Joined April 2021 Message
  • Day162

    Tourihotspot im Paradies

    September 14 in Guatemala ⋅ ⛅ 20 °C

    Der amerikanische Entdeckungsreisende John L. Stephens beschrieb in seinem Buch Incidents of Travel in Central America den Lago de Atitlán im 19. Jh. als „das großartigste Schauspiel, das wie je gesehen haben“ – und er hatte schon viel gesehen! Ich weiß nun was er meint, aber der Ort hat sich aufgrund seiner unglaublichen Schönheit, auch gleichzeitig zum größten Touristenmagneten des Landes entwickelt. Der erste Ort, den wir am Lago Atitlan ansteuern, Panajachel, ist wohl auch der geschäfigste und am meisten zu gebaute. Wenn man das Seeufer mit all seinen Reisebüros, Kunstgewerbehändlern, lauten Restaurants und nervigen Touristenfängern entlangschlendert und dabei immer auch noch versuchen muss, den knatternden Tuk-Tuks aus dem Weg zu springen, kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass hier ein Paradies im Trubel versunken ist. Nichtsdestotrotz steht man an diesem aquamarinblauen See, wo rustikale Fischerboote entlang schippern, grüne Hügel die Szenerie schmücken und über allem erheben sich die drei riesigen Vulkane rings um den Lago Atitlan und man denkt sich: Wow! Das ist ein unglaublich magischer Ort. Wir wollen nun ein bisschen in den grössten See von Guatemala mit seinen sehr unterschiedlichen Ortschaften eintauchen. Es heißt Santiago Atitlán wartet mit einer stark ausgeprägten indigenen Identität auf, San Pedro La Laguna gilt als Backpacker-Partyzentrum, San Marcos La Laguna ist ein Magnet für New-Age-Jünger und Santa Cruz La Laguna und Jaibalito, näher an Panajachel gelegen, zählen zu den idyllischsten und malerischsten Orten am See. Wir beginnen natürlich mit dem Hippie-Zentrum: mit San Marcos La Laguna und sind gespannt, was uns da erwartet.Read more

  • Day161

    Endlich Guatemala

    September 13 in Guatemala ⋅ ⛅ 28 °C

    Wir haben es geschafft. Wir haben die Grenze nach Guatemala überquert. Eigentlich ein Grund zur Freude, jedoch hat es unser Auto Diego nicht geschafft. Der musste draussen bleiben :-( Die Papiere sind nicht in Ordnung von dem Auto. Nun haben wir es an der Grenze geparkt und sind zu Fuß rüber nach Guatemala. Kai's Stimmung hat, glaube ich, den Tiefpunkt dieser Reise erreicht. Er hadert eh schon seit Wochen mit Allem, da ihn das nicht weiter kommen, ganz schön niedergeschlagen hat. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir das Auto noch nachholen können. Es ist wie schon zuvor beschrieben eigentlich gar nicht möglich in Lateinamerika als Tourist ein Auto zu besitzen, nur über völlig abwegige Optionen, kann es klappen. Wir haben einen dieser schrägen Wege eingeschlagen und die damit einhergehene Gründung meiner GmbH in den USA ist noch nicht abgeschlossen. Ich habe die GmbH übrigens "Trümmertours & Partner" genannt- aber am Namen lag es nicht, dass die Diego nicht reinlassen wollten ;-) Wird halt etwas dauern, bis das geklärt ist, aber, wenn ich etwas diese Reise gelernt habe, dann ist es viel Geduld aufzubringen bis irgendetwas geklärt wird. Außerdem sind wir ja nun endlich drüben. Die Bankkarten sind angekommen, die Corona-Testergebnisse waren beide negativ, wir sind wieder gesund (außer der Geschmacks- und Geruchssinn sind noch verschwunden), der Hund ist dabei, und das Abenteuer, kann weiter gehen. Ich finde es tatsächlich nur ein wenig doof, mit dem Auto, aber den holen wir uns schon noch. Keiner hat gesagt, dass es leicht und stets ein Spaß ist zu Reisen, auch wenn Kai sich das scheinbar alles ganz anders vorgestellt hat. Nun ja. Spätestens wenn er wieder in der Wildnis hockt und seinem Entdeckergeist nachgehen kann, wird er wahrscheinlich vor Lebensfreude wieder sprudeln und kaum zu bändigen sein. So ist zumindest der Plan. Wenn nicht wieder irgendwas dazwischen kommt....Read more

    🥳Hauptsache ihr seit erstmal drüben. Und das mit dem Geschmackssinn kommt schon noch wieder. Hat vielleicht auch was Gutes, sprachen ja kürzlich erst darüber, dass das Essen da ohnehin kein kulinarisches Highlight ist. So gelingt das runterwürgen besser🤣. Und das „Genießen“ kommt dann wieder, wenn es dir auch von Nutzen ist. Bis dahin auf das wesentliche konzentrieren: die Natur, Landschaft , die Kultur und all diejenigen Dinge, die es zu erleben gibt. Emma macht dir was Leckeres wenn du heim bist: bestes Körnerbrot mit tollen Salaten und frischen Gemüsedips. Aber eher selbstgemachtes Hummus als Guacamole 🤣. [Emi]

     
  • Day160

    Adiós Mexiko: Ein Rückblick

    September 12 in Mexico ⋅ ⛅ 28 °C

    Wir waren nun fast ein halbes Jahr in Mexiko. Ich möchte ein bisschen assoziieren, was ich mit diesem Land in Verbindung bringe und was mir gefallen hat und was ich nicht vermissen werde.

