Nervenkitzel
21. februar, Cypern ⋅ 🌙 14 °C
Neo Chorio
wilder Zeltplatz
23 km
Heute früh ließen wir das Zelt trocknen und radelten zurück nach Polis. Im Bioladen gab es zum Glück wieder das leckere Sauerteigbrot.
Der Supermarkt war heute brechend voll. Alle schienen
für den morgigen Karneval jede Menge Essen einzukaufen. Die Leute waren trotzdem nicht gestresst und bester Laune.
Wir wollten zum Strand radeln und verpassten die richtige Straße. Nur deshalb fanden wir eine kleine orthodoxe Kapelle mit Aussichtsplattform. Draußen brannte Feuer in einem Metallgehäuse, daneben standen auf einem Tisch Ikonen. Lange dünne Kerzen brannten vor den Heiligenbildern. Immer wieder hielt ein Auto. Einmal stieg ein Mann aus, er war noch jung und konnte nicht gut laufen. Er schaffte es aber zu dem Feuer, zündete damit eine Kerze an und opferte sie den Ikonen. Zwei Frauen betraten die Kirche und kamen bald wieder raus. Erst da merkten wir, dass die Kapelle gar nicht verschlossen war. Wir genossen den Blick auf die Berge, konnten uns kaum losreißen.
Dann rollten wir endlich zu unserem eigentlichem Ziel, dem Strand.
Es war inzwischen bewölkt und ziemlich kühl. Ja, ich weiß, wir sind verwöhnt was Temperaturen angeht. Wir setzten uns zu ein paar Frauen auf eine Bank. Sie sprachen nur russisch, wir konnten uns nicht verständigen.
Gestern Abend war schon klar, dass unser fantastischer wilder Zeltplatz zu schön ist um ihn nur einmal zu nutzen. Also radelten wir zurück zum Eingang vom Aphroditebad. Ich lief durch den kleinen botanischen Garten, der für mich interessanter war als das Aphroditebad selbst. Überall blühen wilde Alpenveilchen, selbst mit Fels- oder Mauerspalten begnügen sie sich.
Als die Touristen weg waren, rollten wir zu unserem Zeltplatz und stellten unsere Stoffhütte auf. Bald wurde es dunkel und die Sterne funkelten fast wie in der Wüste in Mexiko. Die Mondsichel lag waagerecht dazwischen. Ein beeindruckendes Bild. Nur ein schwacher Lichtschimmer hing noch über den Bergen.
Wir kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Ich schrieb gerade dieses Tagebuch, als jemand ganz in unserer Nähe hustete. Und wir dachten, wir sind hier allein. Das Rauschen der Brandung hatte das Auto übertönt. Außerdem piepte der Vogel schon wieder inbrünstig. Sofort machten wir Handys und Stirnlampen aus und trauten uns kaum zu atmen. Dann hörten wir wieder das Husten, aber weiter weg. Wir spitzten die Ohren. Autotüren klappten, Leute lachten und redeten. Immer wieder Motorengeräusche, klappende Autotüren und Stimmen. Wie weit entfernt, war schwer einzuschätzen.
Ich schrieb nicht mehr weiter und nahm auch nicht den eBook-Reader zur Hand. Bloß kein Licht und keine Geräusche. Wir schliefen irgendwann ein.
Heute früh stand auf der Steilküste ein Auto mit abgedeckten Scheiben. Hier hatte vielleicht derjenige geschlafen, der gestern Abend ein stilles Örtchen suchte und unser Zelt entdeckte. Vielleicht hat er auch absichtlich gehustet. Um uns zu zeigen dass wir entdeckt sind.
Wild zelten ist immer ein bisschen aufregend. Der letzte Abend war noch etwas mehr: Nervenkitzel.Læs mere









Rejsende
Wie schön! Ich hatte welche im Garten, aber die Schnecken fanden sie auch toll.
Rad oder RucksackDie einheimischen Schnecken sind wohl auf was anderes spezialisiert, auf jeden Fall hatten wir viele Babyschnecken am Zelt.