Ein Tag voller Erwartungen
August 27, 2025 in Greece ⋅ 🌙 24 °C
Die Augen öffnen sich heute nur schwer. Doch unten macht Charly deutlich, dass er sein Ritual nicht missen möchte. Jeden Morgen, sobald die Jungs wach sind, wird zuerst gekuschelt – ihre Spezialdecke kommt nach oben und manchmal sinken sie danach noch einmal in den Schlaf. Doch meist siegt die Ungeduld. Vor allem Charly holt sich, was er braucht, legt sich dann mit einer fast arroganten Selbstverständlichkeit wieder hin. Es empört mich jedes Mal aufs Neue – und genau diese Empörung vertreibt dann auch meine Müdigkeit.
Währenddessen höre ich schon den Kessel. Das lauwarme Wasser erwärmt sich, und der Geruch von Gas und Flamme verbindet sich mit der frischen Morgenluft.
Der Muskelkater ist noch immer da, doch heute wollen wir nicht erneut pausieren. Also gibt es unsere morgendliche Sporteinheit, danach die Dusche, den Shake und den Spaziergang mit den Jungs. Ein Ritual, das den Körper kräftigt und den Tag ordnet.
Eigentlich sollten wir benachrichtigt werden, sobald das Ersatzteil da ist. Doch wir entscheiden, schon einmal Richtung Werkstatt zu fahren. Das Auto stellen wir in den Schatten, kühlen es herunter und laufen ein bis zwei Kilometer, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Als wir eine Stunde später zurückkommen, gibt es noch immer kein Ersatzteil.
Wir hoffen. Ich spreche es leise aus, bevor ich in den Mittagsschlaf falle: „Es wäre so schön, wenn wir um zwölf Uhr losfahren könnten.“
Und tatsächlich – um 11:47 Uhr klopft es an der Tür. Das Ersatzteil ist da, wir dürfen in die Halle fahren.
Kurz nach 13 Uhr ist der Wagen fertig. Sven hat die Probefahrt begleitet, alle Fehler sind behoben. Wir dürfen noch Wasser tanken, bezahlen umgerechnet 141 Euro für Sensor und Einbau – und fahren los. Endlich. Voll mit Wasser, leer mit Abwasser und erfüllt von Vorfreude.
Doch kaum 50 Kilometer weiter meldet sich die vertraute Stimme der Maschine zurück: Die orange Lampe leuchtet erneut. Penetrant, fast spöttisch, als wolle sie sagen: „Nein, ans Meer dürft ihr noch nicht.“
Da wir nun schon zu weit gefahren sind, um zurückzukehren, suchen wir nach einer neuen Werkstatt – diesmal in Nordmazedonien, 65 Kilometer entfernt. Dort angekommen, wird das Auto erneut geprüft. Der gleiche Fehler erscheint wieder, als wolle er uns nicht loslassen. Doch wegen des morgigen Nationalfeiertags kann nichts unternommen werden – außer wir würden bleiben. Aber das wollen wir nicht.
Der Mitarbeiter erklärt uns, dass wir weiterfahren können, nur eben mit wenig Leistung. Also versuchen wir unser Glück. Wir haben es nicht eilig, wir sind im Urlaub – und so dürfen auch die Kilometer langsamer werden.
Über park4night finden wir einen Platz kurz hinter der griechischen Grenze, an einem Fluss. Noch zwei Stunden Fahrt. Heute also wieder kein Meer, aber doch ein Stück näher. Schritt für Schritt, Umweg für Umweg.
Es ist wie mit einem Fluss: Wehrst du dich gegen die Strömung, wird sie dich hinabziehen und dich immer wieder irgendwohin werfen. Doch beginnst du zu vertrauen und lässt dich tragen, nimmt dich die Strömung mit, integriert dich in ihr Spiel – und bringt dich irgendwann an das richtige Ufer.Read more