    Me gusta (mir gefällt) :
    indigene Kulturen
    Cenoten
    bunte Sachen
    gepimpte VW-Käfer
    Avocados
    Kakao
    Nackthunde
    Kakteen
    Mais
    Kunsthandwerk
    Dschungel
    Taxi-Collectivos
    Politik
    Schwitzhütten (Temazcal)
    Mexikaner/Innen
    Mezcal
    Limetten
    Graffiti
    bestechliche Bullen
    Brüllaffen
    Blattschneideameisen

    No me gusta (gefällt mir nicht) :
    viel zu laute Musik
    Tortillas
    Insektenstiche
    Chilli
    Straßenverkehrsberuhigungshubbel
    Kinderarbeit
    Chiahauhas
    Cowboystiefel
    Pulque
    Kokain
    Internetverbindung
    Privatstrände
    Tex-Mex
    kirchliche Raketenabschüsse
    Bohnenmus

    Schön war's. Danke für die Eindrücke und Erlebnisse die ich bei dir machen durfte, liebes Mexiko. So nun geht's auf nach Guatemala.
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  • Day144

    Warten bis der Arzt kommt

    August 27 in Mexico ⋅ ⛅ 17 °C

    Wir warten also immer noch weiter auf Kai's Kredit- und EC-Karte in San Cristobal um dann endlich nach Guatemala reisen zu können. Die Schule habe ich nicht mehr verlängert, da es jeden Tag soweit sein könnte. Die Wehen sind bereits eingetreten und wir warten auf den großen Wurf. Und tatsächlich am 1. September 2021 kommt die ersehnte Post mit den Bankkarten aus Deutschland. 6 Wochen haben wir nun darauf gewartet. Jetzt, wo es endlich weiter gehen kann, hat es mich nun voll erwischt: ich bin ganz schön krank und liege mit Fieber und völlig erschöpft flach. Ein Corona-Test, den ich für die Grenzüberschreitung nach Guatemala, sowieso machen muss, bestätigt meinen Verdacht. Ich habe mich mit Corona infiziert. Kai's Test ist hingegen (noch) negativ, aber er ist aktuell auch kein bisschen krank. Ich frage die Ärztin, was ich nun machen muss. Sie zuckt die Schultern und fragt mich, was ich die letzten Tage denn genommen hätte? Ich antworte ihr: Paracetamol. Dann solle ich das weiter nehmen. Sie hat keine Quarantäneanordnung für mich, keine weiteren Fragen über Kontaktpersonen und auch kein Aufnehmen von persönlichen Daten wird erforderlich. Ich gehe wieder zurück ins Bett im Hostel und frage mich, ob es jetzt sinnvoll ist, die anderen Gäste zu informieren. Ich gebe mir Mühe es schonend rüber zu bringen, aber es interessiert hier keinen wirklich. Für die liebe Leserschaft in Deutschland mag dieser Umgang damit nun paradiesisch oder fürchterlich klingen, je nachdem, welchem Corona-Lager man nun angehört, aber ich bin einfach nur genervt. Nun verzögert sich die Ausreise nach Guatemala wiederrum, bis ich ein negatives Testergebnis vorweisen kann. Der Tip, der Ärztin umgerechnet 20 Euro für ein Negativergebnis zu geben, beherzige ich nicht, wobei dies hier scheinbar ohne große Umschweife möglich wäre. Dies weiß ich spätestens seitdem Kai beim Fahren ohne Führerschein von den Bullen erwischt wurde, und er sich mit einem 500 Pesos-Schein (das sind umgerechnet ca. 20€ ) problemlos freikaufen konnte. Als wir die Geschichte später reißerisch erzählen wollten, wurden wir müde belächelt und uns wurde erklärt, dass hier fast jeder bestechlich sei: Lehrer, Polizei, Beamte, Ärzte. Nichts sei unkäufllich und dies könne man auch ganz offen anfragen. Im Endeffekt sei es eine Win-Win-Situation. Die Schmiere, die die Gesellschaft zusammen hält. So... So...
    Etwas drüber nachgedacht, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ein klein wenig mehr Alltagskorruption, und dafür ein bisschen weniger Wirtschaftskorruption in Deutschland den Deutschen vielleicht auch ganz gut tun würde ;-)
    Einen Tag später ist Kai ebenfalls krank und hat Fieber. Bei unserem zweiten Test ist Kai nun positiv und ich bin negativ. Ich fühle mich aber auch wieder gesund. Wir müssen warten bis wir aber beide wieder gesund sind und somit beide ein (echtes) negatives Corona-Testergebnis vorweisen können. Über die Ungeduld, wann wir nun endlich nach Guatemala reisen können, legt sich nun das Gefühl von Frust und Traurigkeit, da die ewige Warterei auf die Ausreise uns nun so langsam echt zermürbt hat. Und dann Corona obendrauf, was uns beide -nacheinander- auch ganz schön niedergestreckt hat. Mann, ey. Mit stark gedrückter Stimmung verharren wir also weiterhin in Warteschleife.... Der dritte und der vierte Test schlagen bei Kai wieder positiv an, obwohl er sich laut eigener Aussage wieder fit fühlt..... Es ist zum verzweifeln. Ganz viel Zeit haben wir nicht mehr, denn unser Visa für Mexiko neigt sich auch langsam dem Ende zu.
    Das einzige was man der verkorksten Situation noch Positives abgewinnen kann, ist, dass wir insgesamt 3 Pärchen (aus den USA, Israel, England, Spanien und Deutschland) in dem Hostel sind, die allesamt Langzeitgäste sind und wir so eine Art temporäre WG darstellen. Wir ticken alle ein bisschen ähnlich und kochen zusammen vegan, spielen mit den Hunden, und hängen miteinander auf der Dachterrasse rum, ohne uns gegenseitig auf die Nerven zu fallen. Das ist irgendwie schon viel wert. Auch wenn es ein schwacher Trost ist.
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  • Day133

