• Die alte Euripos Brücke Chalkida

    May 27 in Greece ⋅ ☀️ 29 °C

    Wenn man so wie wir Euböa auf der Westseite entlang segelt kommt man früher oder später in die Verlegenheit bei Chalkida die Brücke über den Euripos zu passieren.
    Und genau dort hin machten wir uns auf den Weg.
    Der Euripos ist ein natürlicher Meereskanal zwischen dem Festland auf der Westseite und der Insel Euböa auf der Ostseite.
    Es ist die schmalste schiffbare Meerenge der Welt, teilt die Inselhauptstadt Chalkida in zwei Hälften und ist bei der Brücke nur 40 Meter breit.
    Über den Euripos führte bereits seit 411 v. Chr. eine Brücke, die Chalkis mit dem Festland verband.
    Schon die Anfahrt ist spannend. Vorbei an einem riesigen aufgegebenen Zementwerk, unter der neuen Autobahnbrücke durch und dann steht man endlich vor der 1962 erbauten Brücke.
    Die Gezeitenströmungen sind für Mittelmeerverhältnisse enorm, kann bis zu 9 Knoten erreichen (könnten wir mit der "Ostbahn" nicht bewältigen) und ändert regelmäßig etwa alle 6 Stunden und 12 Minuten die Richtung. Bei Voll- und Neumond kann der Wechsel bis zu 14 mal täglich stattfinden. Die sogenannte "freaky Tide".
    Die Durchfahrt durch diese Engstelle mit der Brückenpassage gehört meiner Meinung in das Portfolio jedes Seglers.
    Die Brücke öffnet nur Montag, Mittwoch und Freitag des Nächtens für etwa eine Stunde. Die Öffnungszeiten richten sich nach Ebbe und Flut.
    Wir hatten am späten Nachmittag am Warteplatz vor der Brücke den Anker versenkt. Dann die Entscheidung: wie ein Lulli über die Brücke zum Büro der Brückenbehörde oder wie ein Verrückter rein ins Dinghy, dem 2,5PS Karpfenhäcksler vertrauen und durch die Strömung und mit Hurra drüben anlegen.
    Ich hab das Hurra gewählt, wurde hin und zurück jeweils kräftig von der Strömung herumgeschubst und habe brav die Passage bezahlt.
    Knappe 37€ ist nicht geschenkt, aber man gönnt sich ja sonst nichts!
    Dann beginnt ab 21:30 Uhr das Warten.
    Ich hab ein bisserl geschlafen, Moni hat ein neues Aufbewahrungskörbchen gehäkelt.
    Irgendwann gegen 0:30 hatten die ungeduldigen Skipper per Funk angefragt wann es endlich los geht. Lakonische Antwort: "Keep Standby, you will be informed!" Wir mussten schmunzeln...
    Gegen 1:45 war es dann so weit! Stillwasser - die Zeit wenn Ebbe und Flut keine Strömung produziert - setzte ein. Die Boote wurden einzeln aufgerufen: "Ostbahn, this is Bridge Authority, prepare your boat, wait in front the bridge, don't in the middle of the channel, at first an Cargo Ship, then you will be called again".
    Die Ungeduldigen nervten wieder rum, dann teilte sich die Brücke, die beiden Teile schoben sich nach Links und Rechts weg und das Frachtschiff passierte als Erstes. Ein Boot nach dem anderen wurde wieder namentlich auf die Reise geschickt! Wir reihten uns ein und steuerten auf die hell beleuchtete Engstelle zu.
    Nach wenigen Minuten war der 37€ Spuk vorbei und wir mit 15 weiteren Booten auf der anderen Seite! Etwa 20 Minuten später hatten wir unseren angepeilten Ankerplatz für die restliche Nacht erreicht. Rechtschaffen müde fielen wir in unsere Kojen und waren glücklich über das Erlebnis und dass die Nacht windstill war.
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