• Zwei Ziegen am Berg

    15. februar, Cypern ⋅ ☀️ 17 °C

    Kissonerga - Polis
    Apartment
    34 km

    Heute kommen wir uns wirklich vor wie Bergziegen. Steile Rampen, lange steile Steigungen. Ab und zu nur schlappe 5 %, wo wir richtig Tempo machen. Denn der Wind ist so gnädig und schiebt uns an. War genau richtig, heute den Berg in Angriff zu nehmen. Und Gabriel, der Argentinier, machte auch alles richtig. Er kam gestern hier entlang aus der Gegenrichtung und nutzte den Rückenwind.

    Immer wieder mussten wir anhalten und warten, bis unser Herzschlag einigermaßen normal war. Manchmal schob ich ein Stück und Werner radelte oder umgekehrt. Denn bei der Steillage ist es oft schwierig wieder in den Sattel zu kommen.

    Bei 9 % Steigung kam uns ein Café gerade recht. Verwunderte Blicke, erhobene Daumen. Wir orderten kalte Getränke und eine große Portion Pommes. The best Pommes ever! Aus frischen Kartoffeln, lecker gewürzt und kross. Auf der Toilette stand das Bild einer berühmten Dame, leicht verändert. Sie tat mir ein bisschen leid. Witzig war das Bild trotzdem.

    Gestärkt kletterten wir weiter die Steigungen hoch. Ich verfolgte das Höhenprofil von Komoot. Nur noch einen km bis zum höchsten Punkt. Jetzt war eine Taverne sehr einladend. Wir bestellten nur kalte Getränke. Wie am letzten Sonntag strömten die Leute, viele vermutlich nach dem Kirchgang, in das Lokal. Alle Tische waren bereits gedeckt und die Kellner jonglierten Tablets voller Köstlichkeiten. Wir hatten keinen Hunger, wollten nur den Berg hinter uns bringen.

    Nach 17 km waren wir endlich, nachdem wir bei null gestartet waren, auf 650 m über dem Meeresspiegel. Meine Beine waren zwar noch nicht wie Wackelpudding, aber es reichte mit bergan kurbeln.

    Jetzt kamen die Hände zum Einsatz beim Bremsen. Und auf der anderen Seite des Berges wurde es kalt, die Berge lagen plötzlich im Dunst. Werner wollte seine Windjacke erst nicht anziehen, stoppte aber bald und verlangte sie. Wir sausten nach unten, auf einem Mal war die Sonne wieder da und gab den Blick auf Berge und Täler frei.

    Fünf Stunden brauchten wir (mit Pausen) um oben anzukommen, in gut 30 Minuten waren wir wieder auf Meeresniveau. So schnell können schwer erkämpfte Höhenmeter wieder futsch sein. Wir sind wieder in Polis, wo es uns 2024 so gut gefallen hat. Leider ist der Campingplatz direkt am Strand immer noch geschlossen. Und der am Aphroditebad zehn km weiter öffnet erst ab März. Wild zelten funktioniert hier nicht. Uns bleibt nur eine feste Unterkunft.

    Doch erstmal stoppt uns eine nette Männerrunde. Die vier kamen mit ihren Motorrädern aus Limassol und stehen um einen großen Grill, aus dem es verführerisch duftet. Sie können nicht fassen, dass wir die Berge mit Muskelkraft bezwungen haben, finden aber keinen Motor an unseren Rädern. Unter den vielen Flaggen auf unseren Rädern suchen sie nach Zypern. Zum Glück hatte ich die Flaggen-Aufkleber mitgenommen. Ganz aus dem Häuschen fotografieren sie ihre Zypernflagge an meinem Rad. Und mein Tacho mit den fast 60.000 Gesamt-km. Kopfschüttelnd fotografieren sie uns immerzu. Wir reißen uns los, müssen noch eine Bleibe finden.

    Wir radeln zu dem uns schon bekannten Hotel. Es war sauber und gut eingerichtet. Ohne Probleme bekommen wir ein nettes Apartment im Erdgeschoss. Ohne Treppe. Was für ein Glück. Jetzt sind wir hungrig und holen uns im Supermarkt nebenan ein kräftiges Abendbrot. Eigentlich will ich noch Salat machen, doch das verschiebe ich auf morgen. Ich will nur noch duschen und ins Bett.
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