    Culture Clash 2.0

    August 16 in Mexico ⋅ 🌧 18 °C

    Wir sind also wieder in San Cristobal. Tatsächlich wird diese Stadt im Hochland von Mexiko immer mehr zu meiner zweiten Heimat. Man weiß mittlerweile sehr gut was, wo, zu finden ist, grüßt die immer gleichen Leute, wenn man ihnen auf der Straße begegnet und fühlt sich auch langsam heimelig. Da wir nun noch X-Tage mit Warten verbringen müssen, versuche ich die Tage sinnvoll zu füllen und nicht nur so in den Tag hineinzuleben, denn irgendwie strengt mich die damit gefühlte Nutzlosigkeit an. Ich melde mich sogar lieber wieder an einer Sprachschule an um mich weiter mit der spanischen Sprache rumzuschlagen. Kai bevorzugt lieber keine festen Termine zu haben und schlägt sich tagsüber lieber mit Welpe Nola rum- was bestimmt nicht weniger anstrengend ist. Als Ausgleich zum Spanisch lernen, quasi um mir auch was Interessantes zu gönnen, melde ich mich bei einem Kulturkurs an, welcher sich ausschließlich mit der indigenen Kultur von Chiapas befasst. Nach dem Besuch bei den Lacandonen-Indianern und den Zapatisten bin ich noch mehr Feuer und Flamme mehr darüber zu erfahren. Da es aktuell nicht so viele Touristen hier gibt, entsteht es so, dass sowohl der Spanischunterricht am Vormittag und der Kulturkurs am Nachmittag ganz exklusiv für mich abgehalten werden und ich davon sehr profitieren kann, da ich sozusagen die gesamte Gruppe darstelle und es somit harmonisch abläuft ;-) Zum anderen muss ich zugeben, dass mir die zwei Wochen mit einem gut gefüllten und geregelten Tagesplan sehr gut gefallen haben. Eine tägliche Routine hat mir scheinbar doch etwas gefehlt; ich bin selber über diese Erkenntnis erstaunt. Vielleicht bin ich doch eben nur ein Wochenend-Hippie?! Es ist sogar so, dass mir spanisch lernen anfängt ein bisschen Spaß zu machen, da die (Privat-)Lehrer wirklich gut sind und ich erstmalig, seit Lernbeginn, das Gefühl habe, Erfolge zu erzielen. Aber noch viel besser, als die neue Sprachschule, ist der Kulturkurs über die indigenen Menschen in Chiapas. Das ist direkt in mehrfacher Beziehung total spannend für mich: zum einen wie die Gesellschaftsstruktur bei diesen Gruppen aufgebaut sind und wie tief verwurzelt der Schamanismus dort ist und wie er gelebt wird. Ein bisschen ungläubig hab ich aber schon geguckt, als der Workshop-Leiter, der auch gleichzeitig der Inhaber von der Spanischschule ist und selbst keiner indigenen Gruppe angehört, mich über die Rollen der Hexen und ihren Machenschaften in den indigenen Gemeinschaften gewarnt hat und das sie hauptsächlich Kinder mit guten Energien angehen. Dies habe er und und seine Familie viele Jahre miterleben müssen und nur die Medizin vom Schamanen konnte gegen die bösen Zauber der Hexen helfen. Ich starrte ihn an: Er meinte es ernst! Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und bedankte mich für die nützlichen Hinweise, wie ich eine(n) Hexe(r) ausfindig machen kann und wie ich mich bei so einer Begegnung am besten Verhalten sollte. Aber, so schloss er, die Gemeinschaften der indigenen Menschen, wissen meistens auch sowieso, wer die Hexen unter ihnen sind, und so leben diese am Rande der Gemeinschaft. Ich antwortete darauf, dass dies sehr traurig wäre für die Ausgestoßenen, und ob es keinen Weg für diese Menschen zurück in die Gemeinschaft gäbe. Daraufhin starrte mich der Workshop-Leiter fassungslos an, mit den Ausdruck in den Augen, dass ich wohl nichts verstanden habe. Ich hatte trotzdem das Gefühl ganz viel gelernt zu haben, und das es, zumindest für mich, ein gelungener Kulturaustausch war.
    Eine weitere mehr als seltsam anmutende Tradition, hier in Chiapas, ist das regelmäßige abfeuern von Raketen. Die ersten Tage dachte ich, dass es sich um einen Guerillakrieg in den Bergen handeln muss. Aber Nein! Nachdem das gesamte Hostel nachts mit über dem Kopf gezogener Bettdecke dem Wahnsinn da draußen ausgesetzt war, ist ein mutiger spanisch sprechender Tourist zum Ort des Geschehens gefahren. Die Kirche höchstpersönlich feuert tatsächlich Raketen in den Tag - und Nachthimmel um katholische Heilige zu ehren. Die gesamten zwei Wochen hindurch, Tag und Nacht, teilweise alle 20 Minuten und mit ohrenbetäubenden Knallen. Sie müssen richtig Schichten haben, die die Dinger los feuern. Da San Cristobal in den Bergen liegt, hallt es auch im gesamten Tal, so dass ich bisher noch keine einzige Nacht durchschlafen konnte, während ich eine akustische Darbietung von einem Luftangriff bekommen habe. Bis auf die ahnungslos erschrockenen, schlaflosen Touristen, scheint sich daran, aber niemand anderes zu stören. Ganz schön schräg, aber: andere Länder andere Sitten.
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  • Day127

