Wenn Umwege Geschichten schreiben
September 14, 2025 in Greece ⋅ ☀️ 26 °C
Manche Tage fühlen sich an, als wollte man sie beinahe streichen. Nicht, weil sie ohne Schönheit wären, sondern weil sie voller kleiner Prüfungen sind, die den Fluss des Reisens ins Stocken bringen.
Gestern wachen wir an einem Strand auf, wo Felsen in die Höhe ragen und die Wellen ungestüm toben. Baden ist unmöglich, das Meer zeigt seine wilde Seite. Der Norden der Insel empfängt uns kühler, dichter bewachsen mit Pinien, Nussbäumen, Olivenhainen, Palmen und vielen anderen Pflanzen. Schön, ja, doch anders. Es fehlt dieses strahlende Licht, das uns im Süden so verwöhnt hat.
Gegen Mittag finden wir einen Platz im Schatten hoher Pinien. Die Einfahrt ist eng, Äste hängen tief. Sven räumt geduldig die morschen Zweige beiseite, ich helfe mit und ziehe einen Ast zur Seite, bis wir zwischen zwei Bäumen stehen. Eigentlich wollen wir frühstücken, doch Müdigkeit übermannt uns. Zwei Stunden Schlaf später wird der Tisch gedeckt, es ist fast 15 Uhr. Ein spätes Frühstück, das dennoch nach Ferien schmeckt.
Auf der Weiterfahrt fehlt plötzlich meine Sonnenbrille. Zurück am Platz liegt sie da, überrollt vom Gewicht des Campers und doch nicht zerbrochen, nur die Bügel sind verbogen. Ein kleiner Stich ins Herz und zugleich ein stilles Bild dafür, wie manches im Leben sich biegt und trotzdem nicht bricht. Sven verspricht, sie wieder in Form zu bringen.
Wir fahren weiter, suchen, vergleichen. Strände mit Treibholz, als hätte das Meer eine ganze Last verloren. Orte, die schön sind, aber nicht wirklich passen. Während die Sonne sinkt, werden die Wege enger und steiler, der Asphalt weicht dem Schotter. Katzen huschen, ein Hase springt vor uns her, Kröten groß wie Handflächen kriechen über die Straße. Dunkelheit legt sich über die Berge und ich spüre, dass ich nicht mehr auf diesen Wegen fahren möchte, die ins Ungewisse führen. Schließlich halten wir in einer Brandschneise, schwarz gezeichnet von vergangenen Feuern.
Mein Magen rebelliert, die Unruhe des Tages ist in mir angekommen. Es ist spät, 21 Uhr, doch mit etwas Zeit und einem Matcha, den Sven zaubert, kehrt Ruhe ein. Kurz bevor wir schlafen gehen wollen, schleicht sich eine Hornisse ins Wohnmobil. Fünf Mitreisende wären einer zu viel. Mit Spray und Handtuch bringt Sven sie hinaus, doch draußen summt es weiter. So schlafen wir ein, begleitet von einem Rest Unbehagen.
Am Morgen, noch im Bett, höre ich Sven von der Gassirunde zurückkehren. Die Hornissen sind geblieben, umschwirren das Fahrzeug. Also packen wir zusammen und fahren los, froh, den gestrigen Tag hinter uns zu lassen.
Vierzig Minuten später halten wir an einem Strand, frühstücken ausgiebig und genießen den Morgen, den wir wegen der Hornissen verloren haben. Wir wollen weiterziehen und finden nach einiger Zeit einen Platz, der uns einlädt zu bleiben: Nisiotissa Beach. Eine kleine Bucht mit Blick auf eine Felseninsel, auf der die Reste eines alten Klosters aus der Frankenzeit stehen. Wir richten uns ein, lassen den Blick schweifen und beginnen, die nächsten Tage zu planen. Vielleicht verlassen wir die Insel schon morgen.
Ein kleines Fazit drängt sich ins Herz. Der Norden hat seine Reize, doch er berührt uns nicht wie der Süden. Hier ist die See rauer, der Müll kehrt zurück. Im Osten bleiben die Strände verborgen, sichtbar nur von oben, wie ferne Träume. Die Wege führen selten direkt hinab. Im Westen und Süden aber zeigt die Insel ihr schönstes Gesicht: Wasser, klar und türkis, Strände, die wirken, als gehörten sie einer anderen Welt.
Manche Orte nimmt man als Erinnerung mit. Andere trägt man als Gefühl im Herzen weiter.Read more


















