• Zwischen Stillstand und Spektakel

    Mar 22–26 in Guadeloupe ⋅ ⛅ 25 °C

    In der Bucht von Vieux Fort verbringen wir die Nacht.
    Draußen arbeitet der Atlantik weiter. Die Brandung klatscht mit Nachdruck an den Strand, Welle für Welle, als würde jemand regelmäßig die Tür zuschlagen. Und trotzdem: Dieses gleichmäßige Schaukeln des Bootes hat etwas Hypnotisches. Ich schlafe rasch ein.
    Ob es am Rhythmus lag oder am Rum… schwer zu sagen.

    Am Morgen dann die Überraschung: grau. Nass.
    Ich blinzle in den Himmel und denke nur: Entschuldigung, wir sind hier in der Karibik, oder?
    Die Sonne scheint das Memo nicht bekommen zu haben.

    Wir stehen auf, noch etwas zerknittert, und das Erste, was zählt: Kaffee.
    Ohne Diskussion.

    Während wir langsam in den Tag finden, ist Markus schon im Einsatz. Unser Boot sieht aus, als hätte über Nacht eine kleine, sehr entschlossene Fliegenarmee eingecheckt. Er putzt sich durch wie jemand, der genau weiß: Entweder wir – oder sie.

    Nach der großen Vertreibungsaktion ist klar: Raus hier.

    Wir nehmen Kurs auf eine kleine Insel in der Nähe. Ziel: Schnorcheln.
    Mal sehen, was unter Wasser auf uns wartet – über Wasser hat der Tag ja noch Luft nach oben.

    Wir springen ins Wasser – hochmotiviert, bereit für ein kleines Unterwasser-Abenteuer.
    In der Theorie.

    In der Praxis fühlt es sich eher an wie ein Wettkampf gegen die Strömung. Wir strampeln, ziehen, kämpfen – und kommen dabei ungefähr so schnell vorwärts wie zwei Leute auf einem Laufband ohne Strom. Jeder Meter will verdient sein.

    Unter uns: viel Grün. Sehr viel Grün.
    Algen in allen Variationen. Dazwischen ein paar Korallen, eher zurückhaltend. Und Fische? Sagen wir so: Wenn das hier ein Konzert wäre, hätte die Band abgesagt.

    Ich tauche auf, schaue mich um und denke nur: Wo zum Teufel seid ihr alle?
    Die Unterwasserwelt wirkt… leer. Fast wie nach Feierabend.

    Irgendwann geben wir auf. Nicht dramatisch, eher kollektiv beschlossen: Das hier wird heute nichts mehr.
    Also zurück zum Boot.

    Der Nachmittag läuft dann deutlich besser. Die Sonne schein, es wird heiss.
    Lesen, ins Wasser springen, wieder raus, irgendwo zwischen Sonne, Müdigkeit und diesem angenehmen „Wir müssen gerade gar nichts“. Zwischendurch dösen wir weg, lassen uns treiben, körperlich und gedanklich.

    Die Dämmerung setzt ein – und plötzlich ist das Wasser nicht mehr leer.

    Überall Bewegung.
    Fische schießen aus dem Wasser, als hätten sie einen geheimen Termin. Turtles tauchen auf, strecken kurz ihre Köpfe aus dem Wasser, schauen sich um, verschwinden wieder. Pelikane gleiten vorbei, stürzen sich mit beeindruckender Präzision ins Wasser.

    Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

    Was tagsüber wie ausgestorben wirkte, wird jetzt zur Bühne.
    Und wir sitzen mittendrin und schauen zu.
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