    Pueblos Màgicos in Corona-Zeiten

    August 10 in Mexico ⋅ 🌧 21 °C

    Weit kommen wir nicht bei unserer 2. Runde Überbrückungszeit. Das Auto macht Mucken. In der Nähe von der Stadt Oaxaca de Juarez geben wir die Karre in die Werkstatt. Aber der Bundesstaat Oaxaca, wo wir nun stecken, soll viel zu bieten haben, jedoch sind sie hier auch viel strenger mit Corona. Drei Tage tingeln wir nun also ohne Auto rum und gönnen uns deswegen auch mal wieder ein richtiges Zimmer mit einem richtigen Bett. Mich freut es nicht im Auto schlafen zu "müssen", Kai findet es schade. Aber Kai's Körper ist seltsamerweise nicht mit Insektenstichen übersät, meiner sieht aus wie ein Streuselkuchen. Undefinierbar, welche kleinen blutsaugenden Monster da am Werk waren. Im Dschungel will mich gefühlt alles fressen. Ich liebe den Dschungel, aber der Teil davon ist wirklich anstrengend. Aber ich denke, dass ich nun eine Pause davon habe, denn wir schlafen in einem naturfernen Zimmer komplett ohne Insekten-welch Seltenheit.
    Wir tingeln also ein wenig mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nach langer Zeit wieder mit Maskenpflicht in den sogenannten Pueblos Mágicos rum. Das sind besonders sehenswerte (meist kleine) Orte, die eine religiöse oder historische Bedeutung haben und dieses kulturelle Erbe besonders gepflegt wird. Einer dieser Orte ist unter anderem San Pablo Villa de Mitla, wo das indigene Volk der Zapoteken lebt, und welches für seine jahrhundertealte Webetradition berühmt ist, dass bis in die vorspanische Zeiten zurückreicht. Die traditionellen Farbstoffe aus Naturmaterialien wie Indigo, Cochenilleschildläusen und Moos werden noch verwendet und die Designs sind ebenfalls traditionell mit symmetrischen Mustern bis hin zu Zapoteken-Göttern. Ich verfalle einem Shopping-Wahn, da die angebotenen Webwaren und das Kunsthandwerk so sehr meinem Geschmack entsprechen, dass ich mich irgendwann selber zügeln muss. Die Sachen sind einfach zu schön, und ich werde sie per Post nachhause schicken.
    Leider, leider können wir die wirklichen Attraktionen, dieser Pueblos Magicos nicht besuchen, da diese allesamt wegen Covid-19 geschlossen sind. Die antiken, mesoamerikanische Ruinen der Zapoteken nicht, Hierve El Agua, (das sind heiße, natürliche Mineralquellen) nicht, die rustikale Brennerei, in welcher der Mezcal aus Agaven hergestellt wird nicht, und den Arbol del Tule nicht. Der Arbol del Tule (sein Spitzname ist Baum des Lebens) ist eine etwa 1500 Jahre alte Mexikanische Sumpfzypresse. Mit dem Durchmesser seiner Stämme von 15 Metern ist er der dickste Baum der Erde und sogar eines der größten Lebewesen auf unserem Planeten. Zumindest den dicksten Baum der Welt wollte Kai, als Baumpfleger und Gärtner, sich nicht entgehen lassen. Wir sind einfach trotzdem hingefahren, und tatsächlich war es möglich trotz eines riesigen, aufgebauten Sichtschutzes um den Baum, diesen zu erspähen. Irgendwer hat ein Loch in den Sichtschutz geschnitten und dort drängelten sich dann die Menschen davor, um dennoch den Stamm des Baum-Riesens zu sehen. Somit war diese Corona-Schutzmaßnahme irgendwie kontraproduktiv. Auch bei den geschlossenen zapotekischen Ruinen, hatten wir irgendwie Glück. Denn aus dem Fenster unseres Zimmers konnte man genau in die Ausgrabungsstätte reinschauen und hatte somit einen Premium-Blick. Die Brennerei haben wir verpasst, aber dafür haben wir die Felder voller Agaven, aus denen der Mezcal gemacht wird, bewandert. Was aber wirklich ärgerlich ist, ist das die blubbernden Mineralquellen tatsächlich auch nicht annähernd zugänglich waren. Nicht einmal von weitem konnte man sich diese anschauen, denn sie sollen in einer weitläufigen, spektakulären Landschaft an einem Klippenrand liegen. Das Wasser, das seit Tausenden Jahren über den Klippenrand tropft, soll einzigartige weiße Mineralienformationen geschaffen haben, die an riesige gefrorene Wasserfälle erinnern. Aber, die Corona-Schutzmaßnahmen-Verordnung hat es im Bundesstaat Oaxaca tatsächlich bis tief in die Natur geschafft und das gesamte Gebiet ist abgesperrt. Sie wollten uns partout nicht durch die Straßensperre lassen, obwohl wir so lieb gebettelt haben. Einige Tage später haben wir diese widersinnige Maßnahme noch einmal erleben müssen, als wir zu einigen relativ abgelegenen Bergdörfer gefahren sind um dort zu wandern, weil die Natur dort ebenfalls so atemberaubend schön sein soll. Nach stundenlangem Fahren auf haarnadelkurvenreichen, unbefestigten Bergpässen, wurde uns kurz vor dem ersten angesteuerten Bergdorf mitgeteilt, dass Touristen aufgrund von Corona nicht passieren dürfen. Also die gesamte Strecke wieder zurück. So erging es uns noch einige Male, da wir auch nicht wussten was möglich ist und was nicht. Zuletzt wollten wir einen steinernen, gigantischen Olmeken-Kopf (Olmeken waren die ältesten aller mesoamerikanischen Hochkulturen) besichtigen, der auf einem Hauptplatz einer kleinen Stadt steht. Der Olmeken-Kopf selbst war in eine schwarze Plastikfolie gepackt worden, so dass man ihn nicht angucken konnte. Der Markt drumherum, war aber in vollem Gange und mit Menschen vollgestopft die penetrant ihre Waren angepriesen haben. Dies ist für mich kein schlüssiges Konzept, was ich im Kampf gegen die Pandemie verstehen kann. Auch verstößt es scheinbar nicht gegen irgendwelche Corona-Schutzmaßnahmen, dass die öffentlichen Taxi-Collectivos (das sind hier normale Autos, die feste Routen fahren und als öffentliche Transportmittel genutzt werden) mit einer völlig überfüllten Anzahl an Fahrgästen hin und her fahren. Meines Erachtens nach passen maximal 5 Menschen (inklusive Fahrer) in ein Auto. Bei unserer letzten Fahrt waren wir 8 Personen (4 Erwachsene+ 1 Kind auf der Rückbank) und 3 Erwachsene und 1 Hund vorne. Während also die Fahrgäste auf der Rückbank zum Gruppenkuscheln verdonnert waren, haben Kai und ich und unser Hund Nola vorne auf dem engen Beifahrersitz gekuschelt. Scheinbar trägt Zwangs-Gruppenkuscheln im Taxi nicht zu einer Ansteckungsgefahr bei, aber draussen, alleine in der Natur rumlaufen schon.... Verstehe wer wolle.... Wir haben daraufhin beschlossen, dass Reisen in diesem Bundesstaat aktuell keinen Sinn für uns macht und sind deswegen zurück nach San Cristobal um dort ungeduldig auf Kai's Kredit- und EC-Karte zu warten.
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  • Day124

