drüben. Ich sehe sie nicht wieder.
Ich bleibe. Und denke: "Versager! Nicht mal diesen Weg schaffe ich."
Ich rede mir ein: Mit leichterem Gepäck würde ich das schon machen. Ohne Kamera. Ohne Rücksicht. Stimmt nicht ganz. Ich bin gehbehindert. Wenn ich mit dem guten Fuß stecken bleibe und mit dem schlechten keine Kraft mehr habe, komme ich hier nicht raus. Ich bin diese Belastung nicht gewohnt. Jeder Schritt kostet. Und ich muss den Rückweg mitdenken. Was, wenn ich zurück nicht mehr kann? Im Moor übernachten. Wind. Null Grad. Notruf. Nein!
Das mit dem Naturschutz ist nur die halbe Wahrheit. Punkt.
Ein Trupp Bruchwasserläufer kommt näher. Besser. Für Video bin ich zufrieden.
Ich breche ab. Für den Nachmittag ist Sturm angesagt. Ich will vorher sichern. Und kochen.
Der Nachmittag rüttelt an Pflaume. In der Nacht sollen es 90 werden. Ich parke um – mehr in den Wind. Weniger Schaukeln. Mehr Sicherheit. Die Nacht wird lang.Read more






Also mir wärscht nit ufgfalla 😂😉 [Dagmar]