Im Rhythmus der Jahreszeiten
September 18, 2025 in Serbia ⋅ ⛅ 23 °C
Der Platz, den wir uns gestern ausgesucht haben, zeigt sich am Abend und am Morgen noch einmal von seiner ganz besonderen Seite. Immer wieder staunen wir, wie schön er ist. Ein Ort, den mein liebster Mann ganz ohne App, sondern einfach mit einem Blick auf die Karte gefunden hat. Wir haben schon einige solcher Plätze gesammelt, die wir mit einem Herz markieren, um vielleicht eines Tages zurückzukehren. So wie unseren alten Postweg in Serbien.
Am späten Nachmittag rollt Besuch heran: Susann und Rüdiger aus Dresden, unterwegs in Richtung Türkei. Wir hatten sie auf der App in unsere Richtung fahren sehen, Sven schickte den Standort und schon stehen sie ca. zwei Std. später da. Sven lässt die Drohne steigen und hält nicht nur unsere Begegnung fest, sondern auch das Land, das uns umarmt.
Wir verbringen den Abend gemeinsam, sitzen, plaudern, teilen ein langes Abendessen. Die Sonne verabschiedet sich in Farben, die den Himmel zum Leuchten bringen und in der Nacht schenkt mir der Sternenhimmel sogar eine Sternschnuppe. 💫 Heute Morgen sitzen wir noch einmal bei einem gemeinsamen Frühstück zusammen, bevor jeder wieder seines Weges geht.
Unser Navi zeigt 388 Kilometer bis zu unserem Ziel: der alten Poststraße, wo wir die Nacht verbringen wollen, bevor es morgen weiter in Richtung Tschechien geht.
Gestern Abend war die Luft schon spürbar kühl. Mit Pullover und dem warmen Fell, das Susann mir geliehen hat, ließ ich mich einhüllen und kroch später tief eingemummelt ins Bett, sogar mit langem Pyjama. Heute Morgen greife ich erneut zur langen Hose. Der Sommer verabschiedet sich und ich spüre, wie der Herbst näherkommt. Doch anstatt Wehmut ist da Freude. 🍂
„Der Herbst ist ein Kunstwerk, alles andere sind Jahreszeiten.“
– unbekannt
Die Blätter beginnen sich zu färben, die Sonne trägt noch Kraft und dennoch wächst die Lust, sich in Kaschmir zu hüllen. Ich liebe es, satt zu sein vom Sommer und dankbar weiterzugehen in die nächste Zeit.
Auf der Fahrt begleiten mich Gedanken über Veränderung. Wie wir uns täglich wandeln, bewusster werden und auch die Vorlieben sich verschieben. Früher konnte ich vom Sommer nicht genug bekommen, heute schätze ich jede Jahreszeit für sich. Den Winter ebenso wie den Sommer, den Regen ebenso wie die Sonne. Vielleicht, weil genau das das Leben beschreibt. Wir haben nicht immer Sonnenschein und nicht immer Regen.
Am Nachmittag erreichen wir unseren Platz. Wir laufen einen langen Spaziergang barfuß, die Sonne strahlt so warm, dass wir die Shirts ausziehen. Wunderbar, nach den vielen Stunden im Auto die Weite dieser endlosen Straße unter den Füßen zu spüren. Dann taucht ein Mähdrescher auf, wirbelt Staub über die Felder. Auch wenn das Auto weit genug entfernt steht, um nichts abzubekommen, räumen wir den Platz und fahren ein paar Felder weiter. Dort richten wir uns neu ein. Ruhig, still, mit derselben Schönheit, als hätte uns das Leben einfach einen anderen Rahmen für denselben Moment geschenkt. Wir genießen die Stille, die Zweisamkeit, das Jetzt.
Im Yoga ist eines der Ziele, mit allem, was uns begegnet, in Gleichmut zu sein. Früher verwechselte ich das mit Gleichgültigkeit und fand den Gedanken schwer. Doch vor einigen Tagen, in meinen Unterlagen, fiel der Knoten:
Gleichgültigkeit bedeutet: Es berührt mich nicht, es tangiert mich nicht – ein Zustand von Abwesenheit und Desinteresse.
Gleichmut bedeutet: Es berührt mich, doch es tangiert mich nicht – ich nehme wahr, spüre vielleicht sogar Mitgefühl, bleibe aber innerlich ruhig.
Vielleicht ist Gleichmut genau das: im Auf und Ab des Lebens zu stehen wie ein Baum im Wind, berührt von Sonne und Regen und doch tief verwurzelt im Vertrauen.Read more



