    1. Kommt es anders 2. als man will

    August 7 in Mexico ⋅ 🌧 17 °C

    Wir sind also aus der Zona Lacandona zum vierten Mal zurück in San Cristobal um die angekündigte Goa-Party mitzunehmen. Eigentlich wäre ich gerne noch ein bisschen länger im Lacandonen-Urwald geblieben, aber wir haben Arandza (unserer netten Gastgeberin bevor wir in die Zona Lacandona gefahren sind und Inhaberin der Party-Location) versprochen, dass wir zu ihrer Goa-Party-Veranstaltung zurück sind. Man fühlt sich dann irgendwie leider etwas verpflichtet. Im Nachhinein war es ein großer Fehler. Arandza habe ich die gesamte Party über nicht zu Gesicht bekommen und die Goa-Party war mehr als übel. Die Goa-Szene hier scheint überwiegend aus Bubi-Machos mit Gel-Haaren und Goldketten zu bestehen, die man genauso gut auf den Kölner Ringen am Wochenende treffen könnte. Diese sind nicht älter als 20 J. und ein Keks, fühlen sich aber wie El Chapo persönlich und das von ihnen gerne konsumierte Kokain und die Pulque machen sie auch nicht gerade sympathischer. Da sie ihre Männlichkeit ständig unter Beweis stellen müssen, dauerte es auch nicht lange bis die erste Schlägerei (natürlich wegen einer Frau) los ging, wo sich dann natürlich immer weitere Macho-Bubis angezogen fühlten mitzumischen. Eine Schlägerei habe ich auf einer Goa-Party in Deutschland oder sonstwo noch nie erleben müssen, und ich war wirklich schon auf verdammt vielen Goa-Partys. Für mich ist die Szene die friedfertigste überhaupt. Hier, stimmt dies ganz offensichtlich nicht! Neben dem großen Fehler überhaupt auf diese Goa-Party zu gehen (aber wer konnte das ahnen), war mein nächster Fehler mit zu konsumieren. Da ich mich unter diesen Idioten völlig fehl am Platz fühle und auch sonst ein sehr unwohles Gefühl habe, ziehe ich mich in unser Auto zurück und höre dort stundenlang Hörbucher. Denn an Schlaf ist natürlich nicht zu denken. Irgendwie überkommt mich ein Deja-Vu-Gefühl.... So eine ähnliche äußerst unangenehme und mit Koks verbundene Situation bzw. so ein Negativgefühl hatte ich in Palenque mit den selbsternannten Drogenbaronen bereits gehabt. Ich hoffe jetzt habe ich ein für alle Mal draus gelernt. Das Zeug hier ist der letzte Abfuck und die Menschen, die damit hier in Mexiko hantieren, ebenfalls. Ich wünsche mich in den Lacandonen-Urwald und zu der bezaubernden Koh zurück...
    Was das ganze noch etwas abgefuckter macht: Kai's Kredit- und EC-Karte sind noch nicht in San Cristobal angekommen, da die Absendung per Express Versand in Deutschland problematisch war. Das heißt weiterhin Warteschleife.... Denn das war eigentlich der Hauptgrund, warum wir immer noch in San Cristobal, Mexiko feststecken und nicht schon längst in Guatemala sind. Wir beschließen jetzt einfach trotzdem nach Guatemala zu reisen, mit der lästigen Angelegenheit im Nacken, dass wir dann wohl in wenigen Wochen wieder nach San Cristobal in Mexiko zurück kehren müssen, um die Kredit- und EC-Karte hier abzuholen. Sonst verbringen wir gefühlt noch unser gesamtes Jahr in Mexiko. Wir informieren uns wegen den Visabestimmungen, machen also beide einen Covid-Test, besorgen ein Gesundheitszertifikat für den Hund, und beschließen dann, als wir voll vorbereitet und zur Abreise bereit im Auto sitzen, doch nicht nach Guatemala zu reisen. Der Aufwand in 10- 20 Tagen von Guatemala wieder zurück nach Mexiko zu kommen, um die Kredit- und EC-Karte hier in San Cristobal abzuholen, erscheint uns dann doch irgendwie wieder zu hoch. Die Situation ist eine einzige Krux. Wir machen uns nun erstmal auf den Weg Richtung Mexiko City bzw. in die grobe Richtung, obwohl da ursprünglich keiner von uns beiden hin wollte und die Hauptstadt außerdem echt weit entfernt ist. Aber vielleicht wird die 2. Runde Überbrückungszeit ja genauso schön wie die erste Runde....
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    Armes Ewolein . Besinnt euch zurück auf die Wurzeln [EMI]

