Abgeführt im Grenzgebiet
April 3 in Jordan ⋅ ☀️ 17 °C
Wir treffen uns mit Leslie und Jérôme sowie der französischen Familie auf einem Overlander-Wildcamp-Spot kurz vor der irakischen Grenze. Mehrere Reisende haben hier schon übernachtet, der Platz wirkt ruhig und unscheinbar. Gemeinsam verbringen wir unseren letzten Abend in Jordanien, sitzen lange zusammen, reden, lachen und bereiten uns innerlich auf den Grenzübertritt am nächsten Morgen vor. Gegen neun Uhr gehen wir schlafen, denn der nächste Tag soll früh beginnen.
Kurz nachdem Marie und Regina im Bett liegen, hält plötzlich ein Militärtruck neben unseren Fahrzeugen. Soldaten steigen aus und bringen uns tatsächlich Getränke. Freundlich fragen sie, ob alles in Ordnung sei. Wir sind überrascht, fast amüsiert über diese Begegnung, und denken uns nichts weiter dabei, als sie wieder in der Dunkelheit verschwinden.
Die Nacht wird still. Dann zerreißt plötzlich das Summen einer Drohne die Ruhe. Wenige Sekunden später folgt ein dumpfer Knall, eine Detonation irgendwo in der Nähe. Wir können das Geräusch nicht einordnen, versuchen weiterzuschlafen, doch ein ungutes Gefühl bleibt.
Etwa eine Stunde später tauchen Scheinwerfer auf. Mehrere Militärfahrzeuge rollen auf den Platz, gepanzerte Wagen und Pickups voller Soldaten. Taschenlampen blenden uns, Stimmen werden laut, Ausweise verlangt. Die Stimmung kippt schlagartig. Nach langen Gesprächen nehmen sie unsere Pässe an sich und erklären, dass wir hier nicht bleiben dürfen. Es habe Drohnenangriffe gegeben, das Gebiet sei zu gefährlich. Wir müssen ihnen folgen. Sofort.
Mitten in der Nacht fahren wir hinter dem Militärkonvoi her, rund achtzig Kilometer zurück in die Stadt zu einem Militärstützpunkt. Dort angekommen müssen wir aussteigen und werden in einen Raum mit Sofas gebracht. Unsere Handys dürfen wir nicht mehr benutzen, keine Fotos machen. Niemand erklärt uns, was passiert oder warum wir hier sind. Wir rufen die deutsche Botschaft und werden beschwichtigt.
Die Stunden ziehen sich endlos. Jerome und Matthieu werden stundenlang vom Militärgeheimdienst befragt. Fragen über unsere Reise, unsere Herkunft, unsere Berufe, sogar über frühere Reisen. Wir müssen im Aufenthaltsraum abwarten, müde, angespannt und zunehmend verunsichert. Die Ungewissheit nagt an uns. Niemand sagt uns, wie lange das dauern wird. Wir machen es uns auf den Sofas gemütlich und versuchen etwas zu schlafen.
Erst kurz nach fünf Uhr morgens geht plötzlich das Licht an. Unsere Pässe werden zurückgegeben. Keine Erklärung, keine weiteren Worte. Wir dürfen gehen.
Um halb sechs fahren wir aus dem Militärgelände hinaus, erschöpft und still. Vermutlich wurden wir im Zusammenhang mit dem Drohnenangriff überprüft, sicher wissen wir es bis heute nicht.
Wir erreichen ein Hotelparkplatz und fallen ins Bett, doch der Schlaf ist kurz und unruhig. Wir sind alle (außer Jens) sind gegen 9 Uhr auf und können noch immer kaum fassen, was in dieser Nacht passiert ist.Read more



TravelerUnd so etwas in Jordanien….. das zeigt, wie angespannt die Lage ist. Sehr erschreckend. Zum Glück ist alles gut ausgegangen. Ab jetzt kann es nur noch besser werden. Was für eine Zeit.
TravelerOh man, da hab ich direkt beim lesen Gänsehaut und weiche Knie bekommen 😱. Gut dass es so glimpflich ausgegangen ist... Ich kann mir vorstellen wie in der Nacht die Minuten zu Stunden wurden...!
TravelerGott sei Dank, alles gut ausgegangen. Passt auf euch auf.