• Tag 9 - Planänderung

    19. april, Sydafrika ⋅ ⛅ 20 °C

    Egal wie gut ein Plan auch sein mag – wenn Pläne scheitern, muss man nicht traurig sein. Man sollte dankbar sein, weil sich unerwartet Türen öffnen und man ein Abenteuer erleben darf.

    Man geht nicht auf einen Abenteuerurlaub, um in gelernten Routinen zu bleiben. Man macht ihn, um zu wachsen, Erfahrungen zu sammeln und die Welt auch mal außerhalb des eigenen Tellerrands zu sehen.

    Die Nacht war einstellig, noch erträglich, aber schon ganz schön frisch in unserem Zelt. Am Morgen, auf dem Weg zum Sanitärhäuschen, habe ich mich mit einem netten Mann mittleren Alters unterhalten. Er hatte einen brutal gut ausgestatteten Geländewagen mit Winde und allem, was man sich vorstellen kann, um auf jede Eventualität vorbereitet zu sein.

    Ich fragte ihn, ob er den Baviaanskloof schon mal gefahren ist. Natürlich – was für eine Frage. Auch er empfahl, den Reifendruck zu senken und im Zweifel in Patensie nachzufragen, was bei den aktuellen Streckenverhältnissen sinnvoll ist. Gleichzeitig gab er mir ein gutes Gefühl, weil er sehr von unserem Auto schwärmte. Ich war etwas erleichtert – und trotzdem angespannt.

    Gegen 9 Uhr fuhren wir los.

    Tag drei der Safari wurde gecancelt, einen richtigen Plan B gab es erstmal nicht. Und um nicht nur im Auto zu sitzen und stumpf von Schlafplatz A zu Schlafplatz B zu fahren, entschieden wir uns für einen Abstecher nach Kenton-on-Sea und machten einen Strandspaziergang.

    Der Strand ist vermutlich eher ein Geheimtipp. Der Parkplatz war zwar gut besucht, aber durch die Weitläufigkeit hat sich alles verloren. Wir liefen auf die nahegelegene Düne – und was soll ich sagen: der Ausblick war atemberaubend.
    Der Blick auf den menschenleeren Strand, die Wellen und der Wind, der einem ins Gesicht peitschte, vermittelte dieses Gefühl von echtem Durchatmen.

    Gerade waren wir noch auf wilder Safari und haben Ausschau nach den Giganten Afrikas gehalten – und ein paar Kilometer weiter schien die Welt plötzlich wieder ganz ruhig und normal.

    Doch der Schein trügt.

    Wir machten uns weiter auf den Weg nach Port Elizabeth. Ein paar Vorräte und Wasser mussten noch besorgt werden. In den nächsten zwei Tagen wollen wir den ersten Offroad-Track in Südafrika fahren – den Baviaanskloof.

    In Port Elizabeth war das Glück mal wieder auf unserer Seite. Sonntag, Einkaufszentrum geöffnet – aber nur bis 14 Uhr. Wir kamen um 13 Uhr an und waren pünktlich zum Ladenschluss fertig. Perfektes Timing 🤪💪🏽
    Ein bisschen wie so oft auf dieser Reise: gerade noch knapp – und dann passt es doch irgendwie.

    Weiter ging die Fahrt nach Patensie. Hier wollten wir nochmal volltanken. Ich kaufte ein Reifen-Reparatur-Kit und der nette Tankwart stellte unseren Reifendruck auf 1,8 bar ein.

    Kurze Randnotiz: 1,8 bar auf normalen Straßen sind natürlich viel zu wenig. Mit zu niedrigem Reifendruck wird der Reifen weicher und erhitzt sich schneller. Das kann zu schlechterem Handling, einem längeren Bremsweg und im schlimmsten Fall zu einem Reifenschaden führen.

    Für den Offroad-Track mit Geröll und vielen Steinen ist dieser Reifendruck jedoch empfehlenswert. Der Reifen kann sich so besser an die Steine anpassen, hat mehr Auflagefläche und dadurch mehr Grip, was das Vorwärtskommen deutlich erleichtert..

    Mit maximal 30 km/h fuhr ich dann 14 km Richtung Campingplatz. Und eins ist sicher: 14 km auf einer eigentlich gut ausgebauten Straße können sich mit dieser Geschwindigkeit endlos anfühlen. Die Autos, die uns überholt haben, haben vermutlich nur den Kopf geschüttelt.

    Vorweg: Ich hatte – ganz organisiert – einen Campingplatz vorab gebucht. Naja… der Platz war bombastisch, die Lage atemberaubend – nur eben ohne Strom.

    Isabelle war… sagen wir mal: weniger begeistert. 🙈😂

    Dafür kam ihre mitgebrachte Klopapierrolle aus Deutschland direkt zum Einsatz. Man glaubt es kaum, aber hier gab es auf der Buschtoilette tatsächlich kein Toilettenpapier.
    Ein richtiges Klo mit Spülung – aber ohne Papier. Afrika überrascht einen immer wieder.

    Gegen 18 Uhr wird es in Südafrika dunkel. Schnell dunkel. Und teilweise auch ziemlich kalt.
    Aber der Sternenhimmel hier draußen ist einfach gigantisch. Durch die Lichter des Campingplatzes und eine leichte Bewölkung kam er nicht ganz zur Geltung, aber man konnte trotzdem dieses leise Funkeln erahnen.

    Diese Ruhe. Diese Weite.

    Morgen geht es dann ins erste richtige Offroad-Abenteuer.
    Mal schauen, ob ich vor Nervosität ruhig schlafen kann.
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