    8/15/21Reply
     
  • Day116

    Zona Lacandona

    July 30 in Mexico ⋅ ⛅ 29 °C

    Insgesamt haben wir Chiapas jetzt nochmals 1 Woche lang bereist, um die Zeit zu "überbrücken" in welcher wir auf Kai's Kredit- und EC-Karte warten. Es hat sich aber überhaupt nicht wie Zeit totschlagen angefühlt, da Chiapas definitiv und mit Abstand der schönste und interessanteste Bundesstaat ist, und die allernettesten, wenn auch ärmsten Bewohner hat. Wir haben unter anderem vier sehr unterschiedliche Wasserfälle bestaunen dürfen, wovon z. B. der Chiflon-Wasserfall imposante 120m in die Tiefe stürzt. Und das ist nur eine von seinen fünf Kaskaden. Während die brachialen Wassermassen mit lautem Getöse hinabstürzen, komme ich mir sehr klein vor und spüre Ehrfurcht. Die Cascada de Agua Azul (Wasserfall des blauen Wassers) macht ihrem Namen alle Ehren, da die Wasserfallkaskade intensiv leuchtet. Dies ist im hohen Mineraliengehalt des Wassers begründet, aber trotz der wissenschaftlichen Erklärung, mag man kaum glauben, was man da sieht, da es wie Magie aussieht. Insgesamt besteht Agua Azul aus über 500 einzelnen Kaskaden in unterschiedlicher Höhe. Die Farbigkeit der Wasserfälle wandeln sich von Becken zu Becken. Es sind Farben von Azurblau bis hin zu dunklem Smaragdgrün zu sehen. Und so weiter und so fort. Aber ich will ja nicht nur von einzigartigen, in Regenwald eingebetten Wasserfällen schwärmen, denn da gibt es noch so viel mehr zu glorifizieren. Natürlich haben wir auch Wanderungen und Flusstouren im unwegsamen Lacandon-Urwald gemacht, da hier noch viele Wildtiere leben, die überall sonst zurück gedrängt wurden. Tapire haben wir leider nicht gesehen, jedoch die mittlerweile fast ausgerotteteten Ara-Papageien und Tukane und (schon wieder) Klammeraffen, Brüllaffen, Krokodile, Fledermäuse. An einem späten Abend stehen Kai und ich auf einer Uferwiese und wollen unser Nachtlager aufschlagen, da fangen unzählige, es war eigentlich ein ganzes Heer, von Glühwürmchen im Dunkeln an zu blinken. So weit das Auge reicht ein blinkendes Meer an Glühwürmchen. Und das besonders witzige daran war, dass diese Glühwürmchenart ihre Blinksignale synchronisieren, so dass das gesamte Ufer eine blinkende La-Ola-Welle imitierte. Wir haben ziemlich lange in der kühlen Nacht da gestanden und uns amüsieren und faszinieren lassen. Es ist bestimmt keine leichte Aufgabe für ein Glühwürmchenweibchen sich bei so einer grandiosen Auswahl den am schönsten leuchtenden Partner heraus zu suchen.
    Der für mich interessanteste Teil und vielleicht auch die bedeutsamste Erfahrung dieser Reise, war das Kennenlernen einer Lacandonen-Familie. Lacandonen sind ein, aus etwa noch 700 Menschen bestehendes indigenes Volk und direkte Nachfahren der alten Maya. Beide Geschlechter tragen ihre Haare lang, wobei die Männer sich das Pony schneiden. Und beide Geschlechter tragen ein gerade geschnittenes Leinenkleid. Die Leinenkleider der Männer sind weiß und die der Frauen mit Blumenmustern. Sie sprechen Mayathan und lernen Spanisch erst als Fremdsprache in der Schule, insofern sie überhaupt eine besuchen/ besucht haben. Lacandon bedeutet in Mayathan: wahre oder echte Menschen. Bis ins 20 Jahrhundert lebten sie ohne Kontakt zur Zivilisation als Dschungelnomaden. Sie widersetzen sich christlichen Missionierungsversuchen nach ihrer "Entdeckung" und haben so ihre traditionellen Bräuche und Glauben beibehalten können. In diesem Fall kann man sogar fast von einem glücklichen Ausgang für die Lacandonen sprechen (die Lebensbedingungen sind trotzdem extrem schwierig) da die mexikanische Regierung im Jahr 1972 ihnen 614.321 Hektar ihres traditionellen Siedlungsgebiets als Zona Lacandona überließ und sie somit zu rechtlichen Eigentümern ihres Landes machte. Die Holzfällerunternehmen, die hier zuvor gewütet hatten und die großen Mahagonibäume aus dem Urwald rissen, konnten damit (vorübergehend) gestoppt werden. Ja, nun waren wir hier zu Besuch, bei den sogenannten Indianern. Koh