Die Stille zwischen zwei Wellen
September 16, 2025 in Greece ⋅ ☀️ 26 °C
Der Tag beginnt friedlich. Die Sonne hebt sich langsam über das Meer und ich nutze den Augenblick, um beim Sonnenaufgang eine Yogaeinheit zu üben. Danach gehen wir schwimmen, das Wasser liegt ruhig vor uns, so anders als gestern, als die Wellen zu stark waren.
Später will Sven die enge Straße wieder hinauf. Der Shake, den wir uns als Frühstück vorgenommen haben, muss also noch warten. Manchmal steige ich aus, halte Äste zur Seite, damit das Auto nicht noch mehr Kratzer bekommt. Oben angekommen zaubert Sven schließlich den Shake, während ich noch ein wenig recherchiere, was er mir aufgetragen hat. 😊
Die Fahrt dauert heute etwas länger. Zwei Stunden zeigt das Navi und als wir das Gebirge verlassen, öffnet sich die Landschaft weiter. Wir fahren nach Nordosten, hinein in ein anderes Stück Griechenland.
Ein Strand, den wir zuerst ansteuern, ist überfüllt. Menschen dicht an dicht. Ich sage lachend auf Türkisch „Anne Baba günü“ – Mutter-Vater-Tag, so nennen wir Orte, die überquellen vor Menschen. Wir fahren weiter, denn obwohl wir Menschen mögen, ist uns die Zweisamkeit, unser kleines Rudel, gerade wertvoller. Wir sind noch nicht bereit für so viele Menschen. 🙈
Wir halten noch bei Supermärkten an, um uns mit dem Nötigsten einzudecken. Erst der zweite Laden überzeugt uns, hier sieht alles frischer und appetitlicher aus. Mit vollen Taschen und Wasser im Tank fahren wir weiter, bis wir einen Platz finden, der uns willkommen heißt. 🙏🏻
Bevor wir es uns gemütlich machen, sammeln wir den Müll ein, der verstreut liegt: Plastikflaschen, Papiere, ein kaputter Stuhl. Zwei volle Säcke tragen wir zur Tonne. Zurück bleibt ein sauberer Platz, so wie er sein sollte. Ich frage mich, warum Menschen so achtlos sind. Ob sie zu Hause auch so leben oder ob sie nur dort achtlos werden, wo sie glauben, dass es niemanden kümmert.
Später gönne ich mir eine Honig-Kokos-Packung für die Haut, lasse sie einwirken, reibe sie mit Kaffeesatz ab, dusche und sitze erfrischt am Strand, während Sven und die Jungs noch einmal ins Meer gehen. Süß wieviel Spaß die drei haben. 🥰
Vielleicht war es heute Morgen mein letztes Bad im griechischen Meer. Vielleicht gibt es morgen früh noch eine Runde, vielleicht auch nicht. Doch ich bin in so vielen stillen und schönen Buchten geschwommen, dass meine Sehnsucht nach Wasser gestillt ist. 🙏🏻
Morgen werden wir Griechenland wohl verlassen, es sei denn, ein Ort hält uns noch einmal fest. Doch unser Herz richtet sich langsam nach Hause. Am Mittwoch beginnen meine Kurse wieder und auch auf dem Grundstück gibt es noch manches zu tun. Die Fenster vor dem Studio sind nun endlich drin und auch dort wartet noch Arbeit.
Wir fühlen uns erholt. Der Blick ist klarer, der Fokus zurück. Diese Reise hat uns gezeigt, wie wichtig Pausen sind.
Oft vergessen wir sie. Doch es sind die Pausen, die den Rhythmus des Lebens tragen. Wie Atemzüge zwischen den Sätzen, wie Stille zwischen zwei Wellen. In ihnen findet sich die Kraft, neu zu beginnen.
So wie das Meer im Zurückweichen seine Kraft sammelt, so schenkt auch die Pause dem Leben neue Weite.Read more








