• Mauretanien

    November 9, 2024 in Mauritania ⋅ ☀️ 35 °C

    Um etwas Strecke hinter uns zu bringen, fahren wir bis in den Norden von Nouakchott. Dort übernachten wir an einem schönen, einsamen, aber leider vermüllten Strand. Da hier viele Fische springen, versucht Jens sein Angelglück. Leider bleibt der Köder beim ersten Wurf an einem Stein hängen und wir bekommen ihn nicht mehr raus. Dann gibt es heute leider keinen Fisch. Am nächsten Tag schnorchelt Jens vergebens nach dem Köder, während Regina und Marie baden. Nach unserer Nacht am Strand brechen wir auf und fahren zu Daniel und Eva, die auf einen Campingplatz in Nouakchott sind. Der Platz hatte in einer Overlander-App hervorragende Bewertungen, weshalb wir große Erwartungen hatten. Doch als wir ankommen, ist die Enttäuschung groß. Der Campingplatz entpuppt sich als kleiner, heißer Innenhof mitten in der Stadt. Der Putz bröckelt von den Wänden, und es wimmelt nur so von Moskitos. Die sanitären Anlagen waren wenig einladend: Duschen und Toiletten teilen sich eine einzige Kabine, die zudem unangenehm roch. Das Personal spricht ausschließlich Französisch und ist wenig hilfsbereit oder freundlich. Das einzige Interessante sind die großen Fledermäuse, die hier ab der Dämmerung unterwegs sind. Aber man muss sich vor ihren Ausscheidungen in acht nehmen. Insgesamt ist der Aufenthalt dort nicht besonders angenehm, aber wir verbringen dennoch einen Tag und eine Nacht mit Eva und Dani dort und fangen auch an die Malaria Prophylaxe Tabletten zu nehmen. Dies kostet Marie etwas Überwindung, denn die Tablette ist sehr bitter. Aber nach viel Überredungskunst hat sie sie dann doch genommen.
    Eva und Dani müssen noch einen Tag länger bleiben, da sie noch zur Senegalischen Botschaft müssen, um ein Visum für Dani (Argentinier) zu bekommen. Wir brechen nach einer Nacht auf dem Campingplatz am nächsten Morgen auf.

    Während unseres Aufenthalts erfuhren wir auch mehr über die gesellschaftlichen Strukturen in Mauritanien, die uns sehr nachdenklich stimmten. Uns wurde erklärt, dass es in der Bevölkerung große Unterschiede gibt. Die sogenannte “Moch”-Bevölkerungsgruppe, meist hellhäutig, stellt die reichsten 15% des Landes und kontrolliert viele wichtige Bereiche der Gesellschaft. Diese Gruppe hält angeblich bis heute sogenannte Sklaven, die dunkelhäutig sind und aus den ärmeren Schichten stammen. Auch unter den Sklaven gibt es Unterschiede: Es gibt höher gestellte, die etwas bessere Bedingungen haben, und eine unterste Schicht, die besonders schlecht behandelt wird. Vor ein paar Jahren gab es in Mauritanien Wahlen, bei denen das Volk erstmals einen dunkelhäutigen Präsidenten wählte. Doch der wurde vom Militär, das stark vom Moch beeinflusst ist, nicht akzeptiert und abgesetzt. Stattdessen wurde wieder ein weißer Präsident eingesetzt. Diese tief verwurzelten Hierarchien spiegeln sich auch im Alltag wider. Die dunkelhäutigen Schichten arbeiten oft für einen Hungerlohn, während die obere Schicht von ihrer Arbeit profitiert. Das System erschien uns erschreckend ungerecht, und auch der Umgang zwischen den verschiedenen Gruppen war von deutlicher Ungleichheit geprägt.

    Generell haben wir in Mauritanien ein eher beklemmendes Gefühl. Hinzu kommt die Situation der Frauen, die nur wenige Rechte in dem streng Muslimischen Land haben. Uns fällt auf, dass die meisten Männer vor allem Jens ansprechen und mit ihm reden, während Regina oft ignoriert wird. Dieses Verhalten verstärkt unser Unbehagen und gibt uns einen Eindruck davon, wie tief die gesellschaftlichen Unterschiede hier verwurzelt sind.

    Die nächste Herausforderung wartet schon: Geld abheben. Das ist überraschend kompliziert. Erst am vierten Bankautomaten haben wir Erfolg und können endlich mauretanische Ouguiya abheben. Zudem müssen wir unsere verbliebenen marokkanischen Dirham noch umtauschen. In der Nähe des zentralen Marktes finden wir einige Händler, die uns am Schwarzmarkt beim Wechseln helfen. Nach zähen Verhandlungen tauschen wir das Geld schließlich in senegalesische CFA-Franc um – wichtig für unsere Weiterreise über die Grenze. Als wir losfahren haben wir eine kurze Schrecksituation: Ein Mauretanier kommt von der Seite, rennt neben unserem Sprinter und klopft erst gegen das Fenster. Anschließend versucht er die Schiebetür zu öffnen während der Fahrt! Zum Glück verschließen wir immer die Türen, wenn wir fahren. Regina schrie zu Jens, dass er Gas geben solle und so sahen wir dem Mann im Rückspiegel langsamer werden.

    Danach führt uns unsere Route durch das Industriegebiet von Nouakchott zu einer Gasfabrik. Auf dem Weg dorthin wird die Armut der Bevölkerung besonders deutlich. Leute leben in „Hütten“ auf der Straße neben Ziegen, Schafen, Eseln oder Pferden.
    In der Gasfabrik lassen wir schließlich unsere Gasflasche auffüllen, allerdings überfüllt das Personal sie um zwei Kilo. Das ist uns nicht ganz geheuer, also lassen wir das überschüssige Gas vorsichtshalber ab, bevor wir weiterfahren.

    Unser nächstes Ziel war der Diawling-Nationalpark, ein wunderschönes Naturschutzgebiet nahe der senegalesischen Grenze. Wir haben uns bewusst für den Grenzübergang bei Diama entschieden, da Rosso (ein Grenzübergang weiter östlich) für seine Korruption berüchtigt ist. Der Nationalpark ist ein echtes Highlight unserer Reise: unzählige Vogelarten, darunter Störche, und kleine Krokodile (Kaimane) tummeln sich in den Feuchtgebieten. Außerdem laufen hier einige Warzenschweine („Pumba“) herum. Nur die Piste ist eine Herausforderung. Aber auch das meistert unser Rocky gut. Die Vielfalt der Landschaft waren ein wunderbarer Abschluss in diesem Land.

    Am Abend suchen wir uns einen Schlafplatz in der Nähe der Grenze und bereiten uns darauf vor, am nächsten Tag den Übergang nach Senegal in Angriff zu nehmen. Unsere Reise durch Mauritanien ist voller Kontraste – von beeindruckender Natur über kulturelle Eigenheiten bis hin zu den Herausforderungen des Alltags.
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