und ihre Familie hat uns während der Tage bei denen wir auf ihrem Grundstück gecampt haben, so herzlich und liebevoll behandelt, dass ich fast weinen musste, als sie mir dann als Abschiedsgeschenk auch noch eine selbstgemachte Kette geschenkt hat. Sie hat jeden Abend für uns gekocht (natürlich nicht kostenlos, aber das würde auch niemand von so bitterarmen Menschen annehmen wollen) und so haben wir schmackhafte und mir völlig unbekannte Nahrung aus dem Lacandonen-Urwald bekommen. Sie konnte lediglich Mayathan sprechen, aber trotz nicht vorhandener sprachlicher Kommunikationsmöglichkeiten, hatte ich das Gefühl, dass sie uns unbedingt an ihrem Familienleben teilhaben lassen wollte. So konnte ich ein ganz kleines bisschen von ihren noch praktizierten Maya-Bräuchen miterleben. Nun weiß ich z.B. das der mächtige Kapokbaum, in ihrer mythologischen Vorstellung der Weltenbaum ist, welcher im Zentrum der Kosmogonie steht. Die Achse des Weltenbaumes durchbricht die verschiedenen Ebenen der Realität und bietet so eine Möglichkeit, von einer Existenzform zur anderen vorzudringen. Mithilfe und entlang dieser Weltachse bewegt sich der Schamane, häufig Mithilfe des psychodelischen Peyotekaktus, zu anderen Ebenen des Seins, um im Dienste der Gemeinschaft mit dort über- und unterirdischen Wesen (Ahnen, Geistern) in Verbindung zu treten.
    Ich bin noch immer beseelt von den Eindrücken und Erlebnissen die ich bei den Lacandonen machen durfte. Und, aus obligatorischen Gründen, haben wir die dortigen Mayaruinen Bonampak und Yaxchilan auch noch besucht. Diesmal war es zumindest ein klein wenig interessanter für mich, da die Lacandonen gerade Yaxchilan noch als zeremoniellen Tempel für ihre Ahnengötter nutzten und dort noch (traurigerweise) Tiere geopfert werden.
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  • Day112

    Zurück im Zuhause light in Mexiko

    July 26 in Mexico ⋅ ⛅ 18 °C

    Auf dem Weg zur guatemaltekischen Grenze passieren wir wieder San Cristobal und beschließen, weil es hier immer Menschen gab, die auch unsere Freunde sein könnten, ein drittes Mal zu verweilen und die restlichen notwendigen Dokumente zu organisieren. Nola muss noch weitere Impfungen erhalten, für die sie zuvor noch zu jung war und gechipt werden. Und wir bzw. unsere Stellvertreter in den USA müssen noch das Auto auf unseren Namen ummelden. Zudem müssen wir, vor allen Dingen Kai, seine Konto-ran-komm-Angelegenheiten regeln, usw. Also noch einiges zu tun, was nicht sofort alles schaffbar sein wird, aber zumindest von hier angestoßen werden kann.
    Wir finden einen waldigen Platz zum campen, ein bisschen außerhalb von San Cristobal, wo eigentlich regelmäßig Goa-Partys stattfinden. Das Pärchen, was die Location betreibt ist super-symphatisch und wir mögen uns direkt alle miteinander. Sie geben uns völlig vertrauensvoll und gegen einen winzigen Obulus den Schlüssel von der eigentlichen Partylocation, so dass wir die dortige Toilette benutzen können, Strom anzapfen dürfen und bei Gefallen auf dem Chill-Out-Sofa rumhängen und Musik hören dürfen. Wir dürfen sogar ihre Adresse benutzen, um uns zwei EC-Karten und eine Kreditkarte aus Deutschland zukommen zu lassen. Am 6. August wird hier auch wieder eine Goa-Party stattfinden, wo wir auf jeden Fall mitfeiern werden. Wie schon gesagt San Cristobal ist immer ein bisschen wie Zuhause ankommen. In Downtown treffen wir zufällig auch wieder alte Bekannte, mit denen wir ebenfalls kurz abhängen. Jetzt bloß nicht wieder hier festkleben, wie die letzten beiden Male. Deswegen wollen wir die mindestens 7-tägige Wartezeit damit überbrücken, in das absolut wenig besuchte Lacandón-Urwaldgebiet zu fahren, welches man nur mit 4-Rad-Antrieb erreichen kann. Außerdem lebt dort auch das indigene Volk der Lacandonen, welche Nachkommen der alten Mayas sind. Da bin ich mal gespannt, da mich indigene Kulturen immer sehr interessieren.
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  • Day108

