• Zwischen Grenzen und Windrädern

    September 20, 2025 in Hungary ⋅ ☀️ 14 °C

    Gestern Abend fiel mir im Bett auf, dass ich gar keinen Bericht geschrieben habe. Manchmal sind es die unspektakulären Tage, die leise vorbeiziehen, ohne dass man sie festhält. Also hole ich es heute nach.

    Wir wachen am Morgen an unserem Platz auf und es gibt ein schnelles Frühstück. Mir fehlt der Hunger, auch die Lust und so meldet sich Sven freiwillig, den Tisch zu decken. Wenn er das übernimmt, ist es eher pragmatisch: Pappteller, schnell, praktisch. Danach brechen wir auf. Fast sechs Stunden zeigt das Navi an , ein langer Tag liegt vor uns.

    Bis zur Grenze läuft alles flüssig, doch dort verlieren wir eine Stunde. Die serbische Seite lässt uns ohne Blick ins Wageninnere passieren, die ungarische ist gründlicher. Eine Dame steigt vorsichtig ein, fragt freundlich, ob sie sich umsehen darf, klopft an die Badezimmertür, schaut kurz hinein. Sie will wissen, ob wir etwas zu verzollen haben, lässt sich die Hundeausweise zeigen, streichelt die beiden mit den Augen und wünscht uns eine gute Weiterfahrt. Freundlich und ohne Härte.

    Die Fahrt aber strengt mich an. Irgendwann schlägt Sven vor, ein Mittagsschläfchen zu machen. Die Jungs und ich versinken sofort in den Schlaf, nur er steht bald wieder auf und will weiterfahren. Ich bleibe liegen, tue so, als könnte ich schlafen auch wenn ich längst wieder wach bin.

    Doch dann stecken wir im Stau. Der, den wir vor unserer Pause umfahren wollten, hat sich inzwischen ausgebreitet, von der Autobahn bis auf die Nebenstraßen. Sven entscheidet sich für einen größeren Umweg, und irgendwann reicht es uns allen. Heute soll Schluss sein, morgen fahren wir eben mehr.

    Wir finden einen Platz, eingerahmt von Windrädern. Endlich wieder Windräder, sage ich lachend. Auf dem Weg dorthin passieren wir eine Pferdekoppel, so viele Tiere auf einmal, dass ich Sven frage, ob wir uns auch andere Tiere anschaffen wollen. Hühner? Ziegen? Ein Pferd? Überall nur ein klares Nein. Nur bei einer Schildkröte hält er kurz inne. Vielleicht. 🐢 Wer weiß, ob eines Tages ein kleines Schildi zu uns findet.

    Auf dem Platz aber riecht es nach Hühnern, und der Geruch wird stärker, bis wir beschließen, noch einmal umzuziehen. Wieder Windräder, diesmal ohne Geruch, dafür mit einem Himmel, der in strahlendem Blau leuchtet. Die weißen Flügel schneiden rhythmisch durch die Luft, über grüner Wiese, über weitem Land. Ein Bild von Klarheit.

    Ich sitze am Laptop, arbeite ein wenig, während Sven einen Film einschaltet, der so schlecht ist, dass er bald mehr über meiner Schulter hängt als beim Bildschirm bleibt. Wir lachen, lassen den Abend still ausklingen.

    Um 21:37 Uhr liegen wir im Bett. Zum ersten Mal seit vier Wochen klingelt am Morgen der Wecker um sechs. Ein Kaffee, ein Matcha, ein Shake für unterwegs. Heute fahren wir durch. Nach Hause. 🏡

    Und doch bleibt ein Teil von mir immer unterwegs. Vielleicht ist Heimkommen nichts Endgültiges, sondern ein Innehalten, wie ein Atemzug zwischen zwei Schritten. Die Straßen werden vertrauter, das Ziel rückt näher, und gleichzeitig trägt die Reise weiter in uns nach.
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