• Die Sprache der Bäume

    September 12, 2025 in Greece ⋅ ☀️ 27 °C

    Gestern führt uns der Weg an Orte, die kaum festzuhalten sind in ihrer Schönheit. Wir fahren hinauf in die Berge, vorbei an Windrädern und sehen von dort oben die Gegensätze, die diese Insel so einzigartig machen: das tiefe Blau des Meeres und das kräftige Grün der Berge, nah beieinander und doch so verschieden.

    Später geht es vorbei an einem Industriegebiet und durch ein Dorf, das beinahe verlassen wirkt, nur hier und da ein Haus. Von weitem schon leuchtet eine weiße Bucht und wir fragen uns, ob es wohl der Sand ist, der so hell strahlt. Der letzte Abschnitt führt über Schotter, dann steil bergab. Sven zweifelt, ob wir hier gut runterkommen. Ich winke ab: „Nicht so steil.“ Vielleicht bereue ich das beim Rückweg, doch jetzt sind wir hier und vor uns liegt eine kleine Bucht, so klar, dass sie den Atem raubt. Pounda Beach.

    Die Bäume am Strand sind bis zur Hälfte weiß gestrichen, vielleicht zum Schutz vor dem Salz. Sechs blaue Bänke stehen in gleichmäßigen Abständen, als hätten sie sich zum Gespräch verabredet. Manche Bäume sind so krumm gewachsen, dass man auf ihren Stämmen sitzen könnte. Der Strand ist bedeckt mit weißen Kieseln, die sanft ins klare Wasser führen.

    Ein Einheimischer begrüßt freundlich, erzählt, dass hier nur zwei Menschen wohnen, er selbst und ein anderer, weiter oben im Dorf. Dann zieht er von dannen und für eine Weile gehört die Bucht nur der Stille und uns.

    Doch gegen Abend kommen Autos. Nach und nach sind die Bänke besetzt: manche angeln, manche reden, andere spielen mit ihren Kindern. Alles bleibt friedlich, fast selbstverständlich. Und dann, wie auf ein unsichtbares Zeichen hin, verschwinden sie wieder und der Platz liegt erneut still. Spät gehen auch wir noch einmal ins Meer, lassen uns vom Wasser tragen und kehren dann zurück in unser Wohnmobil.

    Heute Morgen fällt mein Blick auf einen Baum. Einer, der mal gerade stand, doch irgendwann gefallen ist. Während andere ringsum unerschütterlich bleiben, hat er sich neu erfunden. Aus dem alten Stamm wächst frisches Grün, 🌿 biegt sich empor, sucht wieder das Licht. 💫

    Vielleicht erzählt er davon, dass Leben nie nur aus Standhalten besteht. Dass es Brüche gibt, Stürze, Wunden und doch immer auch die Möglichkeit, neu anzufangen.
    Manchmal ist es ein anderer Blickwinkel, manchmal ein unerwarteter Weg, manchmal einfach der Mut, trotz allem weiterzuwachsen.

    Manchmal zeigt erst der Bruch, wohin das Leben neu wachsen will.
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