    Unsicherheitslücken

    July 22 in Mexico ⋅ ☀️ 32 °C

    Wir sind nun mit dem Auto los Richtung Guatemala. Das ist unser Hoffnungsziel. Die Strecke dorthin wird einige Tage in Anspruch nehmen. Erst einmal schaffen wir es bis zur Grenze von Belize. Doch da versuchen wir es erst gar nicht rüber zu kommen mit unseren halbgaren Dokumenten (für das Auto und den Hund), da diese Grenze noch strenger kontrollieren soll. Auf dem Weg zur guatemaltekischen Grenze treffen wir uns noch auf ein Abschiedsessen mit unseren alten Reisebekannten Justus und Maria. Sie fliegen morgen zurück nach Hause und haben sich ärgerlicherweise in der letzten Woche ihres Trips, trotz Sicherheitsabstand zu anderen Menschen, noch mit Corona infiziert. Ihnen geht es aber wieder gut. Wir werden sie in Deutschland bestimmt wieder sehen.
    Kurz vor Belize steuern wir einen Grenzfluss an, wo wir die Nacht über in unserem neuen Auto (er heißt nun Diego) wildcampen bzw. schlafen wollen. Es soll hier Manatis geben und wir hoffen, welche in dem trüben, etwas müffelnden Fluss sehen zu können -hat aber leider nicht geklappt. Wir sind keine 5 Minuten an dem Ort und,**TROMMELWIRBEL**, Kai verliert seinen Geldbeutel. Nun hat er sich in allen Ehren, den Titel "Meisterverlierer" verdient, auch wenn er diesen Titel nicht gerne hört. Naja, zum Glück kommt er ja an sein anderes Geld ohne EC-Karte, Kreditkarte und ohne Online-Banking nicht mehr ran, so das dieses ganz sicher und unverlierbar auf seinem Bankkonto liegt. **IRONIE*AUS**
    Die erste Nacht in Diego (unserem Auto) ist, nun ja, ehrlich gesagt, nicht zum aushalten. Es ist heiß und stickig. Alle vorherigen Sicherheitsbedenken werden von uns noch in der gleichen Nacht über Bord geworfen und alle Türen und Fenster sperrangelweit aufgerissen und diese bleiben dann auch bis zum Morgen geöffnet. Mit dieser Maßnahme ist dann endlich an ein wenig Schlaf zu denken. Die Invasion an Mosquitos die uns fast blutleer stechen oder die angemahnte hohe Kriminalität in der Gegend, sind auf einmal kein Problem mehr. Uns passiert aber nichts weiter und ehrlich gesagt, hat es sich auch gar nicht so dramatisch angefühlt. In der Baja California haben wir das ja auch schon einige Male gemacht. Wir wollen das nun ein bisschen weiter so testen. Kai hat ja nun eine Machete, womit er ....... Kokosnüsse knacken und Feuerholz zerkleinern kann, was auch direkt Anwendung findet. Wird alles also noch ein bisschen abenteuerlicher. Auf der anderen Seite tauschen wir das sowieso vorgetäuschte Sicherheitsgefühl* gegen soviel Naturschönheit ein. So können wir beim schlafen die Sterne und den Mond sehen und den nachtaktiven, teils sehr lauten Tieren lauschen. Das wirkt beruhigend und ich fühle mich verbunden. Auch Nola fühlt sich an solchen wilden, abgelegenen Orten pudelwohl und pest wie von der Tarantel gestochen und glücklich bellend durch das Unterholz, über Sand, und Wiesen. Sie findet das auch viel spannender als die blöden Hostelzimmer. Vor manchen Wildtieren, wie z. B. den Brüllaffen hat sie aber doch noch Angst und will dann wieder ganz kleinlaut zurück auf den Arm. Auch Kai mutiert wieder zum Peter Pan. Zuletzt beobachte ich ihn wie er in einem Vogelspinnennest mit einem Stock rumstochert und sowohl mir als auch der Vogelspinne Angst einjagt. Die nächsten Nächte schlafen wir also abwechselnd in unseren Hängematten oder im Auto mit offenen Heck- und Seitenfenstern und genießen das Wild-Life.

    P. S. : *Das vorgetäuschte Sicherheitsgefühl: so traurig das ist, aber in unserem vermeintlich sicheren Zuhause in NRW wären wir aktuell möglicherweise in eine Flutkatastrophe hinein geraten.
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